Newsletter abonnieren
Titel-miklos-rieger
Bild: Robert Rieger
Sportförderung

Berlin zeigt Talent

Mehr Grundschulkinder der Hauptstadt für den Sport zu gewinnen, das ist das Ziel des Programms „Berlin hat Talent“. Ab 2020 will die von der Berliner Sparkasse unterstützte Initiative des Landessportbundes und des Senats ganz Berlin abdecken. Miklós Rieger ist ein Kind dieses Projekts – inzwischen träumt der Moderne Fünfkämpfer von Olympia.

Über den Olympiapark hat sich die Abenddämmerung gelegt, in der Fechthalle brennt noch Licht. Trainer Udo Wagner übt mit einem Schützling. Miklós Rieger schaut kurz zu, dann geht er weiter. Mütze auf, Fahrrad holen, ab nach Hause. Er hat sein Tagespensum geschafft: morgens Fechten, Schule, am Nachmittag Schwimmen, dann eine einstündige Laufeinheit und anschließend noch Athletiktraining. Am nächsten Morgen geht es weiter: mit Unterricht, mit Training, mit dem großen Traum. Miklós Rieger ist 14 und eines der Talente im Modernen Fünfkampf in Deutschland. Er will zu Olympia. Dass er davon träumen darf, hat er dem Projekt „Berlin hat Talent“ zu verdanken. „Würde es das nicht geben“, sagt Miklós, „wäre ich jetzt nicht hier.“

Miklos-rieger 6
Bild: Robert Rieger

Traum von Olympia

Der Landessportbund (LSB) Berlin startete zusammen mit dem Senat 2011 die Initiative „Berlin hat Talent“. Miklós war das erste Kind im Modernen Fünfkampf, das es über dieses Projekt auf die Poelchau-Oberschule, die Berliner Eliteschule des Sports im Olympiapark, geschafft hat. Das Ziel des Programms: Berliner Kinder sportlich fördern und fordern. In der dritten Klasse unterziehen sie sich dem Deutschen Motorik-Test (DMT). Es geht um Ausdauer, Kraft, Koordination, Schnelligkeit und Beweglichkeit – und vor allem darum, Kinder für Sport zu begeistern.

Miklos-rieger 1
Bild: Robert Rieger

Die Kinder, die beim Test am besten abschneiden, werden zu einer Talentiade eingeladen: zu einem Hallen-Sportfest in ihrem Bezirk, wo sie in drei Stunden vor den Augen der Landes- und Vereins­trainer von der Leichtathletik über Rudern, Radsport, Modernen Fünfkampf, Basket-, Volley- und Wasserball etliche Sportarten kennenlernen können. „Wir wollen möglichst viele Kinder bewegen“, sagt Janine Gegusch, Programm-Koordinatorin in der Abteilung Leistungssport des LSB. „Das gelingt immer besser. Ohne die Unterstützung des Senats und unserer Partner, der Berliner Sparkasse und der AOK Nordost, wäre das Programm in der Form nicht möglich.“

Leuchtturmprojekt „Berlin hat Talent“

Seit dem Start 2011 wurden etwa 48.000 Berliner Drittklässler getestet. 2018/19 machten 72 Prozent der angefragten Berliner Schulen mit. Im laufenden Schuljahr sind LSB und Senat mit der Initiative in acht Berliner Bezirken. Ab 2020/21 wird das Programm voraussichtlich flächendeckend angeboten, dann soll in jedem Schuljahr jeder Bezirk abgedeckt werden. Die Zahlen belegen den Erfolg des Projekts, das längst Leuchtturm-Wirkung hat. Zuletzt gab es Anfragen aus Mecklenburg-Vorpommern und sogar aus Österreich. „Unser Ansatz hat sich gewandelt“, sagt Gegusch. „Talente in Vereine und im Idealfall in eine der drei Berliner Eliteschulen des Sports zu bringen, ist eine Säule. Es geht aber inzwischen auch verstärkt um die Arbeit mit Kindern mit motorischem Förderbedarf in Bewegungsfördergruppen und um die breite Mittelschicht. Etwa 70 Prozent der Kinder haben weder Defizite noch werden sie zur Talentiade eingeladen. Bei ihnen soll ebenfalls der Spaß am Sport geweckt oder verstärkt werden.“

Miklos-rieger 5
Bild: Robert Rieger

Kindern den Spaß am Sport näherbringen

Miklós Rieger hält das für den idealen Ansatz: „Das Konzept funktioniert. Es geht nicht darum, dass die Kinder Leistungssport machen. Es geht darum, dass sie Spaß am Sport finden. Der bleibt dann ein Leben lang.“ Miklós spielte früher Fußball und Floorball. Als Drittklässler der Charlottenburger Nehring-Grundschule absolvierte er den Motorik-Test. Zur Talentiade schaffte er es zunächst nicht, „die Teilnehmer-Plätze waren schnell weg, das Projekt war damals noch nicht so groß wie heute“.

Moderner Fünfkampf: vielseitige sportliche Ausbildung

Fünfkampf-Trainer Erik Krüger testete im Anschluss an die Talentiade mit einer Talentsichtungsgruppe, zu der Miklós zählte, über elf Wochen jeden Samstag eine andere Sportart. „Wir haben uns ausgetobt“, erzählt Miklós. „Eine der angebotenen Sportarten war Moderner Fünfkampf.“ Schwimmen, Laufen, Schießen, Fechten und Reiten – dieser gegensätzliche Mix faszinierte ihn: „Du brauchst im Fünfkampf Kraft beim Schwimmen, Koordination und Schnelligkeit beim Fechten, Kondition beim Laufen, gleichzeitig Konzentration beim Schießen und Einfühlungsvermögen beim Reiten, wo du ein Pferd zugelost bekommst. Vielseitiger kann eine sportliche Ausbildung nicht sein.“

Miklos-rieger 3
Bild: Robert Rieger

Der Neuntklässler, der seit der siebten Klasse die Poelchau-Oberschule besucht, wurde in der U15 Deutscher Staffel-Meister und im Einzel Vizemeister. Mit Annika Schleu – der Olympia-Vierten von Rio 2016 – haben die Berliner Talente ein Vorbild direkt vor der Haustür. „Sie kann nächstes Jahr in Tokio Gold holen“, sagt Miklós. Er selbst will auch zu Olympia. „2024 kommt zu früh, aber 2028 oder 2032 könnte es etwas werden. Entweder macht man den Sport ganz oder man lässt es.“ Miklós macht ihn ganz, Tag für Tag. Das spürt man, wenn er spricht. Und das sieht man, wenn er trainiert.

Die Berliner Sparkasse fördert den sportlichen Nachwuchs der Stadt vom Breitensport bis hin zu den Olympiateilnehmern von morgen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Mehr Bewegung für Berlin >> und auf der Website der Berliner Sparkasse.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren