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Titel Stress-knigge
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Umgang mit Smartphones & Co

Dem Stress den Strom abdrehen

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in ständiger Blick aufs E-Mail-Postfach am Bildschirmrand, die Smartwatch an der Hand und der permanente Termindruck im Rücken: Längst unterliegen wir dem Effizienz- und Erreichbarkeitsdiktat. Studien belegen: Mit der digitalen Beschleunigung, Informationsflut und dauerhaften Erreichbarkeit ist ebenfalls die Zahl der Erschöpfungen und Depressionen gestiegen. Das beschreibt Buch-Autor Kai Oppel – und erinnert deshalb wieder an die alten Prinzipien des Freiherren von Knigge. Dessen wertvolle Benimm-Tipps seien ursprünglich dazu gedacht gewesen, den Menschen mehr Freiheit zu geben – und auch heutzutage – so Oppels These – haben sie das Potenzial, die Menschen auch aus der digitalen „Unmündigkeit“ zu befreien. Und zwar so:

1. Bewusste Pausen vom Smartphone

Erschoepfung
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Nehmen Sie das Smartphone künftig nicht mehr mit in die Mittagspause. Oder schalten Sie es bewusst aus, wenn Sie sich mit Ihren Kollegen unterhalten. Insbesondere unseren Geschäftskunden gilt die ungeteilte Aufmerksamkeit! Umfragen zeigen, dass Menschen das Handy auf dem Tisch unhöflich finden; es wirkt, als ob der Anwesende weniger Priorität hätte. Wer mit seinen Kollegen überdies nicht nur spricht, wenn er etwas von ihnen will, und wer sich mindestens einmal pro Woche aktiv erkundigt, was die unmittelbaren Kollegen so treiben, entwickelt wieder einen bewussteren Umgang mit seinen Mitmenschen.

2. Arbeitskräfte im Alltag wieder stärker wahrnehmen

Das gilt ebenfalls für Dienstleister: Kellnerinnen, Späti-Verkäufer oder Supermarkt-Kassiererinnen: „Hinter jeder Arbeitskraft steckt immer auch ein Mensch, der wertgeschätzt werden will“, erinnert Kai Oppel. Schließlich würden doch auch viele von uns immer noch den persönlichen Kontakt bevorzugen, statt zum Automaten zu gehen. Also sollten wir unsere Mitmenschen auch nicht wie Automaten behandeln, sondern ihnen mit Respekt und Verständnis begegnen.

3. Die neue Pünktlichkeit

Unpuenktlich
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Die neue Pünktlichkeit ist Unpünktlichkeit. Das heißt nicht, dass man eine halbe Stunde zu spät kommen sollte – aber wenn man sich etwas verspätet, sollte das heutzutage kein Drama entfachen. Wartende mögen Verständnis aufbringen, dass man im heutigen Treiben der Großstadt nicht immer alles planen kann. Die U-Bahn bleibt auf der Strecke liegen, ein Unfall blockiert die Straße für Autofahrer – alles mögliche Ereignisse. Wenn man absehbar zu spät kommt, sollte man aber rechtzeitig eine Nachricht schicken, dass man sich verspätet. Also: Teilen Sie Unpünktlichkeit per Handy mit. Und tolerieren Sie kleine Verspätungen. Das Zauberwort lautet: Entschleunigen.

4. Abschied vom Perfektionswahn

Ganz ehrlich: Wer macht Ihnen Druck? Oftmals lautet die Antwort: wir uns selbst. Selbstoptimierungswahn, Perfektionismus – dahinter stecken immer unsere hohen Ambitionen und Erwartungen. Die Lösung: Schrauben Sie Ihre Ansprüche zurück. „Wir müssen lernen, uns weniger streng zu terminieren“, sagt Kai Oppel und plädiert für ein entspannteres „Ich lass das jetzt so“.

5. E-Mails mit Feedback-Angabe versehen

E Mails
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Wie lange darf eine Antwort auf eine E-Mail dauern? Einen Tag, sagt jeder Dritte in einer Umfrage, die der Journalist und PR-Agent Kai Oppel mit seinem Team gemacht hat. Fast jeder Vierte möchte sie sogar in einer Stunde. So viel Druck erzeugt Stress. Das lässt sich nur ändern, indem man die Feedback-Geschwindigkeit offen anspricht. Versehen Sie daher Ihre E-Mail mit einer freundlichen Nachfrage, wann Sie mit einer Antwort rechnen können und nennen hier eine realistische Zeitangabe als Wunsch.

6. Die neue Verschwiegenheit

Soziale Medien machen es uns leicht, uns mitzuteilen und sogar zu tratschen. Doch gerade deshalb sollten wir zweimal hinschauen, welchen Tweet, Post oder welche Whats-App-Nachricht wir absetzen. Deshalb gilt: Prüfen Sie Fakten, bevor Sie eine Geschichte über einen Kollegen glauben. Und haushalten Sie mit den Informationen, die Sie über sich selbst preisgeben. Zum Beispiel das Geburtsdatum auf einer Website, wertvolle Konto-Informationen und Passwörter – dazu rät ebenfalls die Berliner Sparkasse, sehen Sie hierzu auch unseren Artikel: So schützen Sie Ihre Passwörter .

7. Warten ohne Smartphone

Ob an der Bushaltestelle, im Wartezimmer oder wenn die Begleitung im Restaurant mal kurz auf Toilette geht – reflexartig ziehen wir das Handy aus der Tasche, um Wartezeiten zu überbrücken. Fast scheint es, dass wir in unserer heutigen Leistungsgesellschaft gar keine Zeit mehr „verschwenden“ dürfen. Haben Sie wieder Mut zum Müßiggang: Lassen Sie das Handy in der Tasche, tun Sie mal einfach nichts. Oder ziehen Sie doch alternativ ein Buch aus der Tasche, legen sich ein Notizbuch für Gedanken an oder üben sich in Small Talk mit Mitmenschen.

Smartphone-Nutzung

So häufig schauen Smartphone-Besitzer im Schnitt täglich aufs Handy: 88 Mal

Das macht im Durchschnitt: 150 Minuten für Apps pro Tag

Zum Vergleich: Zeit, die wir mit dem Handy am Tag telefonieren: 7 Minuten

Quelle: Der Spiegel

8. Kommunizieren Sie Erreichbarkeiten

Erreichbarkeit
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Das Handy ist für viele Menschen zum Wecker geworden. Umso wichtiger ist es, dass wir Uhrzeiten definieren, zu denen wir erreichbar sein wollen. Wer diese eindeutig kommuniziert, vermeidet, dass das Handy gleich um 7.30 Uhr morgens oder um 21 Uhr klingelt. Und für Anrufer gilt: Akzeptieren Sie die Freizeit von Kollegen. Kai Oppel rät: Nie vor 9 Uhr und nach 22 Uhr anklingeln.

9. Den Arbeitstag nicht mit E-Mails beginnen

Oft beginnen wir unseren Arbeitstag mit dem Blick ins E-Mail-Postfach. Stattdessen raten Anti-Stress-Experten, den Arbeitstag mit ein, zwei Stunden konzentriertes Arbeiten an einem Projekt zu beginnen – und sich erst danach den E-Mails zu widmen. Das macht den Arbeitstag effizienter, zumal bei vielen Menschen gerade der Vormittag eine gute Zeit für konzentriertes Arbeiten ist. Wann unsere Konzentrationskurve abfällt und damit auch eine gute Zeit für leichtere Arbeiten wie E-Mails ist, erfahren Sie in dem Blog Karrierebibel .

10. Elektronikfreie Zonen

Computer Im Bett
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„Ich bin mit einem Tablet verheiratet“, lästert manche Ehefrau inzwischen, wenn der Mann beim Abendessen kaum noch von seinem Tablet oder Smartphone aufschaut. Auch die Kinder starren permanent auf das elektronische Gerät. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat diesem Phänomen jüngst sogar eine Titelgeschichte gewidmet. Überschrift: „Der Feind in meiner Hand“. Ein guter Tipp für Familien: Legen Sie sich Regeln auf, zum Beispiel „Beim Essen, im Bett sind Smartphone und Tablet tabu.“ Alle Familienmitglieder sollten ihre Geräte zum Beispiel in eine Schale legen. Und: Alle Familienmitglieder müssen sich dran halten. Also auch die Eltern, die für Kinder ja immer eine Vorbildfunktion haben.

Buch-Tipp

Kai Oppel: Die Knigge-Kur – So befreien Sie sich von unsinnigen Benimmregeln und falschen Karrierehelfern

Beck-Verlag, 19,80 Euro

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