Smalltalk_shutterstock
Bild: shutterstock
Smalltalk

Und Sie so?

Keine Angst vor Banalitäten: Smalltalk ist ein Eisbrecher für jedes Gespräch – und Beziehungsaufbau. Ob am Montagmorgen im Büro, in der Kantine mit Kollegen oder im Fahrstuhl mit dem Chef: So geht’s auch mit der Karriere aufwärts.

D

ie meisten haben Angst davor. Sie könnten ja auf Ablehnung stoßen. Und überhaupt: Was sagt man denn so? Ist die Wetterfloskel nicht viel zu banal? Dies schon mal vorweg: Ist sie nicht, wenn einem nichts Besseres einfällt.

Außerdem kann man vom schönen Wetter zu vielen anderen Themen überleiten, etwa der Urlaubsplanung oder dem neuen Biergarten in der Stadt. „Smalltalk ist der Einstieg für ein Verhandlungs- oder Fachgespräch oder um Kontakte zu knüpfen“, sagen Ilona Quick und Renate Birkenstock, die als Smalltalk-Coaches für Firmen in Berlin arbeiten. Ihr Motto: „No big talk without small talk“.

Und es gibt genügend Situationen, auf die sich jeder gut vorbereiten kann:

Die Fahrstuhlfahrt mit dem Chef

Im Fahrstuhl2
Keine Angst vor der Fahrstuhl-Fahrt mit dem Chef: Sie kann eine Chance sein, sich ins rechte Licht zu rücken. Bild: shutterstock

Überstunden, als Letzte aus der Abteilung verlassen Sie müde das Büro, trotten zum Fahrstuhl und dann taucht auch noch er auf und stellt sich neben Sie: der Chef. Sieben Stockwerke gemeinsam auf engstem Raum – unangenehm. „Die meisten wollen einfach nur wieder raus“, sagt Caroline Krüll, Karrierecoach aus Berlin. Eine gemeinsame Fahrstuhlfahrt empfinden viele als Pech: „Die Zeit ist knapp, der Raum beengt, aber man sollte die Gelegenheit nutzen“, sagt sie. Als Chance, sich positiv ins Gedächtnis des Vorgesetzten zu verankern.

Ist der Chef etwa mit dem Fahrrad ins Büro gekommen, anstatt wie sonst mit dem Auto, können Sie ihn auf die begonnene Fahrradsaison ansprechen, rät der Berliner Kommunikationstrainer Karsten Noack. Und schon entsteht ein unverfängliches Gespräch, das in optimaler Weise für beide angenehm ist.

Ist das geschafft, sollten Sie sich mit Namen und Funktion vorstellen, raten die Trainerinnen Quick und Birkenstock – falls das Gegenüber einen noch nicht kennt. Und zwar so: „Ich bin übrigens Frau Lange aus der Rechnungsabteilung, schön, dass ich die Gelegenheit habe, mich mal persönlich vorzustellen. Ich arbeite gerade an einem Konzept, um die Kosten meiner Abteilung um 20 Prozent zu senken – und ich bin auf einem guten Weg“.

So hat man auch etwas Interessantes über sich erzählt und hoffentlich Appetit auf mehr gemacht. Um das zu erreichen, eignet sich der sogenannte Elevator-Pitch. In 30 Sekunden sollte man „Ich bin, ich biete, ich suche“ auf den Punkt bringen können. Als Vorbereitung dienen folgende Fragen: Was möchte ich in einer solchen Situation sagen? Welches Ziel habe ich?

Gekonnt smalltalken

So entfaltet das kleine Gespräch große Wirkung :
Dos:

• Gemeinsamkeiten finden
• Sich aus der Situation bedienen
• Positiv bleiben
Wichtig ist, entspannt zu bleiben und sich nicht zu verstellen. Also das ganze nicht zu ernst nehmen.

Don’ts:

• Politische und religiöse Themen
• Krankheiten
• Klatsch über Dritte oder Unternehmen
• Lästern über Anwesende oder abfällige Bemerkungen zum Buffet
Es bringt übrigens auch nichts, Sätze aus einem Ratgeberbuch auswendig zu lernen. Im schlimmsten Fall hat das Gegenüber die schon mal gehört.

Mehr

Zufälliges Treffen in der Teeküche oder Kantine

Small Talk Am Arbeitsplatz
Ob mit Kollegen oder Vorgesetzten: Smalltalk festigt Beziehungen. Bild: shutterstock

„Und, auch Kaffeepause?“ Klar sei das banal, aber man habe einen Einstieg für ein Gespräch, sagt Caroline Krüll. Es gehe schließlich erstmal nur darum, etwas anzubieten, eine unverbindliche Plauderei. Smalltalk ist Beziehungsaufbau.

„Viele verkrampfen, weil sie denken, jetzt unbedingt etwas erreichen zu müssen“, sagt Karsten Noack. Und sind dann gar nicht offen für die Belange des anderen – Zeitdruck, Mittagstief, schlecht gelaunt? Dabei reicht die Zeit meist ohnehin nicht, um hier neue Ideen vorzustellen.

Kennen Sie den Menschen in der Teeküche oder Essenschlange noch nicht, können Sie ohne Umschweife nachfragen und sich auch vorstellen. Ist es ein Vorgesetzter und dann noch einer, den man nicht oft erwischt, rät Caroline Krüll: „Machen, tun, ran!“ Zu oft höre sie von Kunden, dass sie sich nicht trauen, etwas zu sagen und die Chance verschenken. Dabei reiche schon der Satz: „Schön, dass ich Sie hier treffe, ich habe eine Idee, wie wir den Kunden X gewinnen können – darf ich mit Ihrer Sekretärin einen Termin vereinbaren?“ Oder man sagt, man würde gern mal gemeinsam essen gehen, um mehr über die Arbeit des anderen zu erfahren.

Beim Reinkommen ins Büro

Small Talk Im Meeting
No big talk without small talk: Auch im Meeting kann nettes Geplauder karrierefördernd sein. Bild: shutterstock

Es ist acht Uhr morgens, Kollege Müller kommt ins Büro und murmelt ein „Guten Morgen“ in die Runde. Ob jemand aufschaut, weiß er nicht – er stellt selbst keinen Blickkontakt her. So etwas bringt Karsten Noack zur Verzweiflung.

„Der Schlüssel für gelungenen Smalltalk und für eine Karriere ist Präsenz“, sagt er. Viele seien zu sehr bei sich. Aber wer etwas erreichen will, sollte seinen Mitmenschen in die Augen schauen und ihnen bei der Begrüßung schon das Gefühl vermitteln, ganz bei ihnen zu sein. Mit einer positiven Grundstimmung.

Auf dem Kongress

Ein Kongress ist eine gute Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und Fachgespräche zu führen. Aber wie? Gut ist, sich dort zu positionieren, wo im Laufe der Veranstaltung fast jeder vorbeikommt – meist sogar allein: nah am Eingang, am Büffet oder vor der Toilette. Bei Letzterem aber erst hinterher ansprechen!

Befindet man sich in der Mittagspause und alle verteilen sich an Stehtischen, empfehlen Quick und Birkenstock, eine Gruppe mit einer ungeraden Zahl anzusteuern. So steht niemand ohne Gesprächspartner rum, wenn man sich einklinkt.

Nun gilt es, zuzuhören, Blickkontakt herzustellen und sich ansprechen zu lassen. Oder eine Gesprächspause abzuwarten. Ein guter Smalltalk ist laut Karsten Noack, wenn der andere mehr redet als man selbst, weil er sich wohl fühlt. Also Fragen stellen und ehrliches Interesse vermitteln. Im optimalen Fall spielt der andere den Ball zurück: „Nun haben wir so viel über mich geredet, erzählen Sie doch mal etwas über sich“.

Und wie lässt sich eine Konversation auf einfache Weise wieder beenden? Experten raten, nicht die ganze Zeit an einem Menschen oder einer Gruppe kleben zu bleiben. Eine gute Verabschiedung kann zum Beispiel sein: „Vielen Dank, hoffentlich begegnen wir uns noch mal später auf der Veranstaltung“. Man könne auch sagen, dass man einen Bekannten gesehen habe und mit dem auch noch gerne plaudern würde, sagt Renate Birkenstock. Oder dass Sie noch zirkulieren wollen, um weitere Teilnehmer kennen zu lernen. Am Ende ist die Wahrheit doch meistens besser als irgendeine Ausrede zu erfinden.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren