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Ausflug-Tipps

Raus aufs' Land – Brandenburgs beste Plätze

Immer mehr Ausflügler und Touristen strömen ins Land der Seen, Birnenbäume und Alleen. Drei Brandenburg-Bücher inspirieren zu ganz unterschiedlichen, eigenen Entdeckungstouren durch das Land.

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elb verputzte Wände, ein tief hängendes Dach, knorrige Kiefern im Garten – unscheinbar sieht es auf den ersten Blick aus, das Peter-Huchel-Haus in der Villenkolonie Wilhelmshorst. Und doch gingen hier einst berühmte Schriftsteller ein und aus: Max Frisch, Erich Arendt, Heinrich Böll. Sie alle besuchten den Lyriker Peter Huchel, der neben Gottfried Benn als einer der bedeutendsten Dichter der Nachkriegszeit gilt.

Treffpunkte der Schriftsteller und andere Geheimtipps

Eine Büste im Vorgarten erinnert stolz an das Schaffen Huchels und auch die vielen Veranstaltungen im Literaturhaus halten sein Andenken lebendig. Hinzu kommt eine Ausstellung im Erdgeschoss mit Fotos, Schautafeln und Büchern über die regelmäßigen Treffen der Literaturgrößen in dem Anwesen.

Buch Edda Gutsche
Das Brandenburg-Buch von Edda Gutsche zeigt die Lieblingsorte berühmter Schriftsteller.

Ein Grund, warum Edda Gutsche den Literaturort in ihren Brandenburg-Führer aufgenommen hat. „Ich musste auf’s Land, das war mir klar…“ lautet der Titel des brandneuen Werkes, der auf ein Zitat von Gerhart Hauptmann zurückgeht. Mit diesen Worten kommentierte der schlesische Dramatiker seinen Umzug 1885 von Berlin nach Erkner. Auf äußerst lesenswerte Weise nähert sich Gutsche dem Land über dessen Schriftsteller der neueren deutschen Literatur. So stellt sie Orte vor, die so mancher Touristenführer gern mal außen vor lässt.

Wo Brecht seine Marotten pflegte

Schermuetzelsee
Am Schermützelsee in der Märkischen Schweiz hatte Bertolt Brecht sein Haus. Bild: flickr.com/frollein2007

Wer Literaturgeschichte hinter den östlichen Grenzen der Hauptstadt entdecken möchte, ist mit einem Besuch im Herzen der Märkischen Schweiz gut bedient: Eingebettet inmitten von Hügeln, umringt von sechs Gewässern, liegt das Bertolt-Brecht-Haus in Buckow. 1952 schloss der berühmte Schriftsteller hier gemeinsam mit seiner Ehefrau Helene Weigel einen Pachtvertrag über das Grundstück an der Seestraße 29 (heute Bertolt-Brecht-Straße), direkt am Schermützelsee, ab.

Hier erholte sich der Dramatiker gerne, da ihn die friedliche Umgebung von Tannen, Gras und Rosenstöcken an sein finnisches Exil erinnerte. Das Gebäude selbst wurde 1910 für einen Berliner Bildhauer umgebaut, weshalb es sich vor allem durch eine großräumige, zweigeschossige Halle auszeichnet, deren vielzählige Fenster zum Garten hin ausgerichtet sind, um natürliches Licht einfangen zu können.

Brecht selbst gilt bei alteingesessenen Buckowern noch heute als Sonderling und Einzelgänger, der Geselligkeit und Fremdes scheute. Das zeigte sich auch im Familienleben: Während Weigel in der Villa residierte, schlief und arbeitete Brecht im angrenzenden Gärtnerhaus. Seit 1977 dient das Grundstück nun als Erinnerungs- und Begegnungsstätte für Interessierte und präsentiert regelmäßig Lesungen, Konzerte oder Theaterworkshops.

Wie Potsdam zu seinem Namen kam

Buch Gebrauchsanweisung
Die “Gebrauchsanweisung” beschreibt neben der Landschaft auch die Geschichte und Eigenheiten der Bewohner.

Wer sich hingegen einfach in das Land und die Mentalität der Brandenburger vertiefen möchte, wirft am besten einen Blick in die „Gebrauchsanweisung für Potsdam und Brandenburg“ von Antje Rávic Strubel. Für alle, die nicht auf der Suche nach einem expliziten Wegweiser sind, stellt das Buch die ideale Einführung in ein faszinierendes Land dar – mit vielen Überraschungen. In lockerer Sprache und detailreichen Erläuterungen gibt die Potsdamerin unterhaltsame Einblicke in die vielfältige Lebenswelt und Historie ihres Heimatlandes und macht eine herzlich-selbstkritische Analyse über Land, Leute und Bräuche.

So erklärt Strubel zum Beispiel, dass derjenige, der – zum Unmut aller Einwohner – Potsdam mit „Berliner Vorort“ betitelt, gar nicht mal so falsch liegt: Die ersten slawischen Siedler verpassten der heutigen Landeshauptstadt den Namen „Poztupimi“, was soviel bedeutet wie „Vorstufe“ oder „Vorposten“. Stets augenzwinkernd, dabei aber nie ins Banale abdriftend, führt die Autorin verspielt in Brandenburger Wahrheiten ein.

Herrliches Vorbeirauschen an saftigen Wiesen

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Brandenburg als Töpfereiregion für fünfzig Prozent der Berliner Bauwerke verantwortlich ist, oder dass „sich kurz zu fassen“ eines der wesentlichen Prinzipien des brandenburgischen Gesprächs darstellt? Dabei vergisst Strubel zu keiner Zeit, die Schönheit deutlich werden zu lassen, die ihr Bundesland tagtäglich bietet: Das herrliche Gefühl des Vorbeirauschens an saftigen Wiesen im Löwenberger Land, Zuckerrübenäckern im Oderbruch, an Apfel-, Kirsch- und Birnenbäumen auf den Plantagen des Westhavellands.

Buch 77 Schoenste Orte
Das handliche Büchlein mit vielen Adressen stellt neben den berühmten Ausflugszielen auch Geheimtipps vor.

Schnell treffen Ausflügler bei ihrer Tour auf einen der ökologischen Bauernhöfe, die einen Besuch lohnen. Meist offerieren sie ein reichhaltiges Angebot an Sanddornlikören, -cremes, -marmeladen und dergleichen. Diese Sanddornschwemme basiert übrigens auf einer Art „Wettrüsten“ mit dem Nachbarn Mecklenburg-Vorpommern, der die orange-leuchtende Beere ebenfalls als Alleinstellungsmerkmal für sich beanspruchen möchte und seinerseits immer ausgefallenere Rezepte kreiert.

Die 77 schönsten Orte

Dass Brandenburg weitaus mehr als amüsante Geschichten rund um seine mehr als 3.000 Seen zu bieten hat, ist selbstverständlich und zeigt sich auch an den Besucherzahlen: Über vier Millionen Gäste konnte das Land allein im letzten Jahr bei sich begrüßen. Neuer Rekord!

Sanssouci
Schloss und Park Sanssouci in Potsdam sind immer einen Ausflug wert. Bild: shutterstock

Wer nur ein Wochenende zum Erkunden hat, der muss seine Ziele gut wählen. Mit dem Sammelwerk der „77 schönsten Orte rund um Berlin“ präsentiert Wolfang Kling eine handliche Auswahl an Gewässern, Schlössern und anderen Sehenswürdigkeiten, die auf keiner Tour fehlen dürfen. Allem voran sind dabei natürlich Schloss und Park Sanssouci in Potsdam: beide von Friedrich II. inspiriert, der sich 1744 mit den Anlagen einen Ort frei von Sorgen (sans souci) schaffen wollte.

Bücher zu Brandenburg

Edda Gutsche
Ich musste auf’s Land, das war mir klar… – Schriftstellerorte in Brandenburg“
Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2012, 198 Seiten, 19,95 €

Antje Rávic Strubel
Gebrauchsanweisung für Potsdam und Brandenburg
Piper Verlag, München 2012, 249 Seiten, 14,99 €

Wolfgang Kling
77 schönste Orte rund um Berlin
Peter Meyer Verlag, Frankfurt a.M. 2012, 304 Seiten, 16,00 €

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