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Titel Tratschtante
Bild: Shutterstock
Mit nervigen Büro-Kollegen umgehen

Teil 3: Die Traschtante

Manche Büro-Kollegen machen uns den Arbeitstag richtig schwer. Wie Sie diese Kollegen in ihre Schranken weisen – unsere Serie. Nach der „Mimose“ und dem „Choleriker“ geht es weiter mit: der Tratschtante.

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ie beiden Frauen sitzen in dem italienischen Restaurant am Katzen-Tisch, kurz vor der Toilette und neben dem Mülleimer für Küchenabfälle. Kein Wunder, denn sie sind „fiese Lästertussis“: „Hast du gesehen, wie der Dicke geschwitzt hat?“ – „Boa, ekelig. Der Wischnewschki aus der Personalabteilung schwitzt auch immer so. Da schick ich immer den Jochen hin, wenn ich was abholen muss.“ – „Du meinst den Jochen mit der Knödelstimme?“ – „Genau, der so ein kleines bisschen schielt.“ Dann fallen beide Frauen in ein kreischiges Gelächter ein.

Daran erkennen Sie die Tratschtante

Diesmal nur ein Sketch aus der Serie „Ladykracher“ mit Anke Engelke und ihrer Ko-Schauspielerin Friederike Kempter. Doch es gibt die Tratschtante oder „fiese Lästertussi“ in jedem Büro und meistens trifft man sie völlig unvorbereitet. Am Kopierer, in der Küche oder beim Gang zu Toilette.

Tratschtante
Die Tratschtante ist Expertin im Verbreiten von Gerüchten. Das richtige Gegenmittel: sofort Grenzen setzen. Bild: Colourbox

Sie erfreut sich daran, Informationen – egal ob wahr oder unwahr – ungefragt weiterzuerzählen. Dann raunt sie den Kollegen mit verschwörerischem Blick die neuesten Neuigkeiten über Büroaffären, Scheidungen oder Schönheits-OPs ins Ohr. Manchmal geht es auch um drohende Kündigungswellen, den Burn-Out des Chefs oder den Bonus, den ein anderer Kollege als einziger im Team abgeräumt hat. Ihre Sätze beginnen meistens mit „ Hast du schon gehört? “. Eine Antwort darauf erwartet sie nicht, denn meist hält sie sich für eine exklusive Geheimnisträgerin.

Das Verhältnis zur Tratschtante ist durchaus ambivalent. Einerseits erfährt man so viel von ihr und bekommt drohendes Unheil durch sie vielleicht sogar früher mit. Auf der anderen Seite weiß man nie, ob die Berichte wahr sind oder ob die Tratschtante in Gegenwart von Kollegen über einen selbst herzieht.

Im schlimmsten Fall hat ihre Redefreude ernste Konsequenzen für die Betroffenen – denn wer möchte zum Beispiel, dass das gesamte Büro von der Schwangerschaft weiß, ehe man es dem Chef erzählt hat? Noch schlimmer können erfundene Gerüchte sein – einmal verbreitet, lassen sie sich selten komplett wieder zurücknehmen. Denn irgendwas bleibt immer hängen.

Das Positive an der Tratschtante

„Grundsätzlich sind Tratschtanten offene und kontaktfreudige Menschen, die natürlich ein gewisses Kommunikationstalent haben. Leider wollen sie sich mit Klatsch in den Vordergrund spielen, weil sie selbst wenig zu sagen haben“, sagt Dr. Klaus Mucha, Arbeitspsychologe in einem Berliner Bezirksamt. „Sie möchten dazugehören und suchen Kontakt, indem sie sich durch Geschichten über andere interessant machen.“

Dr Mucha
Klaus Mucha ist Arbeits­psychologe im Öffentlichen Dienst. Bild: Privat

Die Tratschtante möchte durch vermeintlich Wissenswertes auf sich aufmerksam machen. Sie ist selten bösartig , denn sie selbst setzt keine Gerüchte in die Welt. „Indem sie diese jedoch weiterverbreitet, sorgt sie eventuell dafür, dass jemand, der durch Fehlinformationen gezielt gemobbt werden soll, einer schlimmen Situation ausgesetzt ist“, sagt Klaus Mucha, „und das kann für den Betroffenen zum echten Albtraum werden.“

Mehr zu unserem Experten:

Dr. Klaus Mucha ist Arbeits­psychologe im Öffentlichen Dienst. 2010 wurden er und sein Team mit dem Corporate Health Award ausgezeichnet. Dieser wird Unternehmen verliehen, die sich vorbildhaft für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter einsetzen. 2012 veröffentlichte er das Buch „ Mobbing. Eine empirische Untersuchung “, in dem er Mobbing bei der Berliner Polizei unter die Lupe nimmt.

Die richtige Strategie

„Wenn die Tratschtante mit dem neuesten Klatsch auf einen zukommt, sollte das Gespräch schnell unterbrochen werden“, rät der Arbeitspsychologe. „Sagen Sie klar und deutlich: ‚Das interessiert mich nicht und ich finde es auch nicht gut, dass du solche Dinge weitergibst.’ Ist es eine Information, die Sie womöglich selbst betrifft, wie eine androhende Firmen-Umstrukturierung, sollten Sie direkt nach der Quelle fragen, um den Wahrheitsgehalt selbst prüfen zu können.“

Oft hilft es, der Tratschtante offen und direkt zu sagen, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist, und dass sie sich damit möglicherweise selbst schadet. Denn Tratscher sind – obwohl sie es so gerne wären – selten beliebt. „Zeigen Sie der Tratschtante, dass sie sich nicht durch Geschichten profilieren muss. Sagen Sie ihr: ‚Das hast du doch gar nicht nötig, dir auf diesem Weg Bestätigung zu holen’“, rät Klaus Mucha.

Und wenn das Gerücht einen selbst betrifft? Dann sei es wichtig, schnell das Wasser abzugraben, so der Arbeitspsychologe: „Konfrontieren Sie die Tratschtante direkt damit, fragen Sie, warum sie solche Dinge über Sie verbreitet und woher die Informationen stammen. Und fordern Sie die Gerüchte-Köchin zum Unterlassen ihrer Handlung auf. Funktioniert das nicht, gehen Sie zu ihrem Vorgesetzten oder nehmen Sie – falls möglich – professionelle Konfliktberatung in Anspruch.“

Das gilt übrigens auch, wenn die Tratschereien vom Vorgesetzten stammen. Dann sollten Betroffene eine Führungsebene höher nach Unterstützung suchen. „Die Tratscherin gehört zurechtgewiesen oder versetzt“, meint Klaus Mucha. „Sollte sich an der Situation nichts ändern, ist die letzte Konsequenz, zu gehen. Hier steht der Selbstschutz über allem anderen.“

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