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Ratgeber

Nebenjob: 6 Tipps, wie Sie mehr verdienen

Neben dem Hauptjob mit einem Nebenjob noch etwas dazu verdienen? Dies gehört für einige Arbeitnehmer in Deutschland zum Alltag. Aber was müssen Sie eigentlich beachten, wenn Sie etwas dazu verdienen wollen?

Alexandra Reinig

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ach dem Büro noch eine Fußballmannschaft trainieren, die Drinks in der Lieblingskneipe mischen oder Online-Kurse anbieten? Rund jeder zehnte Arbeitnehmer übt in Deutschland neben dem Hauptjob noch einen Nebenjob aus. Ein Zuverdienst ist auch für Kurzarbeiter in der Coronazeit möglich. Erfahren Sie, welche Rechte Sie bei einem Nebenjob haben und worauf Sie achten sollten.

1. Wieso sich für einen Nebenjob entscheiden

Für einen Nebenjob gibt es viele Gründe. „Manch einer kommt mit seinem Hauptjob allein nicht über die Runden. Andere suchen einfach nach Abwechslung oder wollen sich beruflich umorientieren“, erklärt Rupay Dahm, Fachanwalt für Arbeitsrecht. In Berlin ist der Trend zum Nebenjobben besonders spürbar: 2019 gab es hier rund 50 Prozent mehr Mehrfachbeschäftige als noch zehn Jahre zuvor. Hinzu kommen Personen, die eine abhängige Tätigkeit mit einer selbstständigen kombinieren oder mit dem Nebenjob ihre Rente, Bafög oder Unterhalt aufbessern.

2. Wie Sie Steuern sparen

Ein Arbeitnehmer, der ein zweites Arbeitsverhältnis aufnimmt, landet im Normalfall automatisch in der Steuerklasse VI.

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Bild: Rupay Dahm

„Das heißt, Nebenjobber zahlen zunächst viel höhere Steuern als im Hauptjob, können aber einiges davon mit der nächsten Steuererklärung zurückverlangen“, erklärt Dahm. Einfacher verhält es sich beim Minijob: Als Aushilfe auf 450-Euro-Basis ist der Zuverdienst nicht sozialversicherungspflichtig. Auch die Honorare von Dozenten und Übungsleitern in öffentlichen oder sozialen Einrichtungen bleiben 2020 bis zu 3000 Euro steuerfrei.

3. Wie Sie Vorteile bei der Altersvorsorge nutzen

Eine selbstständige Tätigkeit hat den Vorteil, die Arbeitszeit freier einteilen zu können. In der Kombination einer selbstständigen Tätigkeit mit einem Minijob ergeben sich potenziell auch Vorteile bei der Altersvorsorge. Denn Minijobber, sofern sie keine Befreiung beantragt haben, zahlen in die Rentenkasse ein. Selbständige oder Studierende profitieren, da sich durch den Minijob die Beitragsjahre erhöhen, auch wenn keine zusätzlichen freiwilligen Beiträge in die gesetzliche Krankenkasse gezahlt werden.

4. Was Sie tun können, wenn der Haupt-Arbeitgeber eine Nebentätigkeit untersagt

Eine Nebentätigkeit aufnehmen ist prinzipiell erlaubt. Klauseln im Arbeitsvertrag, die einem Arbeitnehmer jede nicht genehmigte Nebentätigkeit verbietet, sind unwirksam. „Der Arbeitnehmer kann sich dabei auf seine Grundrechte der Berufsfreiheit und Persönlichkeitsentwicklung berufen“, sagt Dahm, der neben seiner Haupttätigkeit bei Ziegenhagen Rechtsanwälte noch freiberuflich als Gründungsberater tätig ist. „Der Arbeitgeber kann das Unterlassen einer Nebentätigkeit aber verlangen, wenn er ein berechtigtes Interesse hat.“ Im Zweifelsfall ist es empfehlenswert, den Arbeitgeber über die Tätigkeit im Zweit-Job zu informieren und die Vereinbarkeit darzustellen – am besten per E-Mail.

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Bild: Shutterstock

5. Checkliste: Wie Sie die Vereinbarkeit darstellen

  • Versichern Sie Ihrem Arbeitgeber, dass Sie nicht für die Konkurrenz arbeiten. Unzulässig sind Nebentätigkeiten, die dem Arbeitgeber schaden, indem Sie etwa Geschäftskontakte aus dem Hauptjob für die Nebentätigkeit nutzen.
  • Informieren Sie den Arbeitgeber über den zeitlichen Umfang des Nebenjobs. Wer nachts Bier in der Bar zapft und morgens im Büro einschläft, riskiert eine Abmahnung oder Kündigung. Der Hauptjob darf keinesfalls leiden.
  • Verdeutlichen Sie, dass Ihnen noch Zeit für Erholung bleibt. Die maximalen Arbeitszeiten dürfen nicht überschritten werden und hierbei zählen alle Jobs zusammen. Arbeitnehmer dürfen pro Woche regulär höchstens 48 Stunden arbeiten, in Ausnahmefällen bis zu 60, dabei aber nie mehr als 10 Stunden täglich.
  • Stellen Sie dar, dass Sie im Urlaub keiner dem Urlaubszweck (Erholung) widersprechenden Tätigkeit nachgehen. Wer im Urlaub als Surflehrer arbeitet, erholt sich vielleicht noch zur Genüge vom Bürojob. Im Urlaub einen anderen Bürojob zu machen, könnte hingegen vom Arbeitgeber untersagt werden.
  • Versichern Sie, dass Sie bei einer Krankmeldung im Hauptjob die Zeit zur Genesung nutzen. „Darf ich wegen Rückenschmerzen nicht mehr im Bürojob arbeiten, mag der Nebenjob als Gärtner nicht genesungsförderlich sein. Für jemanden, der wegen Depression arbeitsunfähig ist, ist das Gärtnern im Grünen aber vielleicht genau richtig – und damit erlaubt,“ sagt der Arbeitsrechtler Dahm.

6. Was Sie beim Nebenjobben in Kurzarbeit beachten müssen

Wer in die Kurzarbeit geschickt wird, hat mehr Zeit und weniger Geld. Das macht den Zuverdienst prinzipiell attraktiv. Was passiert aber, wenn dann die Kurzarbeit abrupt zu Ende ist? „Auch in diesem Fall ist es zu empfehlen, beide Arbeitgeber vorher über den jeweils anderen Job zu informieren. So lassen sich Konflikte vermeiden und eine gemeinsame Lösung suchen“, betont Dahm. Denn wenn beide Jobs kollidieren und es keine einvernehmliche Übergangsreglung gibt, heißt das Risiko: Kündigung – und zwar in dem Job, in dem der Arbeitnehmer nicht mehr auftaucht, weil er einen anderen Job ausübt.

Zu den im Text verwendeten Zahlen:

2019 sind 3.991.000 Arbeitnehmer mehrfachbeschäftigt, das heißt sie standen zeitgleich in mehr als einem Beschäftigungsverhältnis. Dies können z.B. sein: Beschäftigte mit mindestens einer weiteren sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bzw. geringfügigen Beschäftigung. Im gleichen Zeitraum standen 41.087.000 Arbeitnehmer in einem Beschäftigungsverhältnis. Quelle: Institut Arbeitsmarkt und Berufsforschung.

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