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„Wenn einer das kann, dann Sie“ – So durchschauen Sie Manipulationsversuche
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5 Tipps

So durchschauen Sie Manipulationsversuche

Ob die ‚lieben’ Kollegen oder der ‚wohlmeinende’ Chef: Oft werden wir manipuliert, ohne das es uns bewusst ist. So erkennen Sie Manipulationsversuche – und wenden gleich das passende Gegenmittel an.

M

it einem freundlichen Lächeln kommt der Chef an den Tisch: „Ich weiß, dass Sie gerade viel Arbeit haben. Aber Sie sind ja auch unser bestes Pferd im Stall“, schmeichelt er. „Deshalb habe ich Sie für den Kundentermin eingetragen. Wenn einer das kann, dann Sie.“

Wenn in diesem Moment der Bauch grummelt, dann Glückwunsch! Sie haben gerade eine Manipulation durchschaut. „Das Bauchgefühl ist unser wichtigster Indikator, um Manipulationen zu erkennen“, sagt der Berliner Kommunikationstrainer Karsten Noack. Der Coach weiß: Wo Menschen in engen Beziehungen zueinander stehen, kommt es auch zu Manipulationsversuchen. Das Gemeine: Je enger diese Beziehungen sind, umso leichter ist es für den anderen, „denn dann sind wir offen für die Meinungen und Bitten unseres Gegenübers“, erklärt Noack.

So erkennen Sie Manipulationen – und reagieren richtig

1. Die Durchsetzungsstrategie

Versprechung
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Eine der häufigsten Manipulationstechniken im Arbeitsalltag ist die „Durchsetzungsstrategie“. Hier greift der Kollege oder Vorgesetzte zu Scheinargumenten , Überredungstaktiken oder Emotionalisierungen . Die Autoren Andreas Erdmüller und Thomas Wilhelm geben in ihrem Ratgeber „Manipulationstechniken“ hierzu gute Beispiele: So erzeugt der Manipulator beispielsweise ein schlechtes Gewissen („Ich habe neulich auch etwas für dich getan!“), appelliert an das Solidaritätsgefühl („Wir sitzen doch im gleichen Boot!“), droht („Passen Sie auf, dass so ein Verhalten nicht zurückfeuert.“) oder schmeichelt („Sie können das einfach am Besten“).

Die Lösung: Gerade, wenn es um Emotionen geht, hat es der Manipulator leicht. Andreas Erdmüller und Thomas Wilhelm raten dazu, das Gespräch in einem solchen Fall auf die sachliche Ebene zurückzuführen: „Bleiben Sie auf einer klaren argumentativen Linie, bringen Sie weiterhin sachliche Begründungen und fordern Sie diese auch ein. Stellen Sie Fragen und hören Sie zu.“

Karsten Noack

ist Kommunikationstrainer und Coach in Berlin. Er bereitet Klienten unter anderem auf wichtige Gespräche oder Präsentationen vor.
www.karstennoack.de

2. Die Überrumpelungsstrategie

Marionette
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„In der Arbeitswelt wird oft eine Überrumpelungs-Taktik eingesetzt, um eigene Interessen zu verfolgen“, weiß Karsten Noack. „Etwa, indem Ihr Vorgesetzter im Vorbeigehen um etwas bittet und Ihnen keine Zeit lässt, darüber nachzudenken. Beliebt ist auch, erst einmal den Fuß in die Tür zu bekommen, um anschließend weitere Gefallen einzufordern.“ Ein Kollege fragt beispielsweise: „Kannst Du mal schnell über die zwei Seiten gucken?“ Klar, den Gefallen tut man ihm gerne. Doch sobald man fertig ist, kommt: „Jetzt, wo Du so gut drin bist, würde ich Dir die Broschüre auch noch geben.“

Die Lösung: In beiden Fällen ist es wichtig, nicht automatisch zuzustimmen, sondern um Bedenkzeit zu bitten. „Bleiben Sie ruhig und sagen Sie, dass Sie das spontan nicht entscheiden können. Vielleicht zieht der Manipulator sich jetzt schon zurück. Wenn nicht, haben Sie später noch die Möglichkeit, die Bitte auszuschlagen, ohne jemanden zu verprellen“, rät Karsten Noack.

3. Die Sabotage-Strategie

Oft sabotieren Kollegen oder Vorgesetzte bewusst Gespräche, um zum Beispiel die Gehaltserhöhung abzuschmettern oder auf Kritik nicht reagieren zu müssen. Hierfür versteht Ihr Gegenüber Sie absichtlich falsch („Achso, ich dachte Sie meinen…“), behaart auf dem eigenen Standpunkt, ohne sich auf eine Diskussion einzulassen („Sie brauchen nicht versuchen, mich vom Gegenteil zu überzeugen – das ist vergebene Liebesmüh“) oder bricht das Gespräch ab („Wir müssen zum Ende kommen, ich habe einen Termin“).

Die Lösung: Hier hilft unter anderem Beharrlichkeit – oder wie die Autoren vom Buch „Manipulationstechniken“ treffend schreiben: „Die Platte mit Sprung“. Sagen Sie immer wieder klar und deutlich, was Sie wollen und was Ihnen besonders wichtig ist.

Manipulationstechniken

Zahlreiche weitere Mani­pu­la­tions­tech­ni­ken und prak­tische Tipps gibt es im gleich­na­migen Buch von Andreas Edmüller und Thomas Wilhelm:
Manipulationstechniken “,
Rudolf Haufe Verlag.

Es ist für 9,95 EUR unter www.taschenguide.de bestellbar.

4. So reagieren Sie auf Manipulationen

Wenn Ihnen eine Manipulation auffällt, empfiehlt Karsten Noack Folgendes: „Enttarnen Sie entweder Ihr Gegenüber, indem Sie direkt auf die Manipulation hinweisen: ‚Kann es sein, dass Du gerade versuchst…‘ oder ignorieren Sie alternativ die Manipulation und gehen nicht darauf ein. So wahrt Ihr Gesprächspartner sein Gesicht und kommt mit der Masche trotzdem nicht weiter.“ Hierbei ist es wichtig zu schauen, welche Absichten das Gegenüber verfolgt und ob sich hier ein Bürozwist lohnt. Wittern Sie hinter jeder Bitte eine verdeckte Absicht, führt das zu Unzufriedenheit, falschen Verdächtigungen und Misstrauen gegenüber allem und jedem.

5. So sind Sie künftig gewappnet

Zuguterletzt sollten Sie selbstkritisch schauen, für welche Manipulation Sie am ehesten anfällig sind. Bringen Sie Provokationen schnell auf die Palme? Löst jemand bei Ihnen leicht das Helfer-Syndrom aus? Lassen Sie sich gern von Schmeicheleien einwickeln? Erst, wenn Sie wissen, wie Sie ticken, gelingt es Ihnen auch, Manipulationen als solche zu entlarven – und anschließend die richtige Abwehrtechnik zu trainieren. Dabei gilt grundsätzlich: Lernen Sie, „Nein“ zu sagen – ohne schlechtes Gewissen, dafür mit guter Begründung.

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