Bild: Jörg Oberwittler
Made in Berlin

Den Erfolg in die Tasche stecken

Sie schützen Notebooks, umhüllen Handys, tragen Dokumente: die Lederwaren der Manufaktur „mabba“. Hergestellt werden sie alle in West-Berlin. Was einst als Firmenidee im Kinderzimmer begann, ernährt mittlerweile drei Generationen. Damit beginnt – zur Fashion Week im Januar – unsere Serie „Made in Berlin“.

Mutter Marianna Balle streicht das Leder für die Verabeitung glatt. Bild: Jörg Oberwittler
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erlin-Westend, an einem kalten Montagmorgen: Der Duft von frisch verarbeitetem Leder strömt dem Besucher entgegen, als Firmengründer Matthias Balle die Tür zu seinem Atelier aufmacht. Das sei der Geruch der Kanten-Farbe zum Veredeln des Leders, erklärt der 32-Jährige und bittet in sein Büro. Vorbei geht es an Regalen voller Leder-Rollen in knalligen Statement-Farben, exotischen Mustern in Schlangen-, Kroko- und Straußenoptik sowie an Fell-Stücken für Wohnaccessoires. Aber „mabba“ kann auch anders: zeitloses schwarz, schlichtes grau oder braun.

Angefangen mit Gründer-Zuschuss vom Arbeitsamt

Im Büro hängen die Muster der aktuellen Kollektion an der Wand, davor nimmt der junge CEO Platz: schwarze Mütze, die müden Augen eines jungen Vaters, zwei auffällige Ringe an den Fingern. Mit tiefer Stimme erklärt er, wie er so weit gekommen ist: Mit einem Gründer-Zuschuss vom Arbeitsamt und einer Idee im Kinderzimmer fing alles an – und mit einer schwarzen Notebook-Tasche in Krokodilleder-Optik, die Matthias Balle bis heute aufbewahrt hat. Die habe damals seine Mitstudenten in der BWL-Vorlesung so beeindruckt, dass sie auch eine solche Tasche haben wollten. Zuhause holte er die Nähmaschine seiner Mutter hervor und machte sich an die Arbeit.

„Damals gab es für Notebooks nur dieses ganze Neopren-Zeug. Wir waren quasi eine der ersten Marken, die Lederwaren für Notebooks und Smartphones produziert haben.“ Damals – das war 2008, als die große US-amerikanische Firma mit dem Apfel im großen Stil Smartphones, Tablets und Notebooks auf den Markt brachte, die sich heute so selbstverständlich in unseren Alltag eingeschmiegt haben, dass sie kaum mehr wegzudenken sind.

Modern, mutig: die Handyhüllen von mabba. Bild: Jörg Oberwittler

Mittlerweile hat sich „mabba“ in Westend auf 120 Quadratmeter vergrößert, beschäftigt sieben Angestellte, darunter quasi die ganze Familie: die Eltern von Matthias Balle nähen in der Manufaktur mit, die Schwägerin und seine Frau kümmern sich um die Kundenbetreuung. Über Auftragsmangel kann sich der findige Gründer nicht beklagen – obwohl „mabba“ (ein Wortspiel aus seinem Vor- und Nachnamen) kaum Werbung macht. Dafür präsentiert sich die Marke mit einem Store im Bikini-Berlin und mit einem eigenen Online-Shop, in dem auch Münchner, Düsseldorfer und Hamburger gern Lederwaren „made in Berlin“ einkaufen.

Berlin kann bereits jetzt definitiv mit Paris oder London mithalten. Die nächsten Jahre werden zeigen, wohin sich die Stadt entwickelt: ob es beim hippen Berlin mit Berghain bleibt; oder ob Berlin eine weitere Schickimicki-Stadt wie Düsseldorf wird. Matthias Balle, Gründer „mabba“

„Handmade in Berlin“ – dieser Slogan erweist sich als optimales Verkaufsargument. Anders als die Lederwaren vieler großer Marken werden die Taschen nicht in China produziert und erst Wochen später nach Europa geschifft, sondern kommen komplett aus Berlin. Von der ersten Skizze bis zur letzten Naht. So sei „mabba“ noch näher dran am Zeitgeist und könne schneller auf Trends reagieren, erklärt Balle, der in Berlin-Wedding aufgewachsen ist.

Quasi die ganze Familie arbeitet mit

Er bittet zum Rundgang durch das Atelier: im Raum nebenan legt Mutter Marianna Balle das Leder für die Handyhüllen zurecht; für Fotos hat sie kaum Zeit. Zu viele Bestellungen! Matthias Balle zeigt das Leder, das er aus Italien bezieht; größtenteils Rindsleder, das durch Prägung seine Straußen- oder Krokodilleder-Optik bekommt.

Mutter-Sohn-Gespann: so kann mabba erfolgreich in Berlin produzieren. Bild: Jörg Oberwittler

Wie ist es, so viel Verantwortung für die ganze Familie zu tragen? Da lächelt er in sich hinein. „Es zwingt mich noch mehr, in anstrengenden Phasen nicht aufzugeben. Mode ist ein schnelllebiges Geschäft, die Leute erwarten mittlerweile viermal im Jahr neue Farben und Muster. Diese Nachfrage müssen wir bedienen.“

Die große Konkurrenz durch Marken-Hersteller scheut der 32-Jährige nicht. Auch Luxus-Marken wie Louis Vuitton und Gucci hätten irgendwann mal klein angefangen. „Ich weiß nicht, ob es ein Guccio Gucci vor hundert Jahren leichter hatte. Auf jeden Fall hatte er kein Internet, wo Ideen so einfach geklaut und nachgemacht werden konnten.“ So ärgert sich Matthias Balle zum Beispiel, dass er sich die Idee für das Sichtfenster des Apple-Logos in seinen Lederhüllen nicht hat schützen lassen.

  • Das Leder sieht aus wie Krokodil, ist aber geprägtes Rindsleder. Mabba

  • Jede Tasche kommt aus Berlin. Mabba

  • Das mabba-Logo hat Matthias Balles Vater entworfen. Mabba

  • Es prägt die Marke seit 2008. Mabba

  • Mabba verzichtet auf Werbung, sondern setzt aufs Internet – und Mund-zu-Mund-Propaganda. Mabba

  • Die Manufaktur kann auch schlicht: Taschen in grau, blau und schwarz. Mabba

  • Doch auch mutige Leopard-Looks sind ebenfalls möglich. Mabba

  • Zu 80 Prozent kaufen Frauen die Taschen und das Zubehör. Mabba

  • Doch die Zahl der männlichen Kundschaft steigt. Mabba

  • Vor allem jüngere Männer werden modisch mutiger, sagt Gründer Matthias Balle. Jörg Oberwittler

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„Urbane Nomaden“ als Kunden

Seine Zielgruppe sind die „urbanen Nomaden“: die ‚digital natives’, die in Berliner Cafés den laktosefreien Latte schlürfen und auf ihre Notebooks starren. Studierende, Start-up-Mitarbeiter, Geschäftsleute, die viel reisen – und hierfür praktische Lösungen aus Leder suchen. Businessmänner bestellen bei Matthias Balle gar Sonderanfertigungen aus ihrem Wunschleder und in ihrer Lieblingsfarbe. Doch noch sind es zu 80 Prozent eher Frauen, die zugreifen. „Männer sind weniger Impulskäufer, sondern preisbewusster und zurückhaltender“, berichtet Balle. Aber: die jungen Männer holen auf. Trauen sich mehr, wagen Farben – und Muster. „Das Bewusstsein wächst, mit Stil aus der grauen Masse hervorstechen zu wollen.“

Einst war Berlin eine der modischsten Metropolen Europas; Matthias Balle sieht ein hohes Potenzial, dass die Hauptstadt da wieder hinfindet: „Berlin kann bereits jetzt definitiv mit Paris oder London mithalten. Die nächsten Jahre werden zeigen, wohin sich die Stadt entwickelt: ob es beim hippen Berlin mit Berghain bleibt; oder ob Berlin eine weitere Schickimicki-Stadt wie Düsseldorf wird.“

Mittlerweile hat Matthias Balle eine einjährige Tochter. Er ist zuversichtlich, dass diese mal in einem Berlin ausgehen wird, das seine Nische gefunden hat. „Wer braucht schon die Kopie von London, Hamburg oder Paris? Berlin war schon immer sehr gut darin, seinen ganz eigenen Weg einzuschlagen.“ Ein Weg, von dem auch „mabba“ gewiss profitieren wird.

Mabba Atelier

Sophie-Charlotten-Str. 49
14059 Berlin
Telefon: 53 09 10 81
info@mabba.de
www.mabba-shop.de

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