Zukunft Der Arbeit
Bild: Shuttestock
Zukunft der Arbeit

Schöne neue Arbeitswelt

Ob Roboter, Apps oder die Cloud: die Technologie wird unsere Arbeit massiv verändern. Kein Grund zur Sorge, beruhigen Experten. Mit dem Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky sprachen wir darüber, warum uns Roboter nicht ersetzen können, über Vollbeschäftigung und ungeahnte Chancen.

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reidimensionale Hologramme schweben durchs Büro. Gesteuert werden sie durch Gesten und Sprachkommandos. Feste Arbeitsplätze gibt es nicht, auch Tastaturen und Bildschirme sind verschwunden. Stattdessen kommen alle mobil verfügbaren Daten und Informationen aus der Cloud. So könnte das Büro der Zukunft aussehen. Der typische Arbeitsplatz mit Telefon, Schreibtisch und Aktenschrank war gestern.

Schon jetzt ist die Digitalisierung der Arbeit Alltag: Wir tragen unser Büro im Smartphone und Notebook mit uns herum, checken unterwegs Mails und kommunizieren vom Home-Office aus in Chats oder Videokonferenzen mit Kollegen. Ob wir das gut finden oder nicht, die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Verschiedene Studien belegen, dass künftig Roboter und digitale Werkzeuge mehr und mehr Routineaufgaben übernehmen und unseren Arbeitsalltag verändern werden.

Industrie 4.0 und Arbeitsmarktprognosen bis 2030

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutsches Bundestages hat aktuelle Studien und Forschungsprojekte zum Thema „Industrie 4.0 und Arbeitsmarktprognosen bis 2030” erstellt. Die Ergebnisse finden Sie hier:

Studien zur Zukunft der Arbeit

Das Büro als Wohlfühlort

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Eher Treffpunkt als Produktionsort: Das Büro der Zukunft wird zum Wohlfühlort. Bild: Shutterstock

Das bedeutet zum Beispiel projektbezogenes Arbeiten in Netzwerken anstelle von Festanstellung, neue Geschäftsmodelle und Berufe, flache Hierarchien, mehr Freiräume und Verantwortung für den Einzelnen. Das Büro als Wohlfühlort mit Lounges, bequemen Sitzgruppen und schallgedämmten Sprechzellen. Vom Produktionsort wandelt es sich zum Treffpunkt, um mit Kollegen Ideen zu entwickeln und sich über Projekte auszutauschen. „Kommunikationsfähigkeiten werden entscheidend, Fleiß verliert an Bedeutung. Das Win-win-Spiel der Arbeit erfordert ein anderes gesellschaftliches Mindset, das die Angst loslässt und die Roboter als Chance begreift“, schreibt der Trendforscher Matthias Horx im Zukunftsreport 2017.

Vollbeschäftigung statt Arbeitslosigkeit

Doch was passiert dann mit Büroarbeiten wie Buchhaltung, wenn Computerprogramme besser und schneller arbeiten können als wir? Der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky entwirft in seinem Buch „2025 – so arbeiten wir in Zukunft“ ein Szenario der Arbeitswelt 4.0. Wir haben den 44-Jährigen zum Interview in einer Berliner Messelounge getroffen.

Computer werden uns nicht arbeitslos machen. Wir gehen sogar davon aus, dass wir in den nächsten dreißig Jahren trotz Automatisierung und Digitalisierung aufgrund der demografischen Entwicklung Vollbeschäftigung haben werden. Sven Gábor Jánszky

Herr Jánszky, müssen wir uns Sorgen machen, dass unsere Arbeit überflüssig wird?
„Computer werden uns nicht arbeitslos machen. Wir gehen sogar davon aus, dass wir in den nächsten dreißig Jahren trotz Auto­matisierung und Digitalisierung aufgrund der demo­grafischen Entwicklung Vollbeschäftigung haben werden. Dass sich die Arbeitswelt verändert, ist ja nicht neu. Das hat es immer schon gegeben. Neu ist, dass die Entwicklung schneller voranschreitet. Daraus ergeben sich auch neue Chancen.“

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Zeichnet ein optimistisches Zukunftsbild: Sven Gabor Janszky. Bild: Jörg Gläscher

Welche neuen Chancen werden das sein, wie werden wir denn in 15-20 Jahren arbeiten?
„Ganz konkret: Die Buchhalterin oder der Buchhalter könnte beispiels­weise einen Programmier­kurs machen und Buchhaltungs­software weiterentwickeln. Werte wie Zusammengehörigkeit, Empathie und Respekt werden eine größere Rolle spielen, da dies von den Computern nicht geleistet wird. Diese Lücke werden die Menschen füllen und mehr Zeit haben, sich ihrer Familie, ihren Hobbys oder ehrenamtlicher Arbeit zu widmen. Das Gute ist, dass wir noch 30 Jahre Zeit haben, um die Gesellschaft darauf vorzubereiten und dafür souverän und kompetent zu machen. Wichtig ist die Bereitschaft, ganz bewusst Routinen zu verlassen und offen neue Wege zu gehen. Das ist die Aufgabe, die wir alle haben.“

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as Jánszky fordert, ist bereits vor 100 Jahren anderen Generationen ähnlich ergangen: Seit dem Beginn der Industrialisierung ersetzen Maschinen die Arbeit von Menschen. Arbeitsplätze gingen verloren, neue Berufe entstanden, die Arbeitswelt wurde immer komplexer. Fakt ist, dass in Ländern mit hohem Automatisierungsgrad und guten Bildungschancen – Japan, Deutschland, Amerika, Skandinavien – eine geringe Arbeitslosigkeit herrscht. Der Wert von Arbeit verändert sich; für immer mehr Menschen soll sie sinnstiftend sein. Laut einer repräsentativen Umfrage der Non-Profit-Organisation Ashoka möchten 37 Prozent der Befragten sich nicht nur am Feierabend und am Wochenende sozial engagieren, sondern auch beruflich.” Das Karriereportal The Changer bietet dafür Jobangebote, Tipps rund um Jobsuche, Bewerbung und sinnhaftem Arbeiten. „Identitäten produzieren“, nennt Sven Gábor Jánszky die Entwicklung hin zu mehr Empathie, sozialem Engagement und Kreativität bei der Arbeit. Zurück in die Messelounge:

Welche Rolle wird Bildung zukünftig spielen?
Wir haben einen Ablauf unseres Lebens im Kopf, der nach einem linearen Schema funktioniert: Jugend, Schule, Ausbildung und dann kommt derselbe Job bis zur Rente. Das war bei unseren Großeltern und bei unseren Eltern so, aber das ist kein Naturgesetz. Wir müssen heute unser Leben so verstehen, dass wir etwas lernen, was wir für eine gewisse Zeit nutzen und uns dann neues Wissen aneignen. Unsere Kinder werden in einer Welt leben, in der sie vermutlich drei, vier oder mehr verschiedene Jobs machen werden. Sie werden das als ganz normal empfinden.

Ungefähr 2050 oder 2060 wird der Zeitpunkt kommen, an dem die Computertechnik tatsächlich so weit sein wird, dass die Computer das allgemeine menschliche Intelligenzniveau erreicht haben werden. Sven Gábor Jánszky
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Bild: Goldegg-Verlag

Werden wir überhaupt noch arbeiten oder wird ein Großteil bereits das bedingungslose Grundeinkommen haben?
Der Wert der Arbeit wird steigen, da sich aufgrund der demografischen Entwicklung die gut ausgebildeten Menschen ihre Jobs aussuchen können. Ungefähr 2050 oder 2060 wird der Zeitpunkt kommen, an dem die Computertechnik tatsächlich so weit sein wird, dass die Computer das allgemeine menschliche Intelligenzniveau erreicht haben werden. Wenn diese Schwelle überschritten sein wird, dann werden wir in kürzester Zeit millionenfach Arbeitsplätze kopieren. Dann wird menschliche Arbeit tatsächlich ersetzt werden, bis dahin nicht. Damit wird sich auch unser komplettes Leben verändern, weil die Hauptaufgabe des Menschen bis dahin darin bestand, zu arbeiten, um sein Leben zu finanzieren. Dies wird dann tatsächlich das bedingungslose Grundeinkommen übernehmen.

Infos zum Buch

„2025 – So arbeiten wir in Zukunft“ – Die Autoren Sven Gábor Jánszky und Lothar Abicht nehmen die Leser mit auf eine Zeitreise in die Arbeitswelt des Jahres 2025. Am Beispiel der fünfköpfigen Familie Seedorf wird anschaulich aufgezeigt, mit welchen gravierenden Veränderungen wir rechnen können. Kapitel aus dem normalen Familienleben wechseln sich ab mit Kapiteln der Erklärung und Prognose.

Verlag: Goldegg Verlag
Erschienen: 2017
Preis: 19,90 €

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