Titel Doppelgaenger
Große Stimmen leben weiter: Im Neuköllner Estrel Festival Center verwandelt sich Grahame Patrick in Elvis. Bild: Daniel Devecioglu
Skurrile Berufe

Promi-Doppelgänger: Ich bin ein Anderer

Elvis Presley, Angela Merkel oder Helene Fischer: Es wäre doch schade, wenn es manche Prominente nur einmal gäbe. So gibt es für Doppelgänger von berühmten Persönlichkeiten viele Einsatzmöglichkeiten.

G

rahame Patrick wirft einen kritischen Blick in den Spiegel seiner Garderobe. Der weiße, mit Pailletten bestickte Anzug sitzt perfekt. Er probiert noch einmal dieses leicht schiefe Lächeln. „Okay, das ist Elvis.”

Als Elvis Presley im Estrel auf der Bühne

Patrick ist einer der Künstler, die bei „Stars in Concert” auf der Bühne des Estrel Festival Centers stehen. Für Presley habe er bereits als Junge geschwärmt, erzählt der gebürtige Ire. Als seine Familie 1988 nach Kanada emigrierte, tingelte er mit irischer Folkmusic durch Clubs. Er trug die Haare wie Elvis, kaufte sich irgendwann „so einen goldenen Anzug”.

Graham Patrick Als Elvis
Graham Patrick als Elvis Presley. Bild: Andreas Friese

Längst hatte er da festgestellt, dass nicht nur seine Stimme dem großen Vorbild ähnelte. Das fand auch der Produzent, der ihn entdeckte. Es folgten Jahre als Elvis-Double in Las Vegas, von wo ihn „Stars in Concert”-Erfinder Bernhard Kurz 2003 nach Berlin holte. „Du kannst so eine Show nur singen und spielen, wenn du Elvis fühlst”, sagt der 46-Jährige. „Du musst echt sein, authentisch.”

Das Publikum berühren, das ist sein Anspruch. „Da sitzt vielleicht jemand, der Liebeskummer hat – und der in diesem Moment Elvis braucht.” Er sei zwar jetzt schon älter als Elvis, als er starb. „Aber ich denke, ich werde das noch ein paar Jährchen machen können”, sagt Patrick und setzt wieder dieses schiefe Lächeln auf.

Du kannst so eine Show nur singen und spielen, wenn du Elvis fühlst. Du musst echt sein, authentisch. Grahame Patrick, Elvis-Double

„Das ist natürlich die Gefahr, irgendwann älter auszusehen als der Star, den du spielst”, weiß auch Rachel Hiew. Die gebürtige Londonerin gibt bei „Stars in Concert” seit 2012 die Amy Winehouse. „Da war Amy ein Jahr tot, gestorben mit 27”, sagt Hiew, 44. „Amy hatte ja auch Phasen, in denen sie alt aussah. Das gibt mir noch etwas mehr Zeit”, sagt die quirlige Frau mit einem Lachen. Früher ging sie als Sängerin mit eigenen Shows auf Tournee. „Doch irgendwann war ich es leid, aus dem Koffer zu leben.” Das war, als Cher ihr Comeback feierte.

Rachel Hiew
Aus Rachel Hiew wird allabendlich Amy Winehouse. Bild: links: Andreas Friese, rechts: Daniel Devecioglu

Von der Abba-Agnetha bis zu Jennifer Lopez

Rachel besann sich auf ihre tiefe Stimme, fragte beim Produzenten Kurz an. Kurz verpflichtete sie für drei Wochen zur Probe. „Das ist jetzt 20 Jahre her.” Bei den „Stars in Concert” doubelt Rachel auch Jennifer Lopez, singt in der Abba-Show als Agnetha – „die passt von der Gesichtsform besser als Frieda”. Und dann kam Amy dazu.

„Natürlich kannst du nicht 1:1 kopieren, das wäre platt. Aber diesen tief emotionalen Gesang von Amy, den musst du rüberbringen.” Auch den Habitus, „wie Amy an ihrem Rock gezuppelt und das Bein ausgestellt hat.” Natürlich sei sie nicht 24 Stunden am Tag Amy – obwohl Leute sie schon angesprochen haben, wenn sie die Winehouse-Tattoos trägt. „Als Klebebilder, die halten zwei Wochen.”

Helene Fischer als zweite Haut

Da hat es Ricarda Ulm leichter, aus ihrer zweiten Haut zu schlüpfen. Wenn die Jazzsängerin aus Adlershof den roten Anzug gegen Jeans und Sneakers getauscht hat, wird aus Helene Fischer wieder Ricarda. Gern posiert sie mit auf Erinnerungsfotos, „keine Ahnung, ob Helene das auch so machen würde”. Die echte Helene hat Ricarda Ulm noch nie live gesehen. „Aber als Stimmcoach von Yvonne Catterfeld kenne ich das Showbusiness gut.” Außerdem sei ihr zugutegekommen, dass sie im Friedrichstadt-Palast als Tänzerin engagiert war, „denn Helene tanzt sehr gut”.

Ricarda Ulm
Jazzsängerin Ricarda Ulm doubelt Deutschlands derzeit erfolgreichste Sängerin. Bild: Promo

Wie es zur Double-Rolle kam? „Ich habe in einer Tanzband gesungen, da gehörte ‘Atemlos’ zum Repertoire.” Als ihr dann Leute sagten, sie sähe wie Helene Fischer aus, ließ sich Ricarda den roten Anzug schneidern, legte los. Nebenbei doubelt sie Marilyn Monroe. „Da werde ich eher als Hingucker gebucht, als Blondine.” Mit „Atemlos” sei das anders. „Selbst wenn Helene mal nicht mehr hip sein sollte, der Song wird es bleiben”, ist die 45-Jährige überzeugt.

Obama und Trump in einem Bett

Häufig sind es Firmenfeiern oder Geburtstage, bei denen Doubles gefragt sind, sagt Jochen Florstedt, Chef der Künstler- und Doppelgänger-Agentur www.doubles.de. Wobei er unterscheidet zwischen Imitatoren, bei denen es auf die Show ankomme, und Doppelgängern, die eine biometrische Ähnlichkeit mit dem Original haben müssten. „Nase, Mund, Gesichtsform. Da muss es nach spätestens drei Sekunden klingeln.”

Solche „biometrischen Doubles” seien auch in der Hauptstadt gefragt. „Am beliebtesten ist die Merkel.” Die komme aus dem Sauerland und sei im wahren Leben Steuerberaterin. Erst kürzlich hätten Studenten der Filmhochschule Babelsberg „die Ursula” für einen Dreh haben wollen. Letztens sei er mit „Bruce Willis” in einer Kneipe gewesen. „Da kam der Wirt auf ihn zu und sagte: Kommen Sie jeden Tag zu mir. Sie kriegen alles umsonst.”

Willis sei werbemäßig halt ein echtes Zugpferd. Ebenso wie die Obama- und Trump-Doubles, die bei Florstedt gelis­tet sind. Ein Umzugsportal habe die beiden für einen Werbespot gebucht. „Das Ding ist der Brüller”, sagt Florstedt und muss noch immer lachen über die beiden in einem Bett liegenden „Präsidenten”.

Stars in Concert: 5x2 Karten gewinnen

Wir verlosen 5 × 2 Showgutscheine für eine Vorstellung im Estrel Festival Center, einlösbar bis Ende 2018. E-Mail mit Kennwort „Show” bis 31.12.2017 an: berliner.akzente@berliner-sparkasse.de

Weitere Infos:
www.stars-in-concert.de

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