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Erfolgreich kontakten

Der NetworKING

Einer der erfolgreichsten Networker Berlins ist Alexander Wolf. Er hat die Kampagne „Like Berlin“ vorangetrieben und ist in der Stadt bestens vernetzt. Wir haben mit ihm über erfolgreiches Netzwerken, Energie-Vampire und Networking als Lebenseinstellung gesprochen.

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in Interview über richtiges Netzwerken – und dann das: Alexander Wolf hat seine Visitenkarten vergessen. Macht nix. Der 46-jährige Wahlberliner lächelt drüber hinweg. 2008 wäre ihm das nicht passiert, als er für das Botschaftsnetzwerk Berlin verantwortlich war. Heute sitzt der gebürtige Bayer im Rollkragenpullover und Jeans im neu eröffneten Café des Bikini-Hauses am Breitscheidplatz und zeigt, dass er trotzdem ganz Kommunikationsprofi ist.

Gibt sein erfolgreiches Wissen rund ums Networking weiter: Alexander Wolf. Bild: Anja Karrasch

Mit ruhiger Stimme, festem Blickkontakt und angenehm offener Art spricht er mit uns über erfolgreiches Netzwerken. Der Blick fällt ab und zu durch die hohen Fenster auf das Affengehege des Zoos. Schon nach wenigen Minuten wird klar: der Mensch ist Alexander Wolf wichtiger als die Visitenkarte. Spontan gibt Alexander Wolf eine Kostprobe in Sachen Networking; er fragt beim Kellner nach, wer der Chef sei, da er Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Café habe.

Vom „Visitenkarten-Massaker“ hat sich Alexander Wolf längst verabschiedet. So bezeichnet er das amerikanisch-britische Networking, das darin bestehe in möglichst kurzer Zeit, möglichst viele Kärtchen einzuheimsen. „Man unterhält sich wirklich über nichts, was auf die Dauer Folter für Hirn und Herz ist.“ Also begann er nach Alternativen zu suchen – und fand für sich den „mitteleuropäischen Weg“, der auf klassischen Werten wie Vertrauen, Offenheit und Toleranz fußt.

Herr Wolf, inwiefern haben wir ein falsches Verständnis vom Begriff „Networking“?
Viel zu oft gilt Quantität vor Qualität. Networking bedeutet Beziehungen aufzubauen, in denen Menschen einander vertrauen. Und nicht, bloß Visitenkarten zu sammeln.

Welche Networking-Tipps können Sie auf Basis Ihrer Erfahrung geben?
1. Denken Sie wie ein Kind. Freuen Sie sich über jede neue Info, über jede neue Erfahrung, über jeden neuen Menschen, den Sie treffen.
2. Gewöhnen Sie sich die Frage an: „Wie kann ich Ihnen helfen“?
3. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen jemand etwas wegnimmt.
4. Fragen Sie sich ab und zu: Was habe ich eigentlich davon?
5. Überprüfen Sie, ob Ihnen die Leute in Ihrem Umfeld etwas zurückgeben. Erkennen Sie Energievampire! Und haben Sie den Mut, sich von ihnen zu trennen und sich mit Menschen zu umgeben, die so denken wie Sie.

Networking geht über Smalltalk hinaus. Also: lieber nachhaltige Beziehungen aufbauen als nur übers Wetter plaudern. Bild: Shutterstock

Welche Ratschläge haben Sie von anderen erfahrenen Networkern mitgenommen?
Vom ehemaligen Schweizer Botschafter, Thomas Bohrer Fielding, habe ich gelernt, dass Networking ohne Smalltalk besser funktioniert. Es geht darum, echte Beziehungen aufzubauen und Gespräche zu führen, die sich nicht nur ums Wetter oder das Essen drehen. Sein Rat: Auf keinen Fall Kontakte nur mit dem Ziel herstellen, dass man daraus etwas erreichen möchte. Das ist ein ganz falscher Ansatz. Man muss Menschen mögen und gerne mit ihnen kommunizieren. So wird sich dann auch ganz automatisch etwas ergeben.

Dauerhafte und belastbare Beziehungen aufbauen

Alexander Wolf gibt mittlerweile Seminare, wie so ein wertebasiertes Networking funktioniert. In Workshops lernen Teilnehmer ganz konkret, wie sie belastbare Beziehungen aufbauen können. Das Bedürfnis wächst, sich beim Knüpfen beruflicher Kontakte nicht verstellen zu müssen. Auch sein Business-Netzwerk „Außergewöhnlich Berlin“, das er 2009 gegründet hat, funktioniert so. Networking, wie Alexander Wolf es betreibt, ist eine Lebenseinstellung. „Die Trennung zwischen Beruf und Privatleben gibt es bei mir quasi nicht“, sagt er und auf die Frage, wem er am meisten vertraut, antwortet er prompt: „Meiner Frau, die mein bester Freund, mein Geschäftspartner und der wichtigste Mensch in meinem Leben ist.“

Die neue Kunst des Networking

Formate: video/youtube

Je besser du vernetzt bist, desto leichter erreichst du alle deine Ziele. Doch wie vernetzt du dich richtig? Welche Fehler solltest du vermeiden? Lerne von der Networking-Koryphäe Alexander Wolf nachhaltige Beziehungsstrategien.

Zurück ins Café; wir wollen wissen, was er denn vom Internet als Schauplatz fürs Networking hält.
Wir sind nicht dafür konfiguriert, Menschen zu vertrauen, von denen wir noch nicht einmal wissen, ob sie existieren. Deshalb bauen Sie Vertrauen am besten über persönliche Kontakte auf, indem Sie sich öffnen und zeigen, wer Sie sind. Die Online-Plattformen sind gut geeignet, um bestehende Kontakte zu pflegen und andere miteinander zu vernetzen. Mein Tipp: Wundernova.com ist eine neue Plattform, auf der Gründer sich mit anderen Gründern, Experten und Investoren austauschen können. Anders als Xing oder Linkedin basiert deren Modell auf dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe.

Welche Fehler sollte man vermeiden?
Vermeiden Sie, zu sehr zu genießen, wenn Ihnen jemand schmeichelt. Und zu sehr zerstört zu sein, wenn Sie jemand kritisiert. Sonst geraten Sie an Leute, die versuchen, Sie zu manipulieren. Sie sollten der Stratege sein, der sein Netzwerk baut. Deshalb sollten Sie so objektiv wie möglich sich selbst und den anderen gegenüber bleiben.

Berlin als permanenter Widerspruch

Jetzt muss er los; Alexander Wolf hat noch einen Termin im Wintergarten, um über die Show „Like Berlin“ zu sprechen, die am 24. Februar Premiere hat. Fast ein Jahr lang hat er mit seinem Team während der gleichnamigen Stadtmarketing-Kampagne Tausende Berliner gefragt, was für sie die Seele Berlins ist. „Aus den Antworten haben wir das Buch „Der Berlin-Code“ gemacht, wovon der Wintergarten so begeistert war, dass sie daraus eine Show entwickelt haben“, was ihn offensichtlich freut.

Alexander Wolf kam 1992 aus der bayerischen Provinz in die Stadt. Heute ist die Hauptstadt für ihn ein permanenter Widerspruch: einerseits wild und aufregend – andererseits anstrengend und nervig. Aber stets so inspirierend, offen und tolerant, dass er nicht mehr weg will. „Das macht Berlin aus. Deshalb müssen wir aufpassen, dass Berlin nicht einschläft und in Mittelmäßigkeit versackt.“ Dazu könne jeder einzelne seinen Beitrag leisten. Wie das geht, lebt der leidenschaftliche Berlin-Netzwerker vor.

Die Show „Like Berlin“ ab 24. Februar 2017
im Wintergarten
Potsdamer Straße 96
10785 Berlin

Tickets
www.wintergarten-berlin
oder
Karten-Telefon: 58 84 33

Netzwerken lernen mit Alexander Wolf www.dictyonomie.de

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