Titel Glueck-trick
Weniger tun – und dadurch mehr Energie und Erfolg haben: Das verspricht die Buch-Autorin Emma Seppälä. Bild: Shutterstock
Ratgeber

Der Trick mit dem Glück

Mehr erreichen durch weniger tun – geht das? Die Autorin Emma Seppälä aus den USA sagt: natürlich! In ihrem Buch erklärt sie, wie wir glücklicher werden, wenn wir der Perfektion und Schnelle abschwören.

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ir sind leistungsfähiger, wenn wir einen Gang runterschalten: Was sich auf den ersten Blick nach einem Widerspruch anhört, ist für Emma Seppälä von der Stanford University die Grundthese ihres Buches „Der Trick mit dem Glück“. Die Dozentin am Center for Compassion and Altruism der Stanford University kennt den Knackpunkt: „Schon seit der Kindheit glauben wir, dass Erfolg nur durch eiserne Disziplin zu erreichen ist. Wann weißt du, ob du hart genug arbeitest? Wenn du leidest.“

Emma Seppälä, Dozentin am Center for Compassion and Altruism der Stanford University
Emma Seppälä, Dozentin am Center for Compassion and Altruism der Stanford University. Bild: Greg Bledsoe

Die Vorstellung, dass Stress und Erfolg verbunden sind, sei so fest in unserer Gesellschaft verwurzelt, dass wir auf den Druck sogar stolz sind, dem wir uns aussetzen. Wir brüsten uns mit vollgestopften Terminplänen und verkünden, wie wenig Schlaf wir bekommen. Arbeitssucht wird im Gegensatz zu anderen Abhängigkeiten von unserer Kultur belohnt. Langfristig gesehen schadet diese Einstellung aber unserer Gesundheit.

Dabei geht es auch anders: Fünf Tricks, wie Sie runterschalten und glücklicher werden.

Die meisten haben die Fähigkeit verloren, voll und ganz präsent zu sein. Wir gehen mit den Kindern in den Park, telefonieren dabei aber mit einem Kollegen. Man hat sich daran gewöhnt, ständig auf sein Handy zu schielen. Glücksforscherin Emma Seppälä

1. Bleiben Sie im Augenblick

Hören Sie auf, beständig der Zukunft nachzujagen. Statt immer an den nächsten Punkt auf der Liste zu denken, sollten Sie sich voll und ganz auf die nächste vor Ihnen liegende Aufgabe konzentrieren. Auch unser privates Glück leidet, wenn wir in Gedanken ständig bei der Arbeit sind. „Die meisten haben die Fähigkeit verloren, voll und ganz präsent zu sein. Wir gehen mit den Kindern in den Park, telefonieren dabei aber mit einem Kollegen. Man hat sich daran gewöhnt, ständig auf sein Handy zu schielen, selbst im Fitnessstudio oder Urlaub“, kritisiert die Glücksforscherin. Beim Multitasking haben wir aber nie alles im Blick, was in unserer Umgebung vor sich geht – weshalb uns viel entgeht.

Digital Detox und sich auf eine Sache fokussieren. Bild: Shutterstock

Multitasking beeinflusst zudem das Erinnerungsvermögen negativ. In einer Studie schnitten Studenten, die während der Vorlesung ihren Laptop geöffnet hatten, schlechter bei Gedächtnistests ab als Studenten, deren Laptop geschlossen war. Wir können etwas dafür tun, nicht abzuschweifen. Seppälä rat: „Räumen Sie alle Ablenkungen vom Schreibtisch, stellen Sie ihr Handy stumm und schließen Sie den E-Mail-Account. Eine der besten Übungen für Gegenwärtigkeit ist es, elektronikabstinent zu sein. Führen Sie alltägliche Arbeiten ohne Berieselung aus. Lassen Sie morgens im Auto nicht das Radio laufen, essen Sie nicht vor dem Computer.“

2. Verabschieden Sie sich von der Perfektion

Viele Menschen überhören die Signale ihres Körpers: Statt sich dringend auszuruhen, verlassen sie sich auf Stimulanzien wie Kaffee oder Energy-Drinks. „Wir versuchen, den Stress auf eine Art zu bekämpfen, die uns noch ausgelaugter werden lässt“, folgert Seppälä. In Stressphasen stehen wir unter Strom, der Adrenalinspiegel steigt. Doch nach intensiven Gemütszuständen ermüden wir rasch.

 Meditation, Signale, Körper
Auf die Signale des Körpers hören. Bild: Shutterstock

Die Lösung: Versuchen Sie auch in Stressphasen starke Emotionen zu vermeiden. Und verabschieden Sie sich vom Perfektionismus. Dieser führt zu unmöglich zu erfüllenden Ansprüchen, die einen in die Erschöpfung treiben können. Muss wirklich alles immer hundertprozentig perfekt sein? Reicht es in vielen Fällen nicht, „gut“ als „gut genug“ zu akzeptieren?

Formate: video/youtube

3. Nehmen Sie sich Zeit für Muße

Statt auf die Arbeit fixiert zu sein, sollten Sie sich Zeit nehmen für Muße. „Das steigert die Kreativität und kann so zu problemlösenden Ideen führen“, weiß Seppälä. Die größten Ideen entstehen nicht, indem man sieben Tage die Woche über ein Problem nachgrübelt. „Wir gelangen am ehesten zu wichtigen Erkenntnissen, wenn wir gut zu uns sind und Spaß haben.“ Albert Einstein hat sich der Musik zugewandt, wenn er mit komplexen Problemen kämpfte, vor allem Mozart.

Sich mit positiven Gefühlen belohnen. Bild: Shutterstock

Tun Sie also etwas, was Ihnen ein positives Gefühl gibt: Bei der Arbeit kann ein lustiges YouTube-Video gut sein oder ein Spaziergang in der Mittagspause. Schauen Sie in den Himmel anstatt auf ihr Handy. Nehmen Sie es am besten gar nicht mit. Möglichkeiten, die Akkus wieder zu laden, sind zum Beispiel auch Sport oder Kuscheln mit dem Kind. Lesen Sie hauptsächlich Bücher aus Ihrem Fachbereich? Wenn ja, versuchen Sie mal eine vollkommen andere Lektüre, wie lustige Bücher oder Zeitschriften.

4. Laden Sie Ihren Akku blitzschnell auf

Wer hochkonzentriert arbeitet, benötigt auch Pausen: Die bauen Sie ein, indem Sie zwischendurch anspruchslosere Arbeiten ausführen – oder bewusst den Bildschirm verlassen. Kurz Spazieren gehen, sich stretchen. Meditation ist ebenfalls gut, um Energiereserven aufzuladen. Schließen Sie Ihre Augen und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen.

Den Akku durch leichten Sport schnell aufladen. Bild: Shutterstock

Machen Sie sich zuerst körperliche Empfindungen bewusst – Ihr Atem, Herzschlag, das Gefühl des Stuhls unter Ihnen, die Kleidung auf Ihrer Haut. Dann verlagern Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Gedanken und Gefühle. Registrieren Sie sie, ohne sich eingehender damit zu beschäftigen, so als ob Sie eine Kinoleinwand betrachten. Eine noch einfachere Meditationsweise ist die Konzentration auf einen Atemzug nach dem anderen.

5. Hören Sie sich und Ihren Mitmenschen mehr zu

Empathie ist die Fähigkeit, zu verstehen, was der andere einem sagen will, sowohl verbal als auch nonverbal.

Den Mitmenschen wirklich zuhören. Bild: Shutterstock

Man kann nur empathisch sein, wenn man seinem Gegenüber seine volle Aufmerksamkeit widmet. Daher sollten Sie sich während eines Gespräches nicht geistig schon mit dem Nächsten unterhalten. „Zeigt man Interesse an seinen Mitmenschen, werden die Loyalität und das Engagement der Kollegen und Angestellten signifikant gesteigert“, hat Seppälä herausgefunden. Niemand will sich mit jemandem unterhalten, der geistig nicht völlig präsent ist.

Bild: Knaur

Auch Selbstmitgefühl ist gut für uns und die Karriere. Ersetzen Sie Selbstkritik durch Selbstmitgefühl. Statt sich Sachen einzureden wie „Ich bin so ein Idiot!“ könnten Sie sich auch sagen: „Es hätte jedem passieren können; es ist keine große Sache.“ Um Selbstmitgefühl aufzubauen, schreiben Sie am Abend fünf Dinge auf, auf die Sie stolz sind, oder fünf positive Seiten an sich selbst.

Das Buch:

Dr. Emma Seppälä
Der Trick mit dem Glück (240 Seiten)
Knaur Balance
18,99 Euro

Die Autorin:

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