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Titel Anna-thalbach
Bild: Markus Nass
Mein Berliner Akzent

Anna Thalbach: „Spazierengehen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof“

Der „Berliner Akzent“ der Schauspielerin Anna Thalbach ist der Dorotheenstädtische Friedhof mit dem direkt nebenan gelegenen Brecht-Haus. Die vielseitige Schauspielerin und Hörbuchsprecherin stammt aus einer Theaterfamilie, die seit fast 100 Jahren in Berlin ansässig ist. Nachdem sie in den vergangenen Monaten einige Rollen fürs Fernsehen abgedreht hat, steht sie ab 22. März in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater auf der Bühne – in „Mord im Orientexpress“.

Anna Thalbach: „Sehr gern gehe ich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof spazieren, besuche meine Toten. Mehrere Verwandte sind dort begraben, unter anderem meine Großeltern. Der 1762 angelegte kleine Friedhof ist deshalb für mich ein sehr persönlicher Ort. Aber auch andere tolle Leute haben hier ihre letzte Ruhe gefunden – von Bertolt Brecht und Helene Weigel über Heinrich Mann, Johannes R. Becher, Arnold Zweig und Anna Seghers bis zu Heiner Müller. Vielleicht bringt der eine oder andere Besucher denen auch mal ein paar Blumen mit oder legt Steinchen auf die Grabmale.
Manchmal, wenn ich so gedankenversunken über den Friedhof schlendere, schaue ich hoch zu dem Fenster in der ersten Etage des Brecht-Hauses gleich nebenan. Dann stelle ich mir vor, wie Brecht dort gerade steht oder an seiner Schreibmaschine sitzt. Von 1953 bis zu seinem Tod 1956 hat der Dichter im Seitenflügel gelebt.

Dorotheenst Friedhof
Bild: Eisenacher / wikipedia.org, CC BY-SA 3.0

Meine Eltern waren oft im Brecht-Haus, auch weil da ja das Brecht-Archiv und das Literaturforum untergebracht sind. Sie haben mir immer viel davon erzählt – da konnte ich mir die Räume schon vorstellen, ohne da gewesen zu sein.“

Anna Thalbach – aktuell zu sehen:

Derzeit probt Anna Thalbach in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater für „Mord im Orientexpress“ von Agatha Christie. Ihre Mutter Katharina hat das Stück speziell für die Komödie am Kurfürstendamm bearbeitet, führt Regie und schlüpft selbst in die Rolle des Meisterdetektivs Hercule Pierot.
Anna Thalbach spielt die englische Dame Mary Debenham, ihre Tochter Nellie verkörpert die ungarische Gräfin Andrenyi. „Das wird ein ganz großes Spektakel mit Musik und Tanz – wie auf dem Broadway der 40er-Jahre“, schwärmt Anna Thalbach. Die Musik für die Inszenierung hat übrigens Christoph Israel komponiert, der auch die Musik für „Ich war noch niemals in New York“ schrieb. Premiere ist am 22. März, gespielt wird bis 3. Mai täglich außer montags.

Über Anna Thalbach:

  • geboren am 1. Juni 1973 in Berlin als Tochter der Schauspielerin Katharina Thalbach und des Schauspielers Vladimir Weigl. Anna Thalbachs Tochter Nellie ist ebenfalls Schauspielerin.
  • Bereits mit sechs Jahren gab Anna Thalbach ihr Spielfilmdebut im deutschen Cannes-Beitrag „Engel aus Eisen“ ihres Stiefvaters Thomas Brasch.
  • Nach der mittleren Reife hospitierte sie in der Kostümschneiderei des Berliner Schillertheaters. Kurz darauf feierte sie ihren ersten Bühnenerfolg an der Seite ihrer Mutter in Brechts „Mutter Courage“.
  • Bis heute hat Anna Thalbach in mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt, darunter das TV-Dokudrama „Friedrich – Ein deutscher König“ und zahlreiche „Tatort“-Folgen, außerdem die Romanverfilmung „Krabat“, „Der Baader Meinhof Komplex“ oder der Kinofilm „SamS im Glück“. Sie spielt die Hauptrolle in Filmen wie „Die Kinder meines Bruders“ oder „Wir sind die Rosinskis“.
  • Im Januar 2020 kam „Vier zauberhafte Schwestern“ in die Kinos, darin ist Anna Thalbach an der Seite von Katja Riemann und Justus von Dohnányi zu sehen.
  • Regelmäßig ist sie auch als Theaterschauspielerin zu erleben, stand im Berliner Ensemble ebenso auf der Bühne wie im Maxim Gorki Theater oder dem Renaissance-Theater Berlin.
  • In der Komödie am Kurfürstendamm begeisterte sie unter anderem in „Der Raub der Sabinerinnen“ oder „Die Glasmenagerie“. Zuletzt war sie dort in „Hase Hase“ zu sehen.
  • Als Hörbuchsprecherin hat sie in mehr als 300 Produktionen mitgewirkt, darunter Michael Endes „Die unendliche Geschichte“, „Ulysses“ nach James Joyce oder „Die drei ??? und die Geisterinsel“.
  • 2019 stand sie unter anderem für die ARD-Reihe „Zimmer mit Stall“ vor der Kamera: In der Folge „Die Waschbären kommen“ spielt sie die Hauptrolle. „Mal wieder herrscht auf dem Fuchsbichlerhof reges Treiben – neue Gäste aus Berlin reisen an und bereiten dem ländlichen Idyll vorerst ein Ende“, verrät Anna Thalbach. Ebenso turbulent geht es im Tiroler Landkrimi zu, in dem Anna Thalbach allein schon deswegen gern mitspielt, „weil mein Herz schon lange für Tirol schlägt“. Da lag es für sie nahe, den Dreh für die Folge „Das Mädchen aus dem Bergsee“ im Ötztal zu nutzen, um „alte Tiroler Freunde“ zu besuchen.
  • Gern arbeitet sie aber auch in ihrer Heimatstadt Berlin. „Ich schlafe sehr gern zu Hause, bin nicht so scharf auch Hotels“, erzählt sie, „wobei mich Drehs natürlich auch in Orte bringen, auf die ich sonst gar nicht käme – wie Sibiu in Transsilvanien, wo wir seinerzeit ,Krabat‘ gedreht haben. Oder auch St. Petersburg im Winter, das war mit minus 30 Grad definitiv das Kälteste, was ich jemals erlebt habe.“

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