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Titel Kultur Barrie Kosky
Bild: Hahn+Hartung
25 Jahre Berliner Akzente

Berliner Kultur: The Return of the Cosmopolitan

Berlin ohne Kultur-Landschaft? Das ist kaum denkbar! Vielmehr ist Kultur die DNA von Berlin, sorgt sie doch dafür, dass der Name unserer Stadt weltweit wie ein Zauberspruch funktioniert. Im Interview bekennt Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin, seine Liebe zur Hauptstadt und ihren treuen Bewohnern. Ein Gespräch über 25 Jahre Kulturszene in Berlin.

Berlin ist als Kultur-Hauptstadt nicht nur Manege und Laufsteg, sondern auch Seismograf für die gesellschaftliche Entwicklung im ganzen Land. Herr Kosky, was hat sich in den letzten 25 Jahren in der Kultur-Szene getan?
Ich glaube, die Kulturlandschaft spiegelt die Gesellschaft. Und die Gesellschaft spiegelt die Kultur. Es ist ein Tango zwischen Kultur und Stadt. Und das bedeutet, dass man die Kulturentwicklung nicht von der Stadtentwicklung trennen kann. Sie gehen Hand in Hand und sie spiegeln einander. Berlin ist eine »Chamäleon-Stadt«, das heißt, Berlin ist in einem ständigen Zustand von Metamorphose, etwas endet immer. Berlin hat mehrere geschichtliche Kapitel. Die Entwicklung der letzten 25 Jahre ist von der Geschichte nach dem Mauerfall geprägt. Man sieht, dass sich die Stadt noch einmal geöffnet hat – wie auch Deutschland insgesamt nach der Wiedervereinigung. Das zeigt sich in der Vielfältigkeit, im Internationalismus, den verschiedenen Sprachen auf Berlins Straßen. It is „The Return of the Cosmopolitan“.

Was genau meinen Sie damit?
In gewisser Hinsicht kehrt Berlin zu der Position zurück, die es bis 1933 innehatte, als es zu den wichtigsten kosmopolitischen Städten der Welt zählte. Berlin hat wieder Kultstatus. Und damit ist alleine schon der Name »Berlin« gemeint. Es gibt eine Handvoll Städte, die wie ein Zauberspruch funktionieren. Man sagt den Namen der Stadt und obwohl viele Menschen noch nie dort waren, haben sie sofort Assoziationen dazu. Eine Art »special magic«. Das zieht Millionen Touristen an. Und Tausende Künstler und Künstlerinnen. Es gibt keine andere Stadt der Welt, bei der die Kultur so essenziell ist. Natürlich gibt es wunderbare Kulturangebote in Paris, Moskau und New York. Aber diese Städte würden möglicherweise auch ohne ihre Kulturlandschaft überleben. Hier in Berlin gibt es keine Industrie, keine Weinregion, keine Alpen. It is just Kultur. Kultur und Stadtgeschichte. Das ist die DNA dieser Stadt. Es ist eigentlich der Grund, warum diese Stadt existiert.

Zu Berlin vor 25 Jahren fallen mir folgende Worte ein: grau, Tristesse, deutsch. Und zur aktuellen Zeit würde ich sagen: viele verschiedene Sprachen, kosmopolitisch, verführerisch. Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin
Barrie Kosky
Bild: Hahn+Hartung

Wie werden Berliner Kulturangebote wahrgenommen?
Die Berliner Kulturszene ist so erfolgreich, weil die Berliner Zuschauer sehr loyal sind. Die Berliner sind sehr stolz darauf. Sie nehmen die Angebote aktiv wahr: Sie gehen in ihre Theater, Konzerthallen und Museen. Und das ist unglaublich wichtig. Das ist etwas, was eine tiefe Verbindung bedeutet. Es ist ein Dialog, ein sehr schönes Duett zwischen der Kultur und den Zuschauerinnen und Zuschauern. Die Berliner Kulturszene bringt viel Freude und ebenso viel Geld, sie ist ökonomisch unglaublich erfolgreich. Und Berlin ist vielleicht sogar ein Vorbild, wie eine Stadt im 21. Jahrhundert ihre Kunst und Kultur präsentieren sollte. Für die nationalen und internationalen Touristen ist die Berliner Kulturlandschaft ein Paradies. So eine Szene mit so einem Spektrum und einer solchen Qualität an Angeboten gibt es kein zweites Mal. New York hat ein Opernhaus. Berlin hat drei Opernhäuser. Dabei hat New York mehr als doppelt so viele Einwohner wie Berlin. Das sagt schon einiges aus.

Was hat sich in der Komischen Oper in den letzten 25 Jahren getan? Welche Meilensteine gab es?
Die Komische Oper hat sich parallel mit der Stadt Berlin entwickelt. Das Haus ist internationaler geworden. Wir präsentieren die Stücke mittlerweile oft in der Originalsprache. An unserem Haus sind unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Durchschnitt rund 32 verschiedene Nationalitäten vertreten. Das Haus ist damit ein absolutes Symbol für das, was Deutschland im 21. Jahrhundert sein sollte. Der internationale Erfolg meiner Inszenierung der „Zauberflöte“ hat die Komische Oper Berlin und Berlin als Geburtsort dieses Stückes weltweit bekannt gemacht.

Was verbindet Sie mit der Berliner Sparkasse?
Unsere beiden Häuser arbeiten seit 2015 eng zusammen. Die Philosophie der Berliner Sparkasse, die Diversity, Vielfalt und Chancengleichheit beinhaltet, spiegelt unsere Philosophie an der Komischen Oper Berlin wider. Wir unterscheiden uns nur in den Angeboten und Leistungen. Wir bieten als Musiktheater-Institution Gesang und Bewegung, die Berliner Sparkasse als Bank Konten und Geld – aber die Philosophie dahinter ist nahezu identisch.

Können Sie einen Ausblick für die Berliner Kulturszene geben, insbesondere in diesen schwierigen Zeiten von Corona? Sehen Sie auch Hoffnungen, Chancen?
Ich bin pragmatisch und versuche immer optimistisch zu bleiben. Wir erleben eine furchtbare Pandemie. Die Kulturlandschaft wird davon stark beeinflusst, weil die Theater und Konzerthallen schließen mussten. Viele Künstler und Künstlerinnen haben kein Geld. Und Kunst und Kultur funktionieren nicht wie eine Fabrik oder ein Restaurant. Man kann in der Kunst- und Kulturszene Häuser nicht von einem auf den anderen Tag schließen und wieder öffnen. In einem Theaterbetrieb gibt es überaus komplexe Prozesse. Es ist eine riesige Herausforderung für uns, ABER (!) es ist nicht das Ende der Welt.
Es ist nicht das Ende der Kultur. Es ist nicht apokalyptisch. Es kommt ein Impfstoff, es kommt ein Medikament. Es wird im Laufe des Jahres langsam besser werden. Wie die Kulturlandschaft nach dieser Pandemie aussehen wird – wer weiß? Ich kann nur sagen, dass ich zu hundert Prozent sicher bin, dass es in einem Jahr ganz anders sein wird. Und wir werden sagen: 2020 war ein furchtbares Jahr, 2021 kann es nur bergauf gehen!

Text: Madita Harnisch

Gemeinsam für kulturelle Vielfalt

Die Kooperation der Berliner Sparkasse mit der Komischen Oper Berlin geht auch 2021 weiter. Gemeinsam setzen sich die beiden Berliner Institutionen für Vielfalt und kulturelle Öffnung in der Stadt ein. Erfahren Sie mehr dazu auf der Website der Berliner Sparkasse

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