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Titel Zapplephillipp
Bild: Shutterstock
Nervige Bürokollegen

Nervige Bürokollegen: Der Zappelphilipp

Manche Büro-Kollegen machen uns den Arbeitstag richtig schwer. Wie Sie diese in ihre Schranken weisen erfahren Sie in unserer Serie. Nach dem Wendehals und der besten Freundin stiehlt er heute allen die Show: der Zappelphilipp.

E

r steht ständig unter Strom, redet wie ein Wasserfall und ist selten bei der Sache: Der Zappelphilipp hat Energie für eine ganze Fußballmannschaft, kann sie jedoch kaum in konstruktive Bahnen lenken, weil seine Begeisterung schnell abflaut. Entsprechend unzuverlässig nehmen ihn seine Kollegen wahr, die am Ende seine Ungenauigkeiten oder vergessenen Aufgaben ausbügeln müssen.

Schnell gelangweilt – schnell nervig

Kritik nimmt der Zappelphilipp zwar nicht allzu persönlich, sein Verhalten ändert er aber selbst nach freundlichen Hinweisen nicht. Vielleicht hat er wieder einmal nicht zugehört?

Wenn ihm etwas zu lange dauert oder Langeweile droht, kann der Zappelphilipp zudem sehr ungeduldig und impulsiv reagieren.

„Die aufbrausende Art des Zappelphilipps kann im Büro durchaus zu Konflikten führen – selbst, wenn der nervöse Kollege das gar nicht beabsichtigt hat.“ Christoph Uhl, systemischer Coach und Managementberater

Das Positive am Zappelphilipp

„Grundsätzlich ist der Zappelphilipp nämlich ein freundlicher Mensch, der seinen Kollegen nicht schaden möchte“, erklärt Uhl. Das gelte selbst dann, wenn er etwa plumpe Streiche spielt. „Das ist eher eine versuchte Annährung oder Kontaktaufnahme.“

Zweitens: Grundsätzlich ist es Aufgabe des Chefs, ein Team optimal zusammenzustellen. So findet auch der Zappelphilipp seinen Platz und bereichert das Unternehmen. Laut Christoph Uhl weist dieser Mitarbeiter-Typus meist sogar einen überdurchschnittlichen IQ auf: „Viele von ihnen sind geniale Querdenker mit einer enormen Energie und großer Leistungsbereitschaft. Sie verfügen über ein exzellentes Improvisationstalent und eine hohe Risikobereitschaft, die ihre mangelnde Strukturiertheit meist wettmachen.“

„Der Zappelphilipp hat auch sein Gutes: Er kennt kein Worst-Case-Szenario, sondern geht erst einmal davon aus, dass alles machbar ist.“ Maral Alamdari, Life- und Familiencoach

Gerade dieser offene Geist kann ein Team aus festgefahrenen Situationen herausbringen. Denn kreative Ansätze und scheinbar unmögliche Lösungen liegen dem Zappelphilipp. „Er kennt kein Worst-Case-Szenario, sondern geht erst einmal davon aus, dass alles machbar ist“, sagt Life- und Familiencoach Maral Alamdari. „Dieser Grundoptimismus kann durchaus ansteckend sein. Davon können sich viele andere Charaktere im Büroalltag eine ordentliche Scheibe abschneiden.“ Und wenn sich dann noch die albernen Streiche in Grenzen halten, lässt sich über die Marotten des Zappelphilipps oftmals milde hinwegsehen.

Doch was, wenn nicht? Wenn die ewigen Streiche doch irgendwann nerven?

Zapplephillipp
Der Zappelphilipp hat viel Energie, zieht sie aber auch bei seinen Kollegen ab, weil er mit seiner Art viel Aufmerksamkeit fordert. Bild: Shutterstock

Der richtige Umgang mit dem Zappelphilipp

„Der Zappelphilipp hat viel Energie, zieht sie aber auch bei seinen Kollegen ab, weil er mit seiner Art viel Aufmerksamkeit fordert“, sagt Maral Alamdari, Life- und Familiencoach. „Davor sollten Sie sich schützen, indem Sie klar machen, dass Sie Ihre Ruhe brauchen. Der Zappelphilipp kann mit ehrlicher Kommunikation umgehen. Wenn Sie also sagen: ‚Heute mag ich nicht quatschen und habe auch echt keinen Bock auf deine Blödeleien’, wird er das wahrscheinlich respektieren. Zarte Andeutungen dringen allerdings nicht zu ihm durch.“

Den Zappelphilipp unbemerkt steuern

In der Zusammenarbeit sei es zudem wichtig, den Zappelphilipp unbemerkt zu steuern. Kollegen sollten die Struktur im Hintergrund organisieren, um sich selbst und den unaufmerksamen Mitarbeiter zu entlasten und dafür zu sorgen, dass alles reibungslos funktioniert. „Geben Sie dem Zappelphilipp kurzweilige Aufgaben, die ihn begeistern. Dinge, für die man einen langen Atem braucht, beginnen, ihn zu langweilen – dort wird er möglicherweise schludrig“, rät Alamdari. „Tragen Sie ihm regelmäßige Termine in den Kalender ein, bei denen Sie gemeinsam den Status und die nächsten Schritte besprechen. Bloß nicht zu viel auf einmal, dafür fehlt Ihrem Gegenüber die notwendige Aufmerksamkeit.“

Ein Aspekt sei zudem besonders wichtig: Soweit möglich, sollten Mitarbeiter mit dem Zappelphilipp oder dem Chef darüber sprechen, ob eine tatsächliche Diagnose vorliegt. Also, handelt es sich wirklich nur um einen sehr energetischen, etwas sprunghaften Menschen oder wurde die Hyperaktivitätsstörung ADHS diagnostiziert. „Wenn ich weiß, dass es tatsächlich eine Verhaltensstörung gibt, die mein Gegenüber nicht oder nur bedingt steuern kann, bin ich in vielen Situationen sicherlich nachsichtiger“, sagt die Coach, die selbst lange Jahre mit verhaltensauffälligen und von ADHS betroffenen Kindern sowie deren Familien zusammengearbeitet hat.

Auch Coach Christoph Uhl plädiert für einen geduldigen Umgang. Sobald die aufgekratzte Nervosität des Zappelphilipps den Alltag allerdings so massiv beeinträchtigt, dass man selbst nicht mehr zum Arbeiten kommt, sollte man das dem Kollegen freundlich vermitteln. „Es geht nicht darum, den Zappelphilipp zu kritisieren. Sie sollten ihm nur sagen, dass sie selbst etwas mehr Konzentration benötigen, um mit ihren Aufgaben voranzukommen. Verdeutlichen Sie ihm, dass Sie und gegebenenfalls auch er ansonsten länger arbeiten müssen.“ Eine gute Strategie sei es, einen ritualisierten Rahmen zu schaffen – etwa ein regelmäßiger Plausch in der Teeküche. „Geht der Zappelphilipp Ihnen dann zwischendurch auf die Nerven, können Sie charmant auf die geplante Pause verweisen und sagen, dass Sie das alles später in der Küche besprechen“, so Uhl.

Weitere Teile unserer Serie, zum Beispiel die „Beste Freundin“ oder der „Wendehals“ finden Sie unter diesem Artikel in den Bild-Teasern.

Zu unseren Experten:

Maral Alamdari ist Life- und Familiencoach. Sie unterstützt Menschen bei der beruflichen Weiterentwicklung oder dem Schritt in die Selbstständigkeit. Aber auch die Balance zwischen Beruf, Familie und Zeit für sich selbst ist eines ihrer Arbeitsfelder. Darüber hinaus ist sie auf Kinder- und Jugendcoaching spezialisiert. Weitere Informationen unter www.maralalamdari.de.

Christoph Uhl arbeitet als systemischer Coach, Managementberater, Supervisor und Lehrcoach. Seit über 20 Jahren berät er Fach- und Führungskräfte zu beruflichen Fragen und stärkt die Kommunikation in Teams. Darüber hinaus bildet er selbst Coaches aus. Weitere Informationen unter www.coachingberlin.com.

Formate: video/youtube

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