Newsletter abonnieren
Titel Working Out Loud
Bild: Shutterstock
Work-Wissen

Working Out Loud: Lernen im Netz(-werk)

Wissen teilen, statt für sich zu behalten: Das ist das zentrale Motiv bei „Working out loud“ aus den USA. Auch hierzulande finden sich immer mehr Anhänger für die Lernmethode: besser gemeinsam als einsam. Ebenfalls bei der Berliner Sparkasse.

O

b bei der neuen Führungsaufgabe im Job, beim Versuch mehr Sport in den Alltag zu integrieren oder sogar bei dem Vorhaben, eine ganze Firma zu retten: In allen Fällen kann „Working out loud helfen.

Wichtige Unternehmen hierzulande wie Daimler, Siemens, Audi und Bosch haben die US-amerikanische Methode bereits übernommen und bilden die Vorhut. Und auch mehr und mehr mittelständische Unternehmen kommen auf den enormen Nutzwert. Allen voran Unternehmen, die mit IT und Digitalisierung zu kämpfen haben. Denn in vielen Branchen ist die Wissensvermehrung besonders wichtig: Jeden Tag erscheinen neue Produkte und Technologien auf dem Markt, Mitarbeiter müssen sich permanent weiterbilden. Das entscheidende Gut für viele Unternehmen ist: das Know-how ihrer Mitarbeiter. „Gerade in der Digitalen Transformation wird ein lebenslanges Lernen zum zentralen Erfolgsfaktor für Unternehmen“, sagt Sebastian Hollmann, Dozent an der Steinbeis-Hochschule Berlin und großer Anhänger der „WOL-Methode“.

„Gerade in der Digitalen Transformation wird ein lebenslanges Lernen zum zentralen Erfolgsfaktor für Unternehmen.“ Sebastian Hollmann, Steinbeis-Hochschule Berlin

Erledige nicht nur deine Arbeit – lasse auch deine Mitmenschen an ihr teilhaben („working out loud“), so lautet das Ziel der Methode, die Bryce Williams 2010 zuerst entwickelt hat und die 2015 von John Stepper verfeinert wurde. Zwölf Wochen lang trifft sich eine Kerngruppe aus fünf Mitarbeitern („Circle Guides“) einmal in der Woche. Jeder Teilnehmer formuliert für sich ein Ziel, bei dem ihn die anderen helfen. Altruismus statt Egoismus. Wissensteilung statt Konkurrenz-Denken. Solche Ziele können berufliche Ziele sein, wie etwa mehr Verantwortung zu übernehmen, oder auch private, wie mehr Sport zu treiben. Und: Es geht nicht nur darum, mehr Geld zu verdienen. Erfolg lässt sich hier ganz individuell mit Leben füllen.

Working Out Loud1
Bild: Shutterstock

Soziale Netzwerke erleichtern den Austausch

Auch neue Technik, wie Soziale Netzwerke oder Skype, sollen bei „Working out loud“ selbstverständlich zum Einsatz kommen, weil sie Menschen verbinden. Über Skype können die Circle Guides zusammenkommen. Über Facebook, Twitter und Co. können sie auch darüber hinaus in Kontakt bleiben. Für Sebastian Hollmann sind solche Lerngruppen ein hoch effizientes System, sich Wissen anzueignen – und viel besser, als tagelang in stickigen Seminarräumen zu hocken oder mit einseitigen Kommunikationstools zu arbeiten. Warum nicht mit Twitter, YouTube und Podcast lernen? „Selbstgesteuertes Lernen macht mir persönlich mehr Spaß und ist dadurch auch nachhaltiger“, berichtet er. So könne jeder in seiner ganz individuellen Geschwindigkeit lernen, sich mit anderen auszutauschen und so gemeinsam zu lernen.

„Selbstgesteuertes Lernen macht mir persönlich mehr Spaß und ist dadurch auch nachhaltiger.“ Sebastian Hollmann

In Berlin finden sich Gruppen über Plattformen wie Meet-up. Hier können sich wildfremde Menschen zu einem „Circle“ vereinigen und gegenseitig bei ihren Zielvorhaben unterstützen. Die Teilnehmer treffen sich entweder vor Ort in Cafés oder via Skype.

Kulturwandel bei der Berliner Sparkasse

Auch bei Berlins größtem Geldinstitituts arbeiten seit Mai 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen in zehn Circles zusammen. Jeder Circle trifft sich über einen Zeitraum von 12 Wochen für einstündige Sitzungen. Somit hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit neue Gewohnheiten zu entwickeln und zu üben. In kleinen Schritten können Fortschritte gemacht und Vertrauen aufgebaut werden.

Diese Faktoren führen dazu, dass die Menschen in einem Unternehmen wie der Berliner Sparkasse mit den Herausforderungen und Veränderungspotenzialen noch besser umgehen lernen. Olaf Grassnick, Organisations- und Produktivitätsmanagement Berliner Sparkasse

Die vielfältigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Motivationen fördern das soziale Miteinander und den notwendigen Kulturwandel durch ein verändertes Verhalten, gestärktes Selbstvertrauen und eine andere Sicht auf die Dinge.

"Für alle von Vorteil"

Gerhard Fuchs, Mitarbeiter und “Working out loud”-Pionier bei der Berliner Sparkasse berichtet hier über seine Erfahrungen:

Mehr

Teamwork statt Konkurrenzdenken

Die Technologien für Lernen im Netz(-werk) gibt es schon längst – die ersten erfolgreichen WOL-Anwender ebenfalls. Doch vielerorts herrscht immer noch die Angst und Konkurrenzdenken: Mein Wissen behalte ich lieber für mich, damit mir der Kollege nicht meinen Arbeitsplatz wegschnappt! Und auch abteilungsübergreifend herrscht in vielen Unternehmensetagen in Deutschland ein regelrechter Krieg. Der Vertrieb kann nicht mit dem Marketing. Und umgekehrt. Ein solches Gebaren bringt wichtige Unternehmensprozesse förmlich zum Stillstand. Doch die Wahrheit ist, dass sich das Firmen künftig nicht mehr länger leisten können. Denn die globalisierte Welt stellt sie in Konkurrenz zu Unternehmen auf der ganzen Welt: Wir müssen mit Indien und Kalifornien konkurrieren und wenn wir schlafen, sind die wach.

Working Out Loud2
Bild: Shutterstock

Working Out Loud ist hierauf die Antwort: „Durch das Teilen der Arbeit leisten wir einen Beitrag für andere und bauen sinnerfüllte Beziehungen auf“, bringt es Sebastian Hollmann auf den Punkt. Er hat selbst die Erfahrung gemacht, dass die Haltung „Ich teile mein Wissen mit anderen, ohne etwas dafür zu erwarten“ für ihn letztlich zum Ziel führte: in einer lukrativen Anstellung bei einem spannenden Arbeitgeber.

Die 10 zentralen Fragen bei Working Out Loud:

  1. Finde heraus, was Erfolg für dich persönlich bedeutet. Was ist dein „Warum“?
  2. Definiere dein Ziel. Was willst du konkret erreichen?
  3. Erweitere dein Netzwerk. Wer kann dir bei deinem Ziel helfen?
  4. Finde die passenden Kanäle – online wie offline. Und sei hier präsent!
  5. Zeige Interesse an inspirierenden Menschen. Gib Feedback und Wertschätzung.
  6. Sprich interessante Personen einfach an.
  7. Teile deine Gedanken und Erkenntnisse mit anderen, ohne etwas hierfür zu erwarten.
  8. Finde deine persönliche Verknüpfung von Lernen und Arbeiten!
  9. Bringe Menschen innerhalb deines Netzwerks miteinander in Dialog
  10. Bleibe nicht stehen, sondern erweitere dein Netzwerk fortlaufend

Working Out Loud Camp

Unter dem Motto “Working Out Loud – eine Bewegung wächst” findet am 28.11.2018 im Schmelzwerk Berlin das zweite Deutsches Working Out Loud Camp der Deutschen WOL Community of Practice statt:

Check in ab 8.00, Start 9.00 Uhr; Ende 17.30 Uhr, Networking bis 18.00
Karten auf: https://www.eventbrite.de

Mehr vom ersten WOLCAMP 2017 in Stuttgart hier und unter #WOLC18

Mehr vom ersten WOLCAMP 2017 in Stuttgart hier und unter #WOLC18

Formate: video/youtube

Diese Themen könnten Sie auch interessieren