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Bild: Wolfgang Stahr
Berlin Art Week

"Kunst will entdeckt werden"

Simone Leimbach, 33, Projektleiterin bei Kulturprojekte Berlin, über die kunstsinnigste Woche des Jahres. Wie Besucher moderne Kunstwerke sofort verstehen, welche künstlerischen Schlüsselerlebnisse warten und sich die Kunstlandschaft in Berlin verändert, erfahren Sie hier im Interview.

Die Berlin Art Week fungiert seit fünf Jahren als Dachmarke für die lebendigste Woche des boomenden Berliner Kunstbetriebs. Was macht Berlin für Künstler, Sammler und Galerien so attraktiv?

Berlin hat schon immer Künstler und Kreative angezogen. Nach dem Fall der Mauer hat sich die Kunstszene Freiräume erschlossen und ganze Kieze weiterentwickelt. Für Künstler ist die Stadt ein interessanter Produktionsort, weil die Bedingungen immer noch vergleichsweise günstig sind. Das wiederum lockt Galerien, Sammler und Kunstbegeisterte.

Artweek 250
Bild: Berlin Art Week

Zentren und Publikumsmagneten sind die Messen „abc “ (wieder am Gleisdreieck) und „Positions“ (erstmals im Postbahnhof). Worin unterscheiden sich diese?

Während die „abc“ aufstrebende und etablierte Galerien präsentiert, die sich in einer offenen Ausstellungsarchitektur auf großformatige Einzelpositionen konzentrieren, sind bei der „Positions“ vor allem mittelständische Galerien vertreten, die künstlerische Positionen von der zeitgenössischen Kunst bis zur klassischen Moderne mitbringen.

Darüber hinaus ist überall in der Stadt Kunst zu entdecken. Können Sie schon Highlights verraten?

In der Berlin Art Week spiegelt sich die gesamte Vielfalt des Kunststandorts Berlin. Es ist gerade das Zusammenspiel der gesamten Szene, die sich zum fünften Mal zusammen auf eine Woche vorbereitet und entdeckt werden will. 2016 freuen wir uns besonders, dass die „Berlin Biennale“ ihr Finale in die Art Week gelegt hat, ein neues „Artist Film Festival“ lädt zudem ins wunderschöne Kino International. Neben Schauen von Halil Altındere im n.b.k. oder Gasag-Kunstpreisträger Andreas Greiner in der Berlinischen Galerie wird auch die Ausstellung von Anne Imhof, ausgezeichnet mit dem Preis der Nationalgalerie, mit Spannung erwartet. Zu den Highlights gehören auch 20 prämierte Projekträume überall in der Stadt.

Manchmal stehen Menschen rat- oder fassungslos vor moderner Kunst. Was empfehlen Sie diesen?

Oft ist ein intuitiver Zugang zunächst am besten, sich erst einmal auf das Gesehene und Erlebte einzulassen und sich mit Hinweistexten oder Beschreibungen zu befassen. Wem das nicht reicht: in der Berlin Art Week wird es zahlreiche Führungen und Vermittlungsangebote geben.

Tausende Gemälde, Objekte und Installationen in gerade Mal sechs Tagen: Das ist unmöglich zu schaffen. Gibt’s einen Einstiegstipp für Neulinge?

Ein bisschen Vorbereitung hilft in jedem Fall – wir bieten aber vor allem Besuchern, die zum ersten Mal die Art Week erleben, eine Orientierung, in dem jeder Tag einem bestimmten programmatischen Schwerpunkt zugeordnet ist: Dem Filmfestival zu Beginn folgt am Mittwoch ein Tag ganz im Zeichen der „Berlin Biennale“ und zahlreichen Ausstellungseröffnungen der Institutionen. Der Donnerstag konzentriert sich auf die Messen, während am Freitag die Projekträume in den Vordergrund rücken. Auch die privaten Sammler gewähren in der Woche wieder Einblicke in ihre Räume. Wer weniger Zeit hat, der kann sich auch einfach einer der Führung zu verschiedenen Orten anschließen, die in der Woche angeboten werden. Und wer es nicht zu allen Eröffnungen schafft, kann sich die meisten großen Ausstellungen auch nach der Berlin Art Week noch in aller Ruhe anschauen.

Im besten Fall kann Kunst Aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Haben Sie ein künstlerisches Schlüsselerlebnis?

In besonderer Erinnerung geblieben ist mir die Ausstellung „based in Berlin“ im Jahr 2011, die wir – Kulturprojekte Berlin – im inzwischen abgerissenen Atelierhaus im Monbijoupark sowie an weiteren Orten in der Stadt organisiert haben. Über 80 in Berlin lebende und arbeitende Künstler waren beteiligt. Unterschiedlichste Positionen, Genres und künstlerische Herangehensweisen! Einer der Kuratoren gab mir kurz vor der Eröffnung eine ausführliche Sonderführung, die mir wunderbare Einblicke ermöglichte. Seitdem hat sich mein Blick auf die zeitgenössische Kunst und auch die Künstlerinnen und Künstler verändert.

Die wachsende Stadt bringt auch steigenden Mieten für Ateliers und Galerien. Wie verändert das die Berliner Kunstszene?

Die zunehmende Attraktivität von Berlin und die deshalb auch steigenden Immobilienpreise führen dazu, dass die Kreativszene immer wieder in neue Quartiere ausweichen muss. Der Bestand an freien Flächen nimmt ebenfalls ab. Gleichzeitig entwickeln sich aber auch attraktive neue Orte oder erfahren eine Wiederbelebung – wie man zum Beispiel an der Potsdamer Straße sehen kann. Auch die Stadt trägt einen wesentlichen Anteil zur Förderung und Unterstützung bei. Das zeigt sich besonders deutlich im gemeinsamen Engagement der Berlin Art Week, bei der Wirtschafts- und Kulturverwaltung zusammen agieren.

Berlin Art Week 2017
12.-17. September, überall in der Stadt
www.berlinartweek.de

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