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Gesundheitsbranche

Dringend gesucht: Pflege-Fachkräfte

Schon jetzt mangelt es an Pflegefachkräften in Berlin. Zukünftig gibt es deshalb eine einheitliche Grundausbildung für Pflegekräfte. Wie diese aussieht, und wie sich die Berufe Kranken-, Kinderkranken- und Altenpfleger unterscheiden.

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m Wahlkampf war sie Dauerthema, das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ widmete ihr vor kurzem seine Titelstory und auch in den Sondierungsgesprächen spielt sie eine relevante Rolle: die Pflege. Kein Wunder schließlich ist im Laufe seines Lebens fast jeder Mensch auf einen Kranken- oder Altenpfleger angewiesen. Jetzt haben SPD und CDU/CSU sich auf eine bessere Personalausstattung und Bezahlung in der Alten- und Krankenpflege geeinigt.

Sofortprogramm für zusätzliche Stellen

Ein Sofortprogramm soll bundesweit 8.000 zusätzliche Stellen in der Pflege schaffen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man berücksichtigt, dass laut der Gewerkschaft ver.di alleine in Berlin 3.000 Pflegekräfte an den Krankenhäusern fehlen.

Darüber hinaus kommen mit dem in der letzten Legislaturperiode beschlossenen vielfach kritisierten Pflegeberufsgesetz neue Herausforderungen auf die zukünftigen Pflegerinnen und Pfleger zu – denn ihr beruflicher Werdegang ändert sich maßgeblich.

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Ab 2020 werden die bisherigen Ausbildungen in der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zu einem einheitlichen Berufsbild, dem Pflegefachmann und der Pflegefachfrau, zusammengefasst. Diese absolvieren eine mindestens zweijährige generalistische Ausbildung. Im dritten und letzten Jahr können sie wählen, ob sie einen generalistischen Abschluss anstreben oder sich auf Alten- beziehungsweise Kinderkrankenpflege spezialisieren wollen.

Hinzu kommt eine Pflegeausbildung an Hochschulen, in der es um die Grundlagen der Pflegewissenschaft geht. Bis es soweit ist, bleiben die drei bisherigen Berufe bestehen – wir stellen sie vor.

Gesundheits- und Krankenpfleger/in

Was sind die Aufgaben?
Gesundheits- und Krankenpfleger arbeiten sowohl in stationären Einrichtungen wie Krankenhäusern, Hospizen, Wohnheimen oder Gesundheitszentren als auch ambulant in der Tagespflege, in Beratungsstellen oder Gesundheitsämtern.

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Sie sind beispielsweise für Verbandswechsel, Infusionen oder die Medikamentengabe zuständig. Gleichzeitig kümmern sie sich darum, dass Patienten essen, unterstützen sie bei der Körperpflege oder beraten Pflegebedürftige und deren Angehörige.

Bei Interesse können Gesundheits- und Krankenpfleger sich weiterbilden, unter anderem zum OP-Pfleger, zum Fachkrankenpfleger in der Onkologie oder zum Qualitätsmanager im Gesundheitswesen.

Was beinhaltet die Ausbildung?
Während des theoretischen Unterrichts lernen Azubis Pflegetechniken, unterschiedliche Krankheitsbilder und rechtliche Grundlagen sowie den Aufbau und die Funktionen des menschlichen Körpers kennen. Ihre praktischen Stunden absolvieren sie in verschiedenen Fachbereichen wie etwa der Unfallchirurgie, der Gynäkologie oder in der Psychiatrie.

Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in

Was sind die Aufgaben?
Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger haben ähnliche Aufgaben wie Gesundheits- und Krankenpfleger – allerdings kümmern sie sich um jüngere Patienten, vom Säugling bis zum Jugendlichen. Oft gehört auch die Kommunikation mit den Eltern dazu, die informiert und beruhigt werden müssen, egal, ob auf der Frühchenstation oder in der Unfallklinik.

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Was beinhaltet die Ausbildung?
Die Ausbildung ist inhaltlich mit der des Gesundheits- und Krankenpflegers zu vergleichen, ist jedoch spezifischer auf die Bedürfnisse von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen ausgerichtet. Entsprechend sind auch die Praxisbereiche anders gewichtet. So können Azubis etwa Erfahrungen in der Neonatologie, Kinderchirurgie, Neuropädiatrie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie sammeln.

Altenpfleger/in

Was sind die Aufgaben?
Altenpfleger helfen pflegebedürftigen Senioren dabei, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie betreuen, beraten und unterstützen ältere Menschen, indem sie ihnen etwa beim Anziehen, Essen oder Waschen helfen, sie bei alltäglichen Dingen wie Einkauf oder Arztbesuch begleiten und die korrekte Medikamenteneinnahme kontrollieren. Oft beraten sie die Angehörigen und kümmern sich um organisatorische Tätigkeiten wie etwa Pflegeberichte zu erstellen.

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Sie arbeiten unter anderem in Alten- und Pflegeeinrichtungen, Hospizen oder Krankenhäusern mit geriatrischen und gerontopsychiatrischen Abteilungen. Auch die ambulante Betreuung ist möglich, etwa im Rahmen der häuslichen Pflege oder Tagespflege sowie in Beratungseinrichtungen.

Was beinhaltet die Ausbildung?
Es geht darum, alte Menschen nach ihren individuellen Bedürfnissen zu pflegen und zu unterstützen. Hierfür lernen sie, wie sie ihre Klienten am besten im Alltag begleiten. Um mit den unterschiedlichen Gebrechen und ärztlichen Diagnosen umgehen zu können, erfassen sie Krankheitsbilder und üben den richtigen Umgang damit. Gleichzeitig können Altenpfleger verständnisvoll auf die individuellen Biographien alter Menschen eingehen – denn Zuhören will gelernt sein.

Alle Ausbildungen dauern drei Jahre

Sowohl für Gesundheits- und Krankenpfleger als auch für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie Altenpfleger dauert die Ausbildung in Vollzeit jeweils drei, in Teilzeit höchstens fünf Jahre. Sie besteht aus insgesamt 2.100 Stunden theoretischen Unterrichts in der Kranken- bzw. Altenpflegeschule sowie aus 2.500 Stunden Praxis – etwa in einem Krankenhaus oder einer Betreuungseinrichtung. Mit einem Realschulabschluss können Interessierte direkt eine Ausbildung beginnen. Hauptschüler benötigen eine andere zweijährige Ausbildung oder eine einjährige Ausbildung in der Kranken- oder Altenpflegehilfe.

Wer sich für einen Pflegeberuf entscheidet, sollte gesundheitlich fit sein. Menschen mit ansteckenden Krankheiten, einer Immunschwäche oder auch chronischen Rückenschmerzen eignen sich nicht für die oftmals körperlich anstrengende Arbeit.

Verdienstmöglichkeiten:

Kranken- oder Altenpflege, Klinik oder Pflegeheim, Fachkraft oder Helfer, Ost oder West – all das hat Einfluss auf das Gehalt in dieser Branche. Bei allen drei Pflegeberufen staffelt sich die Vergütung nach dem Ausbildungsjahr. Ist der Ausbildungsträger an einen Tarifvertrag gebunden, sieht das folgendermaßen aus:

im 1. Ausbildungsjahr 1.040 Euro
im 2. Ausbildungsjahr 1.102 Euro,
im 3. Ausbildungsjahr 1.203 Euro.
Hinzu kommen Schichtzulagen sowie eventuell Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Berufseinsteiger verdienen laut dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe je nach Arbeitsbereich und Region etwa 1.850 bis 2.300 Euro brutto.

Formate: video/youtube

Ein älteres Video vom Berliner Senat als Werbung für den Pflegeberuf in Berlin. Hier schlüpft Ex-Handball-Star Stefan Kretzschmar in die Rolle des treffsicheren Seniorenheim-Bewohners.

Weitere Informationen gibt es unter anderem unter www.dbfk.de oder www.zukunftsberuf-pfleger.de.

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