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Titel Kuendigung
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Jobverlust

Kündigung und dann? 7 Tipps, wie Sie sich nach einer Kündigung verhalten sollten

Plötzlich gekündigt – und jetzt? Beendet Ihr Arbeitgeber Ihr Vertragsverhältnis abrupt, sollten Sie wissen, welche Rechte Sie haben und auf was Sie achten sollten. Berliner Akzente hat das Wichtigste für Sie zusammengefasst.

1. Welche Rechte habe ich bei einer Kündigung?

Für eine fristlose Kündigung beispielsweise muss es einen triftigen Grund geben. Wurde eine Abmahnung gegen Sie ausgesprochen, ist sie eine Vorstufe zu einer möglichen Kündigung. Sie kann auf Ihre Initiative hin vor Gericht untersucht und nachgeprüft werden. Doch auch ohne Abmahnung kann Ihnen der Arbeitsplatz gekündigt werden. Nämlich dann, wenn der Arbeitgeber davon ausgeht, dass der Fehler, den Sie in seinen Augen gemacht haben und der Grund zur Kündigung ist, weiter von Ihnen gemacht wird.
Bei Gesprächen, die sich um Ihre Kündigung drehen, dürfen Sie Ihren Fachanwalt für Arbeitsrecht mitbringen. Aber nur, wenn Ihr Gegenüber auch seinen Rechtsbeistand mitbringt.
Will Ihr Vorgesetzter mit Ihnen ein Personalgespräch führen, dürfen Sie vorher den Grund erfragen. Ist die Antwort, dass es um Ihre Kündigung geht, sind Sie nicht verpflichtet, zum Gespräch zu kommen.
Sie haben ein Recht auf Abfindung, wenn der Arbeitgeber Ihnen aus betrieblichen Gründen kündigt und Sie keine Kündigungsschutzklage vornehmen.

Mann Erhaelt Kuendigung
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2. Wann ist eine Kündigung unrechtmäßig?

Wenn unbezahlte Überstunden von Ihnen erwartet werden, dürfen sie sich wehren. Sie müssen keine Überstunden machen, für die Sie dann keinen Lohn bekommen. Auch stehen Ihnen Pausen zu. Wenn Sie krank sind oder sich wegen Krankseins verspäten, darf Ihnen das nicht angelastet werden. Reichen Sie ein gültiges Attest vom Arzt ein.
Wird Ihnen zu Unrecht gekündigt, können Sie gerichtlich dagegen vorgehen. Doch kann eine Ihnen angebotene Abfindung den Konflikt abwenden.

3. Was muss in der Kündigung des Arbeitgebers stehen?

Sie enthält, dass Ihnen gekündigt wird und zu welchem Datum. Und dass sich die Kündigung auf den zu einem bestimmten Datum geschlossenen Arbeitsvertrag bezieht. Der Kündigungsgrund muss nicht dargestellt werden. Außerdem befindet sich unter der Unterschrift in der Regel ein Platzhalter für Ihre Unterschrift, mit der Sie kennzeichnen, dass Sie die Kündigung erhalten haben. Wichtig: Die Kündigung muss Sie schriftlich erreichen, per Post oder persönlich.

4. Was muss in der Kündigung eines Arbeitnehmers stehen?

Ihre Kündigung muss zunächst Ihre vollständige Meldeadresse und das aktuelle Datum enthalten. Es muss heißen „Hiermit kündige ich meinen Arbeitsvertrag“, versehen mit dem Datum, zu dem die Kündigung in Kraft tritt. Sie können auch „zum nächstmöglichen Datum“ schreiben. Sie müssen Ihre Kündigung nicht begründen. Der Arbeitgeber kann das lediglich von Ihnen verlangen, wenn sie fristlos kündigen. Wichtig: Sie haben Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis.
Sie müssen schriftlich kündigen und das Schreiben entweder persönlich übergeben (Eingang schriftlich bestätigen lassen) oder per Einschreiben schicken.

5. Welche Papiere muss ich bei einer Kündigung bekommen?

Der Arbeitgeber muss Ihnen folgende Arbeitspapiere aushändigen, denn sie sind Ihr Eigentum:

  • Arbeitsbescheinigung
  • Urlaubsbescheinigung
  • Zeugnis
  • Lohnsteuerausdruck
  • eventuell Sozialversicherungsnachweis
Gekuendigter Mann Mit Karton
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6. Wie sollten sich Arbeitnehmer nach dem Erhalt einer Kündigung verhalten?

Für Arbeitnehmer gilt generell eine Kündigungsfrist von vier Wochen. Sie sind an eine andere Kündigungsfrist gebunden, wenn sie vertraglich zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber vereinbart wurde. Dann gilt sie auch für Sie beide.
Sobald Sie eine Kündigung erhalten haben, die Sie für unrechtmäßig halten, können Sie beim zuständigen Arbeitsgericht Klage einreichen. Dafür haben Sie drei Wochen nach Eingang der Kündigung Zeit. Wichtig: Sie müssen die Kündigung nicht unterschreiben.
Um eventuell Arbeitslosengeld beziehen zu können, ohne dass viel Zeit vergeht, sollten Sie sofort eine Kopie der Kündigung an die Agentur für Arbeit senden. Denn die Sperrfrist für das Arbeitslosengeld kann bis zu zwölf Wochen dauern.

7. Wo finden Arbeitnehmer nach einer Kündigung Unterstützung?

Lassen Sie sich beraten, wenn Sie unsicher sind. Fachanwälte für Arbeitsrecht finden Sie zum Beispiel bei der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins. Unterstützung bietet auch die Beratungshilfe der Rechtsanwaltskammer Berlin.

Sinnvoll ist eine Rechtsschutzversicherung. Vor allem wenn es wirklich zu einem Rechtsstreit kommt. Denn die Kosten für den Prozess übernehmen Sie in erster Instanz selbst. Die Versicherung trägt diese Ausgaben. Sind Sie finanziell nicht in der Lage, eine solche Versicherung oder die Prozesskosten zu zahlen, können Sie Prozesskostenhilfe beantragen.
Sie brauchen aber zunächst nicht zwingend einen Anwalt, wenn Sie gegen die Kündigung klagen wollen. Sie können bei der Rechtsantragsstelle Ihres Arbeitsgerichtes das Kündigungsschreiben zeigen. Dort arbeitet ein Rechtspfleger, der für Sie die Klage schreibt und sie dem Gericht übergibt. In Berlin ist eine solche Anlaufstelle zum Beispiel die Info- und Rechtsantragsstelle des Amtsgerichtes Charlottenburg (Tel.: 901 77 0).
Ein erster Anlaufpunkt in Ihrer Firma kann allerdings auch der Betriebsrat sein, sollte das Unternehmen einen haben. Vor allem bei Arbeitszeiten, Überstunden und Bedingungen am Arbeitsplatz kann der Betriebsrat helfen, aber auch bei Kündigungen gibt es erste beratende Unterstützung. Tipp: Gibt es noch keinen und sind in der Firma mindestens fünf Angestellte beschäftigt, können Sie selbst einen Betriebsrat gründen.

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