Newsletter abonnieren
Titel Kollegen Neu 692
Bild: shutterstock
Tipps fürs Büro

Die lieben Kollegen

Rund 1.900 Stunden im Jahr verbringen wir mit den Menschen am Arbeitsplatz. Das birgt Konfliktpotenzial. So vermeiden Sie mögliche Stolperfallen des Arbeitstages.

D

uzen oder siezen? In der Zahnarztpraxis von Dr. Alexandra Kroschwald ist das keine Frage: „Man kann zu jemandem nett sein, auch wenn man sich nicht duzt”, sagt die Berlinerin. Deshalb hat sie sich entschieden, ihre vier Mitarbeiterinnen zu siezen – obwohl sie mit einigen schon seit 15, 20 Jahren zusammenarbeitet.

So viel Nähe und Vertrautheit bei täglich acht gemeinsamen Stunden am Patientenstuhl, und trotzdem bleibt es immer noch beim Sie? „Auf Patienten kann es komisch wirken, wenn sich Zahnarzt und Mitarbeiter duzen. Das macht schnell einen kumpelhaften Eindruck”, erklärt Kroschwald. Bei vielen Menschen komme das gar nicht gut an, vor allem wenn sie das Gefühl brauchen, in professionellen Händen zu sein.

Wie persönlich ist noch professionell?

Die Atmosphäre in Alexandra Kroschwalds Praxis in der Brunnenstraße ist trotz des distanzierten „Sie” sehr freundlich – oder vielleicht gerade deshalb? „Ich finde es gut, die Chefin zu siezen”, sagt Assistentin Nicole Syring. In einer der Praxen, in denen sie früher angestellt war, hätten sich zwar alle geduzt, aber manche Chefs hätten sich gegenüber den Mitarbeiterinnen dafür umso sarkastischere Kommentare herausgenommen. „Da schwang schon mal ein ironischer Ton von oben herab mit.”

Kolleginnen Kroschwald Und Fritsch
„Du“ oder „Sie“? Zahnärztin Alexandra Kroschwald bevorzugt trotz 20 Jahren Zusammenarbeit lieber die Höflichkeitsform. Bild: Andreas Süß

Die Beziehungen im Berufsleben sind oft paradox. Mit kaum jemandem verbringen wir so viel Zeit wie mit Chefs und Kollegen. Vertrauensarbeitszeiten und Home-Office, Großraumbüros und die ständige Erreichbarkeit über Smartphones lassen die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Viele von uns tragen ihre Arbeit mit nach Hause und gleichzeitig lassen wir unsere eigene Persönlichkeit am Arbeitsplatz viel stärker einfließen, als das jede Generation vor uns getan hat.

„Vieles wird heutzutage über die Abteilungen hinweg in Projekten bearbeitet”, sagt Katrin Sünderhauf, die bei der Deutschen Bahn AG den Bereich Operatives Personalmarketing und Rekrutierung Region Ost leitet. „Hierbei entstehen sehr enge Arbeitsbeziehungen und auch ein privater Umgang. Wenn man einmal eine Vorstandspräsentation gemeinsam durchgefochten hat, lernt man sich eben ganz anders kennen.”

Kolleginnen Kroschwald Und Fritsch2
„Man kann auch nett zueinander sein, wenn man sich nicht duzt.“ Bild: Andreas Süß

Doch wie viel Privatheit ist gut im Büro? Wie viel Persönliches kann man am Arbeitsplatz einfließen lassen, ohne dass das professionelle Image leidet? „Das kommt vor allem auf die Firmenkultur an”, sagt Fulya Sonnenschein, Knigge-Trainerin und Beraterin für interkulturelle Kommunikation. „Wenn man neu im Unternehmen ist, sollte man sich sehr gut informieren, was erlaubt ist und was nicht.” Private Fotos zum Beispiel sind nicht überall gerne gesehen. Auch Handytelefonate im Büro können heikel sein. „Grundsätzlich würde ich mir genau überlegen, was ich preisgeben möchte. Was den anderen übrigens gar nicht zuzumuten ist, ist Streit am Telefon.”

Die Facebook-Falle

Ziemlich neu auf dem unsicheren Terrain der beruflichen Beziehungen ist Facebook. Soll man sich mit Kollegen verlinken oder lieber nicht? „Wenn man nur unverfängliche Bilder und politisch korrekte Artikel in seinem Account postet – warum nicht?”, sagt Fulya Sonnenschein. „Wenn man sich mit Kollegen verlinkt, sollte man aufpassen, ob die Posts auch wirklich mit der Firmenphilosophie konform gehen.” Sie jedenfalls empfehle eher Zurückhaltung – online, aber auch im echten Leben. „Man muss nicht unbedingt jeden Gedanken, den man hat, der Öffentlichkeit mitteilen.”

Bei der Deutschen Bahn, in Berlin mit rund 19.000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber, ist es übrigens ausdrücklich erwünscht, dass die Mitarbeiter sich im Büro persönlich einrichten und privat vernetzen. „Sich professionell zu zeigen, wird heute anders definiert”, sagt Personalmanagerin Katrin Sünderhauf. „Professionalität heißt heute, die Arbeit im Team zu erledigen, integrativ zu sein und sich untereinander zu vernetzen.” Für viele Teams gehöre es deshalb dazu, sich monatlich beim Stammtisch zu treffen oder gemeinsam auf die Bowlingbahn zu gehen.

Überleben von neun bis fünf

Grundregeln für typische Stolperfallen eines Arbeitstages

9 Uhr: Zweites Frühstück
Nebenbei einen Apfel am Schreibtisch zu essen, ist völlig in Ordnung. Wenn der Kollege aber ungerührt sein Zwiebelmettbrötchen neben der Tastatur aufbaut, können Sie ihn durchaus bitten, damit in den Pausenraum zu gehen.

11 Uhr: Im Fahrstuhl mit dem Chef
Hier gilt: Ruhe bewahren und freundlich grüßen. Ein wirklicher Smalltalk ist in den wenigen Sekunden zwischen den Stockwerken ohnehin nicht möglich. Wenn Sie der Vorgesetzte sind, nehmen Sie Ihren Mitarbeitern das Gefühl, Eindruck schinden zu müssen, indem Sie selbst ein Thema für ein kurzes Gespräch bestimmen.

12 Uhr: Die Kollegin niest wiederholt
Gerade im Großraumbüro wirkt das vielstimmige „Gesundheit” schnell absurd. Daher empfiehlt es sich, das „Hatschi” höflich zu überhören und auf ein mögliches „Entschuldigung” allenfalls taktvoll zu nicken.

Essen Buero Computer
Essen am Arbeitsplatz: Wenn es zu stark riecht, darf man Kollegen durchaus in die Küche verweisen. Bild: shuttertock

13 Uhr: Mahlzeit!
„Wer geht mit?” – die mittags in Deutschland vermutlich am häufigsten gestellte Frage. Die Gruppendynamik rund um die Mittagspause ist nicht zu unterschätzen. Nutzen Sie gelegentlich die Möglichkeit, in dieser Zeit Kollegen kennenzulernen, mit denen Sie nicht intensiv zusammenarbeiten. Reden Sie trotzdem nicht nur über Geschäftliches und vermeiden Sie heikle Themen rund um Politik und Weltanschauung.

15 Uhr: Chaos in der Kaffeeküche
Die Tassen sind im Spülbecken „zwischengelagert”, im Kühlschrank schimmeln Joghurts? Eine Patentlösung gibt es hier leider nicht: Entweder jeder macht ein bisschen mit oder Sie vereinbaren gerecht aufgeteilte Küchendienste. So sauber wie in der eigenen Küche wird es aber nie werden.

Abwasch
Und was, wenn sich dort das dreckige Geschirr stapelt? Eine Patentlösung gibt es nicht. Bild: shuttertock

16 Uhr: Lüften!
Frauen ist es meistens zu kühl, Männern zu warm. Es geht jedoch nicht, einfach das Fenster aufzureißen, wenn einem danach ist. Auch hier gilt: Rücksicht nehmen und im Zweifel die Mehrheit entscheiden lassen.

17 Uhr: Umtrunk des Kollegen
Zeitfressende Anlässe gibt es genug: Geburtstag, Jubiläum, Karrieresprung, Abschied. Hier gilt, dass dazu alle Kollegen eingeladen werden müssen und in zeitlicher Nähe zum Feierabend angestoßen wird. Schenken Sie dem Jubilar mindestens zehn Minuten Aufmerksamkeit.

Fulya Sonnenschein, Trainerin Business Etikette
www.knigge-in-berlin.de

Diese Themen könnten Sie auch interessieren