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Moderne Berufe

UX-Designer: Forschergeist, Kreativität und ein Schuss Psychologie

Smartphones, Internetseiten und Apps sind heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Aber wer sorgt eigentlich dafür, dass wir uns als Nutzer auf den Seiten oder Geräten zurecht finden und das Gefühl haben, fast intuitiv durch die Anwendung zu gelangen?

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ebsites, mobile Apps, Software-Produkte, Navigationssysteme oder der Touch-Screen an einem Fahrkartenautomaten – der Erfolg jedes Produkts entscheidet sich maßgeblich über die Erfahrungen, die der Nutzer während des Gebrauchs macht. Genau hier setzt der User Experience Designer (UX-Designer) an. Im Zentrum steht die Erfahrung beziehungsweise das Erlebnis („Experience“) des Nutzers („User“).

Wie kann der User das Produkt optimal nutzen?

Der UX-Designer beginnt in der Regel mit Konzepten, die beschreiben, wie der Nutzer seine Ziele erreichen und die geplanten Funktionen effizient gebrauchen kann („Usability“). Die Übergänge zum grafischen Design sind zwar fließend, allerdings ist UX-Design umfangreicher – auch weil es ein Angebot schaffen soll, das User gern nutzen. Es geht mithin um mehr als Verständlichkeit und Funktionalität, es geht um Vergnügen. Gefragt ist eine intelligente und unterhaltsame Weitergabe von Informationen an den Nutzer.
Am Ende geht es um das Erlebnis für den Nutzer, er steht im Mittelpunkt aller Überlegungen. Und damit die Fragen: Warum nutzt er das Produkt? Was kann er damit tun? Und wie kann man ihm die Anwendung in einer ästhetisch angenehmen Art verfügbar machen und – im Idealfall – die Bedienung und Handhabung zu einem Erlebnis formen, das positive Emotionen freisetzt?

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Wer sich für diesen Beruf entscheidet, sollte neben Grundkenntnissen in Design und in der Realisierung von informationstechnischen Benutzerschnittstellen auch etwas Forschergeist, eine gewisse Kreativität, die Bereitschaft zur interdisziplinären Team-Arbeit und Interesse an Psychologie mitbringen. Zunehmend mehr Unternehmen aus fast allen Branchen sowie Agenturen suchen UX-Designer. Um UX-Designer zu werden, kann man sich für ein Bachelor- oder Masterstudium entscheiden, benötigt wird die allgemeine Hochschulreife. Der Studiengang „User Experience Design“ an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) ist der einzige Bachelor-Studiengang seiner Art in Deutschland, die Regelstudiendauer beträgt sieben Semester. Das Studium beginnt jeweils zum Wintersemester, die Anmeldung zum Studium ist jährlich vom 2. Mai bis 15. Juli per Online-Bewerbung möglich.

Es muss indes nicht zwingend ein Studium sein. Diverse Online-Plattformen bieten überwiegend kostenpflichtige Kurse und Tutorials für Interessierte an. Und in Berlin führt beispielsweise artop, das Institut an der Humboldt-Universität, bereits seit 2006 eine berufsbegleitende Ausbildung zum Usability&User Experience Professional durch, die insgesamt 253 Ausbildungsstunden umfasst. Angesprochen werden sollen nicht nur Menschen, die sich dieses Tätigkeitsfeld erschließen wollen oder in ihrem aktuellen Job eine Qualifizierung im Bereich Usability/UX anstreben, sondern auch angrenzende Berufsgruppen aus den Bereichen Qualität, Entwicklung, Design, Produktmanagement, Beratung, Forschung, Marketing und Vertrieb.

Apple setzt seit 1993 auf UX-Design

Produkte ganzheitlich betrachten und dabei das psychologische Verhältnis zwischen Mensch und Alltagsgegenständen unter die Lupe nehmen: Apple war einer der Vorreiter und stellte bereits 1993 Donald Norman, der zuvor Professor für Psychologie und Kognitionswissenschaften an der University of California in San Diego war, als weltweit ersten User Experience Architect ein.

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Die Grundüberlegung: Kunden beschäftigen sich bereits lange vor dem Kauf mit dem Produkt- und Servicenutzen, den sie erwarten. Und in deren Wünsche und Bedürfnisse sollen sich UX-Designer hineinversetzen – immer wieder neu. Mit Analysen, Befragungen und Beobachtungen werden die Bedürfnisse der Zielgruppe ermittelt und in sogenannten Personas, die im weiteren Design- und Entwicklungsprozess die potenziellen Nutzer exemplarisch repräsentieren, verdichtet. Wireframes und interaktive Prototypen helfen, das zukünftige Systemverhalten zu verstehen und zu testen. Die durch ihr Feedback gewonnenen Erkenntnisse fließen in die nächste Designrunde ein.

Technik und Kundenansprüche entwickeln sich stetig, ein UX-Designer ist gedanklich immer in Bewegung. Der Prozess von der Idee eines Prototyps bis zur Umsetzung muss schnell vonstattengehen, da er auch noch von den Nutzern getestet werden muss – und danach optimiert wird.

Text: Steffen Rohr

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