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Titel Fuehrungskraft
Bild: Shutterstock
Work-Wissen

Die neue Führungskraft

Was zeichnet eine gute Führungskraft aus und vor allem – wie wird man ein guter Chef oder Chefin? Profis geben Tipps, worauf es dabei ankommt. So viel vorweg: es geht auch ohne Dominanz. Oft sogar besser.

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in Büro in Berlin-Mitte mit Blick auf die Spree: Hier trifft sich Saskia Weigand wochentags mit ihrem Team, um die Ziele für den Tag zu besprechen. Die 43-Jährige ist Leiterin der Personalabteilung einer Wirtschaftsauskunftei mit mehr als hundert Mitarbeitern.

Saskia Weigand
Für Führungskraft ist Selbstreflektion wichtig, sagt Saskia Weigand. Bild: Aurica Voss

Leger gekleidet in Jeans wirkt sie entspannt und blickt im Gespräch ihrem Gegenüber freundlich in die Augen. An diesem Samstagmorgen ist Saskia Weigand für ein Seminar zur Entwicklung des eigenen Führungspotenzials ins Büro gekommen. „Um die Rolle als Führungskraft gut auszufüllen, ist es wichtig, sich regelmäßig mit sich selbst zu beschäftigen und die eigenen Motive zu reflektieren.“ Aber was zeichnet eine gute Führungskraft aus und vor allem – wie wird man ein guter Chef oder Chefin? Personalprofis und Managementberater geben Tipps, worauf es dabei ankommt.

„Mitarbeiter für ihre Arbeit zu begeistern, gelingt nicht, indem man ihnen Anweisungen erteilt und sie kontrolliert.“ Rolf Arnold, Buchautor und Personalexperte

Vielmehr zeichne sich erfolgreiche Führung dadurch aus, „dass Führungskräfte in der Lage sind, etwas zu bewirken, was nur das Gegenüber hervorzubringen in der Lage ist – nämlich Vertrauen, Zutrauen und Kooperation“, so der Buchautor und Personalexperte Rolf Arnold. Keine Selbstverständlichkeit, wie eine Studie zeigt, in der nur jeder fünfte befragte Arbeitnehmer angab, von seinem Vorgesetzten gut geführt und motiviert zu werden.
Ein entscheidender Grund dafür war, dass sie die Möglichkeit hatten, das zu tun, was sie richtig gut können, und die Führungskraft ein Arbeitsklima schuf, in dem Vertrauen und ein kollegiales Miteinander die Basis der Zusammenarbeit bildete.

Die Stärken der Mitarbeiter erkennen

Bevor Saskia Weigand sich selbst zur Führungskraft entwickelte, absolvierte sie im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum bei ihrem jetzigen Arbeitgeber. Ihr damaliger Vorgesetzter erkannte ihr Organisationstalent und die Fähigkeit, andere dabei zu unterstützen, ihre Stärken in der täglichen Arbeit einzusetzen.

Alle In Einem Boot
Begleiterin, Ansprechpartnerin sein – all das gehört zu einer guten Führungskraft dazu. Bild: Shutterstock

In ihrer Führungsrolle versteht sich Saskia Weigand als Begleiterin und Ansprechpartnerin für ihre Mitarbeiter bei Fragen und Problemen. „Meine Aufgabe ist es, zu schauen, welcher Mitarbeiter was gut kann, wo seine idealen Arbeitsgebiete sind und dafür zu sorgen, dass wir trotzdem alle in die gleiche Richtung steuern.“ Dies sei immer eine Gratwanderung, eine Balance zu finden zwischen den Aufgaben, die Mitarbeiter gerne machen und denen, die nicht ihre Stärken sind. Aber im Arbeitsalltag müssten auch unbeliebte Tätigkeiten erledigt werden.

Meine Aufgabe ist es, zu schauen, welcher Mitarbeiter was gut kann, wo seine idealen Arbeitsgebiete sind und dafür zu sorgen, dass wir trotzdem alle in die gleiche Richtung steuern. Saskia Weigand

Doch wie reagiert man als Führungskraft auch in schwierigen Situationen oder bei Konflikten souverän? Buch-Autor Rolf Arnold empfiehlt, in solchen Fällen die Außenperspektive einzunehmen und die eigene Position und die Motive einmal selbstkritisch zu hinterfragen: „Wie werde ich von meinen Mitarbeitern wahrgenommen?“ oder „Was treibt mich an, Chef sein zu wollen?“ Das helfe, zu vermeiden, aus dem Bauch heraus zu urteilen, zu handeln und zu entscheiden – und Dinge zu sagen oder zu tun, die einem hinterher leid tun.

Saskia Weigand weiß aus eigener Erfahrung, dass dies nicht immer gelingt, „da jeder seine Triggerpunkte hat und es nicht immer leicht ist, zwischen allen Anforderungen seine Integrität zu wahren.“ Um Konflikte und schlechte Stimmung konstruktiv anzugehen, helfe „viel und offen miteinander zu sprechen.“ Sich zu vertrauen und Authentizität seien wichtig für eine gute Zusammenarbeit, sagt die Personalchefin, die ihre berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zur Hebamme begann. Wenn das Verhältnis stimme, könnten so auch unliebsame Aufgaben integriert und Probleme besser gelöst werden.

Glück und Erfolg hängen zusammen

Neben wertschätzender Kommunikation ist für Zufriedenheit im Job wichtig, dass die eigene Arbeit als sinnstiftend und im Einklang mit den persönlichen Interessen wahrgenommen wird. Wer sich am Arbeitsplatz wohl und anerkannt fühlt, ist eher bereit, Verantwortung zu übernehmen und kann andere Menschen besser motivieren. Unsere Lebenseinstellung scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen.

Eine große wissenschaftliche Studie amerikanischer Forscher kam zu dem Ergebnis, dass Menschen mit vermehrt positiven Gefühlen ihre Umwelt auch positiver wahrnehmen und eher die Möglichkeiten als die Schwierigkeiten sehen. Die Folge: Wer glücklich durchs Leben geht, schneidet besser in der Schule, Ausbildung und im Job ab. Aber wie geht das, unserem Glück auf die Sprünge zu helfen und damit unser Potenzial zu entfalten?

Antworten darauf liefert die frühere McKinsey-Beraterin und Trainerin Dr. Kerstin Humberg in ihren Führungsseminaren und Workshops zur Positiven Psychologie. Dabei erfahren die Teilnehmer, wie Glück und Erfolg aus Sicht der Glücksforschung zusammenhängen. In praktischen Übungen setzen sie sich mit den eigenen Charakterstärken, Werten und Zielen auseinander. „Führung beginnt in der Regel mit Selbstführung“, erklärt Kerstin Humberg. Dabei sei eine wichtige Erkenntnis, dass uns Glück nicht einfach so passiert, sondern auch das Ergebnis unseres persönlichen Einsatzes ist.

Literatur-Tipp:

Rolf Arnold
Wie man führt, ohne zu dominieren. 29 Regeln für ein kluges Leadership (147 Seiten)
Piper (2015)
18 Euro

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