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Social Impact Lab: Ein Ort für gute Ideen
Bild: Christian Klant
Soziales Unternehmertum

Ein Ort für gute Ideen

Von der App gegen Depressionen bis zum zweiten Leben für ausrangierte medizinische Geräte in Afrika: In Kreuzberg entstehen die sozialen Start-ups von morgen. Das „Social Impact Lab“ bringt soziale Unternehmer zusammen. Sie eint das Ziel, die Welt ein Stück sozialer zu machen.

Sanftes Tageslicht fällt durch große Fenster und vermischt sich mit dem strahlendem Weiß der Wände und Tische. Der ideale Ort für Kreativität. Hier sitzen soziale Unternehmer Seite an Seite und schmieden die sozialen Start-ups von morgen. Von der Universität „Kiron“ für Flüchtlinge, über die Vermittlung von gebrauchten medizinischen Geräten für arme Regionen unter dem Namen „Medichange“ bis hin zur App „Arya“ für den Umgang mit Depressionen.

Soziale Vernetzung: Besser durch Feedback

Die Social Impact gGmbH (gemeinnützige GmbH) bringt sie im Berliner Lab alle zusammen: als Netzwerk und als realer Ort auf 280 Quadratmetern in einer ehemaligen Filmproduktionsstätte. Mehr als 170 Teams, die gesellschaftliche Probleme lösen wollen, hat die Einrichtung seit ihrem Start 2011 gefördert. Mehr als 120 Unternehmen mit insgesamt 500 Arbeitsplätzen sind hieraus entstanden.

Die „Agentur für soziale Innovationen“ – so der offizielle Titel – bietet jungen Unternehmern neben den Schreibtischen zum Arbeiten auch jede Menge Gelegenheiten zur Vernetzung – und über Stipendien Hilfestellungen und Beratungen für den Anschub. Durch das gegenseitige Feedback sollen die Geschäftsideen noch besser werden. So profitieren die Gründer ebenfalls von angebotenen Workshops und Seminaren oder können in der großen Gemeinschaftsküche leicht miteinander ins Gespräch kommen. Darüber hinaus gibt es für die Start-ups sogar Coachings und ein Mentorenprojekt.

Dafür hat die Agentur mit verschiedenen Partnern Stipendien-Programme aufgesetzt. Einer der größten Unterstützer ist der Software-Hersteller SAP. Berliner Akzente hat mit Melanie Akerboom (32) und Marc Schumann (28) gesprochen, die das Lab leiten.

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Mehr als Essen: Die große Gemeinschaftsküche nutzen viele Gründer zum Austausch untereinander. Bild: Christian Klant

Die Lab-Leiter:

Was müssen Unternehmen mitbringen, um ins Social Impact Lab aufgenommen zu werden?

Die Unternehmen sollten mit ihren Ideen gesellschaftlich relevante Herausforderungen lösen. Der „Social Impact“, also die soziale Wirkung, haben wir dabei nicht örtlich auf Deutschland begrenzt. Wenn durch den Verkauf von Produkten in Deutschland zum Beispiel eine Teeplantage in Japan unterstützt wird, ist das für uns absolut interessant.

Wer entscheidet über die Vergabe der Stipendien?
Eine Jury. In dieser sitzen unser Mastercoach Bernd Steinmeyer und Social Impact-Gründer Norbert Kunz, der seit Anfang der Neunzigerjahre Gründer berät. Vertreter unserer Partner und Financiers entscheiden ebenfalls mit: Die Fröbel Gruppe, der Paritätische Berlin und natürlich unser größter Unterstützer SAP. Hinzu kommen noch externe Experten.

Und wie gewinnt man bei der Jury?
Wir stellen uns jeweils folgende Fragen: Wie weit ist die Idee? Hat das Projekt bereits erste Erfolge gefeiert? Gibt es über die Idee hinaus schon eine Art Prototyp eines zukünftigen Unternehmens? Wir versuchen außerdem herauszufinden, wie motiviert die Teams sind und ob das nötige Know-how vorhanden ist. Dabei berücksichtigen wir immer, dass wir ein Gründungsstipendium anbieten: Einerseits geht es also um das Erkennen von Potenzialen – anderseits darf die Idee auch nicht zu weit sein.

Der Weg zur Gründungsförderung

Für das Berliner Stipendien-Programm Social Impact Start gibt es jährlich drei Ausschreibungen. Aus den jeweils 50 bis 60 Bewerbungen wählt das Team zwölf Projekte aus, die an einem eintägigen Workshop mit dem Titel „Wie die Idee am besten verkauft wird“ teilnehmen. Am Pitchtag erhalten bis zu sechs Projekte ein Stipendium. Das heißt: Jährlich erhalten bis zu 18 Unternehmen wertvolle Gründungsförderung.

Weitere Infos unter socialimpactstart.eu

Crowdfunding und Investorenverträge

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Aus guten Ideen sollen im Lab nachhaltige Projekte und neue Unternehmen entstehen. Bild: Christian Klant

Social Impact hat bundesweit sechs weitere Labs in anderen größeren Städten wie Hamburg, Frankfurt oder Duisburg aufgebaut. In Berlin bekommen die Teams für acht Monate Arbeitsplätze und einen passenden Mentor an ihre Seite. In Gruppen- und Einzelcoachings besprechen sie gemeinsam die weiteren Schritte, zum Beispiel wie sich mittels Crowdfunding zusätzliche Geldmittel für die ambitionierte Idee einsammeln lassen. „Neulich haben wir zehn Stunden lang einen Investorenvertrag geprüft“, sagt Marc Schumann. Auch Alumnis berichten immer wieder im Lab von ihren Erfahrungen.

Viele Gründer verfolgen mit sehr viel Leidenschaft ihre Projekte, berichtet Marc Schumann. Viele arbeiten noch in Teilzeit in anderen Berufen, da die Projekte nicht immer und vor allem nicht gleich ertragreich sind. Deshalb hilft das Social Impact Lab, dass die Start-ups schnell wirtschaftlich tragfähig werden. Dazu gehört neben dem Finden zusätzlicher Finanzquellen vor allem die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells.

Die Unternehmer:

Von einem solchen Stipendium haben auch Isabell Bleeser (30) und Frederic Goldkorn (28) von der „Querfeld UG“ profitiert. Sie beliefern Berliner Kitas, Schulen und Smoothie-Läden mit Obst, das es nicht in den Supermarkt geschafft hat. Zu krumme Gurken, zu kleine Äpfel oder zweibeinige Karotten, die sonst völlig okay sind, werden auf diese Weise vor der Abfalltonne bewahrt.

Das Projekt, das bis zur Gründung im Februar unter dem Namen „Ugly Fruits“ agierte, basiert auf einer Diplomarbeit von drei Designern zum Thema Lebensmittelverschwendung. Hinter dem rein auf Kommunikation ausgelegten Projekt stand allerdings kein wirtschaftliches Konzept. Aus diesem Grund stieß Frederic Goldkorn Ende 2014 dazu. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Bewerbung um ein Stipendium im Social Impact Lab.

Bilderstrecke: Ugly Fruits („Bauernkampagne“)

  • Bauern Kampagne 01

    Das Sozialunternehmen „Querfeld” basiert auf der Diplomarbeit dreier Design-Studenten. Lauthals

  • Bauern Kampagne Ugly fruits

    Die Aufklärungs-Kampagne war nur eine von vielen Aktion gegen Lebensmittelverschwendung. Lauthals

  • Bauern Kampagne Ugly Fruits

    „Was andere wegschmeißen, wird bei uns verkauft”: Geschmack ist keine Frage des Aussehens. Lauthals

  • Bauern Kampagne ugly fruits

    Während die Designer ihre eigene KreativagenturLauthals gründeten … Lauthals

  • Bauern Kampagne Ugly Fruits

    … hat Frederic Goldkorn mit seinen Mitstreitern aus der Idee „Ugly Fruits” heraus die Querfeld UG gegründet. Lauthals

  • Bauern Kampagne Ugly Fruits

    Das junge Unternehmen beliefert heute unter anderem acht Kitas und Schulen mit Obst und Gemüse aus der gesamten Ernte. Lauthals

Bild

Wie ging es während des Stipendiums mit der Idee voran?

Gemeinsam mit den Coaches haben wir festgestellt, dass die ursprüngliche Idee eigener Läden für das krumme Obst und Gemüse nicht marktfähig ist. Bei unserer Zwischen-Präsentation im Lab haben wir dann Stefan Spieker kennen gelernt. Er ist Vorsitzender der Fröbel Gruppe, die Kindereinrichtungen betreibt. Unsere Idee hat ihm direkt gefallen – heute beliefern wir acht Kitas und Schulen von Fröbel in Berlin. Außerdem lassen wir Kinder in unseren Überraschungskisten blind Gemüse ertasten, das anschließend gemeinsam verarbeitet wird.

Ihr plant auch Suppen auf Basis eurer Produkte, erzählt mehr.
Aus logistischen Gründen können wir leider noch nicht alle interessierten Kitas beliefern. Daher wollen wir auch eigene Produkte aus der gesamten Ernte herstellen – derzeit entwickeln wir zum Beispiel Suppen mit einem Anteil des sonst überschüssigen Gemüses. Unsere eigenen Produkte sollen langfristig die finanzielle Grundlage schaffen, damit wir weiter die Kindergärten beliefern und dort pädagogische Arbeit leisten können.

Im Dezember 2015 endete Euer Stipendium. Was hat Euch rückblickend auf dem Gründungsweg vorangebracht?
Der Arbeitsplatz ist als Basis erst einmal sehr wichtig. Ganz besonders wird er aber durch die anderen Teams, die neben uns tolle Dinge auf die Beine stellen. Die Atmosphäre ist großartig: Zum einen haben wir gesehen, wie andere Teams vorankommen und dadurch selbst einen Motivationsschub bekommen. Zum anderen geben sich hier alle gegenseitig Ratschläge und teilen wertvolle Kontakte. Das ist für viele Projekte im sozialen Bereich essentiell. Letztlich haben wir gelernt: Hinfallen, Aufstehen, Neues probieren: Das gehört nicht nur bei Querfeld, sondern bei vielen Gründungen zur Erfolgsformel.

Unternehmen mit Social Impact

Ugly fruits / Querfeld UG
www.uglyfruits.eu

Kiron (Universtität für Flüchtlinge)
kiron.ngo

Youvo (Engagagement-Plattform für junge Kreative)
www.youvo.org

Arya (App gegen Depressionen)
www.aryaapp.co

Original Unverpackt (verpackungsfreier Supermarkt)
original-unverpackt.de

Eine Übersicht aller im Social Impact Lab Berlin geförderten Projekte finden Sie unter
berlin.socialimpactlab.eu

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