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Titel Reden Vor Publikum
Verschaffen Sie sich dauerhaft Gehör: Mit diesen Tricks der besten Redner. Bild: Shutterstock
Reden vor Publikum

Fünf Geheimnisse der besten Redner

Es gibt Redner, die ihr Publikum aus dem Stehgreif begeistern und in den Bann ziehen. Was einen guten Vortrag ausmacht, wie sich jeder mit ein paar findigen Tricks verbessert – und was die erfolgreichsten Redner der berühmten TED TALKS richtig machen.

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er US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain sagte einst: „Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache: Es funktioniert bis zu dem Zeitpunkt, wo du aufstehst, um eine Rede zu halten.“ Chris Anderson, Organisator der berühmten TED Talks aus den USA, hält dagegen: Mit ein paar guten Werkzeugen kann jeder die Kunst der Rhetorik beherrschen. Ob in einer Rede vor Gästen, in einer Besprechung vor dem Chef und Team oder als Redner auf einem Kongress – mit diesen Tricks gelingt’s bestimmt:

1. Die richtige Kleidung

Kleidung ist nicht oberflächlich: Noch bevor Sie den Mund aufmachen, haben Sie mit ihr bereits viel gesagt. Wichtigste Regel: Seien Sie vorbereitet, also dem Anlass, besser gesagt Publikum, angemessen angezogen.

So wollen Sie nicht wirken: altmodisch, langweilig, schlampig, geschmacklos, überkandidelt.
So können Sie punkten: setzen Sie sich farblich vom Hintergrund der Bühne ab, wählen Sie Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen – und die eine gute Passform hat. Wer stark schwitzt, sollte grau vermeiden (Schweißflecke). Wer von einer Kamera aufgezeichnet wird, kein strahlendes Weiß (flimmert) oder nur schwarz (dann „schwebt“ der Kopf) tragen. TV-Coaches raten zu Farbakzenten fürs Fernsehen und Publikum. Unser Tipp: Mit ein paar farbigen Accessoires Akzente setzen – und sich in den Basic-Sachen wohlfühlen! Und noch was: Üben Sie Ihren Vortrag mindestens einmal in Ihrem Bühnenoutfit vor dem Spiegel. Das hilft, sich ins Outfit einzugewöhnen.

2. Die Schnur vorbereiten

Ein vorab festgelegter roter Faden hilft, damit beim Publikum die zentrale Botschaft hängen bleibt. Was ist der große Bogen? Was die eigentliche Aussage? Journalisten nennen das den „Küchenzuruf“ (nach Henri Nannen). Ein Mann kommt nach Hause und ruft seiner Frau in der Küche zu: „Schatz, du glaubst nicht, was ich gerade in der Zeitung gelesen habe.“

So funktioniert es:
1. Formulieren Sie Ihr Leitmotiv in einem konkreten Satz (maximal 15 Wörter).
2. Kennen Sie Ihr Publikum – und sein Wissen.
3. Es steht Ihnen frei, Ihr Publikum zu Beginn der Rede über den roten Faden zu informieren – oder es im Unklaren zu lassen, wohin die Reise geht.
4. Der Rote Faden fungiert als eine Schnur, an der Sie die Punkte Ihrer Rede aufziehen. Aber Reinquetschen gilt nicht: Lieber wenige „Perlen“ als viele Punkte gehetzt anschneiden.
5. Der Rede eine Struktur geben. Tipp von TED-Gastredner Sir Kenneth Robinson: 1. Einleitung (Aufwärmen/Thema vorstellen), 2. Hintergrund (Warum?), 3. Zentrale Gedanken, 4. Auswirkungen, 5. Schluss.

3. Emotionen wecken

Der genialste Vortrag nützt nichts, wenn die Inhalte nicht zum Publikum durchdringen. Die besten Redner wecken deshalb Emotionen; sie machen sich menschlich sichtbar:

Redner Vor Publikum
Wissenschaftlich erwiesen: Wenn Sie lächeln, lächelt das Publikum zurück. Bild: Shutterstock

1. Lächeln Sie und stellen Sie sofort Blickkontakt zum Publikum her. Es hilft, sich drei Fixpunkte im Publikum zu setzen: einen Zuschauer auf der linken, einen in der Mitte und einen rechts immer wieder anzuschauen. Dadurch schweift der Blick, das gesamte Auditorium fühlt sich gesehen. Wenn Sie lächeln, lächelt das Publikum innerlich mit. Mimik-Experten wie etwa der Berliner Gesichterleser Dirk W. Eilert nennen das den „Spiegel-Effekt“.
2. Zeigen Sie sich menschlich: Ihre Nervosität ist nicht zu übersehen? Dann thematisieren Sie es. Sie haben einen Kloß im Hals, der partout nicht weggehen mag? Legen Sie sich hierfür einen Spruch parat, trinken ein Schluck Wasser und machen weiter. Solche kleinen „Verletzlichkeiten“ machen Sie sympathisch.
3. Seien Sie witzig: Humor, Anekdoten und Selbstironie lockern auf und gestalten das konzentrierte Zuhören leichter. Aber Achtung: Wenn Sie von Natur aus nicht witzig sind, lassen Sie es auch in der Rede bleiben (Authentisch sein).

4. Gutes Storytelling

Menschen lieben Geschichten. Diese erzeugen Spannung, Bilder im Kopf und wecken Mitgefühl und Emotionen. „Gute Geschichten können Sie an jedem Punkt Ihres Vortrags einbauen“, schreibt Chris Anderson in seinem Buch. „Sie sind eine starke Einleitung. Eine starke Veranschaulichung in der Mitte. Und manchmal auch ein starker Schluss.“

Die besten Geschichten haben einen sympathischen Protagonisten (Sie), sind keine Lästerei über die Freundin oder Schwiegermutter und umschiffen Fettnäpfchen-Themen wie Politik oder Religion. Der ehemalige britische Premier Tony Blair erzählte mal eine Geschichte voller Selbstironie: Auf einem Abendessen in den Niederlanden verquatschte er sich mit einer „gut gekleideten Mittfünfzigerin“. Sie fragte: „Was machen Sie?“ – „Ich bin der Chef der britischen Labour Party.“ Dann fragte er, wie sie heiße. „Beatrix“ – „Und was machen Sie?“ – peinliche Pause: Es stellte sich heraus, dass es die damals amtierende Königin der Niederlande war.

5. Lampenfieber angehen und Rede üben

Ob der ehemalige Apple-Chef Steve Jobs oder der Microsoft-Gründer Bill Gates – sie alle haben geübt, geübt, geübt. Glauben Sie nicht, dass die Besten ihre Rede frei aus dem Ärmel schütteln. Das heißt für Sie: mindestens fünf Mal alleine zu Hause vor dem Spiegel. Filmen Sie sich mit dem Smartphone. Dann proben Sie vor dem härtesten Publikum: ihre Freunde. Diese entlarven am besten Logik-Brüche und Verständnislücken.

Ob Sie nun lieber frei vortragen oder sich an Karteikarten festhalten: in beiden Fällen ist ein sorgfältig geübter Vortrag das Ziel. Dieser ist klarer, auf dem Punkt – und in der Zeit! Und wie kriegen Sie Ihre Aufregung in den Griff? Konzentrieren Sie sich aufs ruhige Atmen, vor allem ausatmen, und machen Sie klare Pausen (vor allem zu Beginn).

Buch Ted Talks
Bild: Fischer Verlag

Weitere Tipps von Chris Anderson: Suchen Sie sich Freunde im Publikum (Menschen, die Sie anlächeln!), haben Sie ein „Sicherheitsnetz“ (Karteikarten im Falle eines Blackouts) – und stellen Sie sich gedanklich selbst in den Hintergrund. Die beste Einstellung: Es geht nicht um Sie als Person – es geht um den Inhalt Ihres Vortrags. Und dieser ist so wichtig, dass er gehört werden muss!

Zum Buch:

Chris Anderson: TED TALKS – die Kunst der öffentlichen Rede, Fischer-Verlag, 16,99 Euro

TED TALKS
Kein Vortrag darf länger als 18 Minuten dauern – das ist die einzige Regel der TED TALKS. Ihren Anfang nahm die Vortragsreihe 1984 in Kalifornien (USA) als jährliche „Innovationskonferenz“. Vertreter aus Technik, Entertainment und Design (daher der Name TED) kamen hier zusammen. Mittlerweile gilt es als Plattform für alle Themen. Berühmte Redner haben hier ihre Visionen vor nicht selten 1.200 Zuschauern geteilt – und über das Internet erreichen die Reden Millionen von Menschen weltweit. Die fünf besten haben wir hier für Sie zusammengestellt:

1. Steve Jobs: How to live before you die

Formate: video/youtube

Kein TED Talk, aber nicht minder inspirierend: Apple-Gründer Steve Jobs spricht vor den Absolventen der Stanford-University über sein Lebenswerk – und wie sich alles in seinem Leben zusammengefügt hat. Sein Trick: mit drei Beispielen erklärt er das Große und Ganze. Motivierendere 15 Minuten gibt es nicht!

2. Simon Sinek: How great leaders inspire action

Formate: video/youtube

Warum sind manche Menschen und Unternehmen so erfolgreich? Führungsexperte Simon Sinek gibt die Antwort. Ein grandioser Redner, der zeigt, dass auch das Bekritzeln eines Flip-Charts keineswegs in einem trockenen Vortrag enden muss.

3. Kelly McGonigal: How to make stress your friend

Formate: video/youtube

Beobachten Sie, wie die Rednerin es schafft, ihr Publikum von Beginn an einzubinden und damit für sich zu gewinnen. Kelly McGonigal kommt sympathisch, souverän und bestens vorbereitet rüber.

4. Elizabeth Gilbert: Your elusive creative genius

Formate: video/youtube

Sie hat den Bestseller „Eat Pray Love“ (verfilmt mit Julia Roberts) geschrieben – im TED TALK spricht sie mit viel Humor und Selbstentblößung darüber, inwiefern jeder von uns das Gen fürs Geniale in sich trägt.

5. Richard St. John: Secrets of success in 8 words, 3 minutes

Formate: video/youtube

Er schafft es nicht in 18 Minuten, sondern sogar in 3 Minuten: Richard St. John erklärt, welche acht Zutaten den Erfolg ausmachen. Der Vortrag zeigt, wie eine geschickt gesetzte Geschichte am Anfang, jede Menge guter Humor und unterstützende Powerpoint-Präsentationen einen Vortrag sehr kurzweilig machen können.

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