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Titel Humboldt
Bild: Gemälde von Bonpland Chimborazo
250. Geburtstag

Entdecke den Entdecker: 16 Fakten über Alexander von Humboldt

Bevor im nächsten Jahr das Stadtschloss als Humboldtforum eröffnet, feiert Berlin Mitte September den 250. Geburtstag seines Universalgenies. Doch was machte den Entdecker zum Superstar seiner Zeit? Wer war Alexander von Humboldt?

1. Alexander von Humboldt war Berliner

Am 14. September 1769 kommt Alexander von Humboldt als zweiter Sohn der wohlhabenden Familie von Humboldt im Schloss Tegel zur Welt. Kindheit und Jugend verbringt er in höchstem Maße gefördert im Sommersitz der Familie und in deren Stadtwohnung Jägerstraße 22.

Schloss Tegel Geburtshaus Humboldt
Bild: Schoening / Alamy Stock

Das Schloss gehört bis heute Humboldt-Nachfahren und kann bei Führungen besichtigt werden. Diese finden immer nur montags um 10, 11, 15 und 16 Uhr statt und kosten 12 Euro.

Wenn Alexander nicht reist, lebt er abwechselnd in Paris oder in Berlin. Die letzten elf Lebensjahre wohnt er in der Oranienburger Straße 67. Über seine Heimatstadt lästert er gerne mal: „Moralische Sandwüste, geziert durch Akaziensträucher und blühende Kartoffelfelder.“

2. Der ältere Bruder Wilhelm wird ebenso berühmt wie Alexander

Alexander wächst mit dem zwei Jahre älteren, später ebenso berühmten Bruder Wilhelm von Humboldt auf.

Wilhelm Von Humboldt
Bild: Lithographie von Franz Krüger

Beide beginnen zusammen ihre Studien in Frankfurt/Oder und Göttingen. Der Philosoph Wilhelm von Humboldt wird widerspenstiger preußischer Staatsdiener, reformiert das Bildungssystem und betreibt die Gründung von Berlins erster Universität, die heute die Brüder als Humboldt-Universität ehrt.

3. Alexander von Humboldt ist ein Kind der Aufklärung

Die Eltern investieren sehr viel in die Erziehung ihrer Söhne. Die besten Hauslehrer Preußens unterrichten neben Naturwissenschaft und Sprachen auch die Ideen der Aufklärung.

Goethe Schiller Humboldts
Neues deutsches Denken: 1794 trafen sich die Gebrüder Humboldt erstmals mit Goethe und Schiller in Weimar. Bild: gemeinfrei

Kein Wunder, dass Alexander leidenschaftlicher Liberaler und unkonventioneller Freidenker wird. Mit zehn entwirft er Karten von Amerika oder dem Planetensystem, auch dieses Talent wird durch Zeichenunterricht gefördert.

4. Ewiger Junggeselle

Bruder Wilhelm führt eine schillernde wie offene Ehe, Alexander bleibt dagegen zeitlebens unverheiratet und kinderlos, nicht mal eine Liaison ist überliefert. Vielleicht liegt es am Drang nach persönlicher Freiheit – oder die vielen Reisen und Ortswechsel sind Beziehungsgift.

5. Alexander Humboldt als Gipfelstürmer

Flussabwärts im ausgehöhlten Baumstamm treibend erforscht er im südamerikanischen Dschungel den Amazonas und den Orinoko, im heutigen Ecuador kommt er schließlich zum Vulkan Chimborazo. Der gilt damals als höchster Berg der Welt.

Vulkan Chimborazo Ecuador
Bild: Shutterstock

Höhenkrankheit und blutende Lippen können ihn nicht aufhalten: In der Mode der Zeit, also mit schwarzem Frack, weißer Halsbinde und dünnen Rokoko-Stiefelchen kommen er und seine Begleiter bis auf 600 Meter unter den Gipfel. Mit 5.600 Metern behält Alexander von Humboldt für viele Jahre den Höhenrekord (unter Europäern).

6. Alexander von Humboldt als Abenteurer

1797 beginnt Alexander von Humboldt mit lang ersehnten Reisevorbereitungen. Auch Ende des 18. Jahrhunderts vermasselt die politische Lage so manche Reisepläne, schließlich beginnt Napoleon mit seinen Feldzügen. Mit Unterstützung Spaniens startet 1799 die fünf-jährige Expedition durch die spanischen Gebiete in Südamerika – offiziell um den Zustand des Bergbaus in den Kolonien zu untersuchen. 30 Jahre später geht es Richtung Osten, 18.000 Kilometer durch das russische Reich bis an die chinesische Grenze. Er will immer neue Abenteuer: „Voller Unruhe und Erregung freue ich mich nie über das Erreichte, und ich bin nur glücklich, wenn ich etwas Neues unternehme, und zwar drei Sachen mit einem Mal.“

7. Staatsdiener im Bergbau

Sein Interesse für Mineralien führt den jungen Adeligen nach dem Studium 1791 zum staatlichen Bergbau in Franken. Hier macht er schnell Karriere und kann die Förderleistung um ein Vielfaches steigern. Für bessere Arbeitsbedingungen erfindet er eine Atemschutzmaske und gründet eigenmächtig eine Berufsschule. Ein Jahr nach dem Tod der Mutter 1896 quittiert er als reicher Erbe den Staatsdienst.

8. Alexander von Humboldt als Forscher

Alexander von Humboldt ist dem »Gleichgewicht der Naturkräfte« auf der Spur. Durch empirische Versuche will er verstehen, wie alles zusammenhängt.

Affe Alexander Von Humboldt
Bild: Zeichnung von Alexander von Humboldt

Dabei schreckt er vor fast nichts zurück: Er prüft eigenhändig die Wirkung elektrischer Zitteraale und trinkt Pfeilgift, um zu beweisen, dass es nur im direkten Kontakt mit Blut wirksam ist. Die unermesslichen Entdeckungen auf seinen Expeditionen notiert Alexander von Humboldt äußerst präzise für die Nachwelt. In den 40 Kisten, die er aus Südamerika nach Europa bringt, sind allein 60.000 Pflanzenproben, darunter 3.600 unbekannte Arten. Er selbst ist Jahrzehnte damit beschäftigt, die eigenen Daten auszuwerten.

9. Naturschützer

Bereits 1797 formuliert der junge Humboldt sein wissenschaftliches Programm: Er will die Natur als Einheit aller Erscheinungen, Stoffe und Lebewesen begreifen. Drei Jahre sieht er im heutigen Venezuela die Umweltfolgen von Abholzung und Monokultur.

Orchidee Alexander Von Humboldt
Bild: Zeichnung von Alexander von Humboldt

Alles ist Wechselwirkung“, schreibt er in sein Reisetagebuch, weist auf den Zusammenhang von Wald und Klima hin und warnt vor Auswirkungen für kommende Generationen. Dass alles mit allem zusammenhängt, beschäftigt ihn bei der Untersuchung unterschiedlicher Vulkane oder von verschiedenen Klimazonen. Damit bewegt er sich auf dünnem Eis, schließlich ist 50 Jahre vor Darwins Theorien die Schöpfungsgeschichte noch allgemeiner Konsens.

10. Globetrotter und Kosmopolit

Alexander von Humboldt aus Tegel bei Berlin reist in seinem Leben Zehntausende Kilometer zu Fuß, auf dem Pferd, mit der Kutsche oder per Segelschiff. Er schreibt auf Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch und Latein. Er lebt abwechselnd in Berlin und Paris, sieht sich als Europäer, ist Weltbürger, kann gleichzeitig preußischer Kammerherr und Pariser Akademiemitglied sein. Für den Zeitgenossen der französischen Revolution sind alle Menschen gleich. Folglich stellt er Sklaverei und Kolonialsystem sein Leben lang infrage.

11. Netzwerker

Er trifft den US-amerikanischen Präsidenten, pflegt Kontakt mit den neu-spanischen Vizekönigen genauso wie mit südamerikanischen Revolutionären, speist mit dem Zaren oder polnischen Dissidenten: Alexander von Humboldts Neugierde macht ihn zum ersten globalen Netzwerker. 30.000 Briefe zeugen in seinem Nachlass vom großen Kommunikator, der immerfort die unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen verknüpft.

Unterschrift Alexander Von Humboldt

12. Humboldt als Bestsellerautor

Humboldt Buch Kosmos
Bild: Die Andere Bibliothek

Sein amerikanischer Reisebericht beschreibt nur ein Drittel der eigentlichen Route, der geplante zweite Band zu seinen »Ansichten der Natur« ist nie erschienen, sein spätes, monumentales Hauptwerk »Kosmos« blieb unvollendet: Obwohl Alexander von Humboldt keines seiner großen Buchprojekte zu Ende bringen wollte oder konnte, zählt er zu den meistgelesenen und meistzitierten Wissenschaftsautoren überhaupt.

13. Universalgelehrter

Alexander Von Humboldt Bibliothekszimmer
Arbeitszimmer von Alexander von Humboldt in seiner letzten Berliner Wohnung in der Oranienburger Str. 67, Gemälde von Eduard Hildebrandt von 1856. Bild: AKG Images

„Wohin man rührt, er ist überall zu Hause“, pries Goethe das Wissen seines Zeitgenossen. Alexander von Humboldt wollte die Welt in ihrer Gesamtheit ergründen und forschte zu Botanik, Geografie, Meteorologie, Mineralogie, Ökonomie und Kulturgeschichte.

14. Alexander von Humboldt ist ein echter Weltstar

Die „Kosmos“-Vorlesungen, die er 1826/27 hielt, sind bis heute die erfolgreichsten öffentlichen Veranstaltungen der Humboldt-Universität.

Alexander von Humboldt Foto
Foto des 81-jährigen Humboldt von 1850. Bild: unbekannter Fotograf

Die Berichte von seinen Expeditionen sorgten zu seiner Zeit international für Schlagzeilen. Der Freiheitskämpfer Simón Bolívar feierte ihn als „wahren Entdecker Südamerikas“, allein in den USA sind ein Dutzend Orte nach ihm benannt. Zusammen mit Albert Einstein zählt er zu den weltweit berühmtesten Wissenschaftlern der Geschichte.

15. Namensstifter für Orte auf der ganzen Welt

Nach keinem Wissenschaftler sind weltweit mehr Arten und Orte benannt. Beispiele:

Humboldtpinguin
Bild: Shutterstock

Humboldtpinguin
1834 zu Ehren des ersten Entdeckers benannt.

Humboldt-Universität
1809 auf Initiative von Wilhelm von Humboldt als Friedrich-Wilhelm-Universität initiiert, 1948 nach den Brüdern Humboldt benannt.

Pico Humboldt mit dem Humboldt-Gletscher
Mit 4.942 Metern zweithöchster Berg Venezuelas, 1911 nach Alexander von Humboldt benannt.

Segelschiff Alexander Von Humboldt
Bild: Promo

Alexander von Humboldt
Segelschulschiff mit markant grünen Segeln von 1906, bekannt durch eine Bierreklame.

Humboldt-Meer auf dem Mond
Nur zwei der vielen sogenannten Mondmeere auf unserem Trabanten sind nach Personen benannt.

Volkspark Humboldthain
Der Park im Ortsteil Gesundbrunnen wurde zum 100. Geburtstag von Alexander Humboldt angelegt, im Zweiten Weltkrieg durch einen Flakturm wesentlich verändert.

Humboldtforum

Humboldt Forum Berlin
Bild: Humboldtforum

Das wiederaufgebaute barocke Stadtschloss mit seiner modernen Ostfassade wird später als geplant eröffnen. Wie einst die Gebrüder Humboldt soll es als „Humboldtforum“ die Naturwissenschaft (Alexander) mit der Kulturwissenschaft (Wilhelm) vereinigen.
www.humboldtforum.com

16. Humboldts Mineralien

Mehr als 1.000 Mineralien und Gesteine von Humboldts Expeditionen werden im Naturkundemuseum Berlin verwahrt. Zum Jubiläumsjahr werden in der Dauerausstellung und in einem neu erschienenen Buch die Geschichten zu ausgewählten Objekten erzählt.
www.museumfuernaturkunde.berlin

Cinnabarit Guanajuato Mexiko
Bild: Hwa Ja Götz, Museum für Naturkunde

Weitere spannende Fakten und Informationen rund um Alexander von Humboldt finden Sie hier:

Gesamter Nachlass in rund 75.000 Bildern:
www.avhumboldt.de

Alle Reisetagebücher, Briefe und Texte:
www.edition-humboldt.de
Die amerikanischen Reisetagebücher sind seit 2013 im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Aktuelle Forschungen:
humboldt.staatsbibliothek-berlin.de

Das Humboldtjahr:
www.avhumboldt250.de
www.humboldt-heute.de

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