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Bild: shutterstock / Monkik
Tipps für den Job

So erwecken Sie Ihre Kreativität

Kreativität ist in der Arbeitswelt gefragter denn je. Doch wie werde ich kreativ? Was können Firmen zur Unterstützung beitragen? Und wie haben sich berühmte Vorbilder in kreative Stimmung versetzt?*

Friedrich Schiller schnüffelte an fauligen Äpfeln, die er in seiner Schreibtisch-Schublade aufbewahrte. Truman Capote konnte nur nachdenken, wenn er sich in die Horizontale begab. Ob Bett oder Couch war egal – Hauptsache Zigaretten und Kaffee standen in Reichweite. Thomas Mann hatte einen genau getakteten Tagesablauf, der aus Frühstück, Arbeit, Mittagessen und Entspannung am Abend bestand. So hatte jeder der drei berühmten Schriftsteller seinen ganz eigenen Trick, sich in kreative Stimmung zu versetzen.

Rituale fördern Kreativität

In ihrem Buch „Musenküsse“ hat die US-amerikanische Journalistin Mason Currey die Kreativitätsstrategien von 88 berühmten Künstlern gesammelt und ausgewertet. Von Malern, über Schriftstellern bis hin zu berühmten Philosophen und Komponisten. Sie alle hatten eines gemeinsam: ihre unwahrscheinliche Kreativität – doch die Wege dahin könnten kaum unterschiedlicher sein. Bei der Lektüre wird schnell klar, wie unterschiedlich Ideenfindung funktioniert – vom Kopfstand bei Igor Strawinski bis zum regelmäßigen Joggen bei Haruki Murakami, der sogar ein Buch darüber schrieb.

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Erleuchtung: Auf gute Ideen kommt man zum Beispiel durch Rituale. Schiller bevorzugte hierfür nicht Glühbirnen, sondern faulige Äpfel. Bild: shutterstock / Monkik

Dass jeder einzelne der porträtierten Künstler sich mal mehr, mal weniger eigenwillige Rituale angewöhnt hat, wundert Professor Rainer Holm-Hadulla kaum: „Rituale sind kreativitätsfördernd, denn sie schaffen Freiräume für assoziatives Denken.“ Der Psychiater und Psychotherapeut lehrt an der Universität Heidelberg und befasst sich in seiner Arbeit mit Kreativitätsförderung sowie -hemmnissen. „Kreatives Denken findet vor allem statt, wenn das Gehirn im Ruhemodus ist. Das heißt, wenn nicht permanente Reize von außen verarbeitet werden müssen – wie beispielsweise aufwühlende Szenen im Internet“, sagt Holm-Hadulla.

Kreativität bedeutet, um die Ecke zu denken

Während automatisierter und erholsamer Abläufe wie Joggen, Staubsaugen oder auf der Couch liegen kann das Gehirn sich entspannen. Das Ritual des Regisseurs David Lynch etwa bestand sieben Jahre lang darin, immer um 14.30 Uhr im gleichen Restaurant essen zu gehen. Welche Methode hilft, muss jeder für sich herausfinden. Während der eine beim Duschen auf die besten Ideen kommt, nützt dem anderen ein Blick in die Wolken oder eine Meditationsübung.

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Ideen aus dem Automaten: In der Realität ist es leider schwieriger. Jeder findet unterschiedlich zur Kreativität. Bild: shutterstock / Monkik

Kreativ ist grundsätzlich jeder, denn eine klar umrissene Definition gibt es nicht. Peter Weil, Geschäftsführer des Instituts für Angewandte Kreativität, fasste diese Besonderheit gegenüber der Zeitschrift „Psychologie heute“ zusammen: „Kreativität bezieht sich nicht auf ein bestimmtes Themengebiet, sondern ist überall möglich, ob ich ein exotisches Gericht koche oder mir für mein finanzielles Problem eine neue Lösung einfallen lasse. Kreativ sein bedeutet, sich etwas anderes vorstellen zu können als das, was gerade ist.” Aus diesem Grund sei Kreativität auch keine messbare Größe.

In der Arbeitswelt sind zunehmend Ideen gefragt

Dass Kreativität in der Arbeitswelt von heute dennoch gefragter denn je ist, zeigen bereits die vielen Stellenanzeigen, in denen „kreative Köpfe“ gesucht werden – ob in der Altenpflege oder einer Versicherung. Der französische Soziologe Luc Boltanski hat in seinem Buch „Der neue Geist des Kapitalismus“ 2006 beschrieben, wie sich das Arbeitsverständnis des Angestellten seit den 1960er-Jahren wandelt. Weg vom reinen Befehlsempfänger – hin zum „kreativen Künstler“, der sich selbst verwirklicht und dabei Flexibilität, Mobilität, Kreativität und Eigenverantwortung zeigt.

Kreativität wird heutzutage als klarer wirtschaftlicher Vorteil begriffen, denn sie führt zu Veränderungen und Optimierungen. Laut dem „dib-Report 2013 Benchmarking im Ideenmanagement“ des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft (dib) brachte 2012 jeder Verbesserungsvorschlag im Schnitt einen Nutzen von 640 Euro. Entsprechend viel tun Unternehmen dafür, den Ideenreichtum ihrer Mitarbeiter zu fördern. Firmen wie Google setzen auf Ruhezonen, Bällebäder oder abstrakt eingerichtete Zimmer, um die Muse zu erwecken. Der Chemiekonzern BASF belohnt gute Ideen mit Prämien: Im letzten Jahr reichten Mitarbeiter weltweit über 42.000 Vorschläge ein, von denen 23.000 umgesetzt und mit insgesamt 4,7 Milliarden Euro prämiert wurden.

Kreativitäts-Methoden

Jürgen Glaser, der für die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) eine Studie zu Kreativität und Gesundheit im Arbeitsprozess durchführte, initiierte mit dem CreateHealth-Zirkel ein Training, in dem auf das jeweilige Unternehmen zugeschnittene kreativitäts- und gesundheitsfördernde Maßnahmen entwickelt werden.

Positive Stimmung und gutes Verhältnis zum Chef sind wichtig

Es muss aber nicht zwangsläufig die Carrera-Bahn im Keller oder der dicke Scheck sein. Firmen können die Kreativität ihrer Mitarbeiter viel einfacher fördern: „Am wichtigsten ist eine positive Stimmung im Team und ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten“, sagt Professor Jürgen Glaser von der Universität Innsbruck. „Denn positive Emotionalität fördert nachgewiesenermaßen Kreativität und Offenheit gegenüber neuer Ideen.“ Dazu gehört auch eine flache Hierarchie. So fanden Forscher der Cornell University in Ithaca heraus, dass Menschen in Teams mit flachen Hierarchien am kreativsten sind.

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Förderlich ist eine gute Arbeitsatmosphäre – und ein gutes Verhältnis zum Chef. Bild: shutterstock / Monkik

„Kommunikation ist der Schlüssel“, sagt Glaser, der an der Universität Innsbruck im Bereich Angewandte Psychologie unterrichtet und forscht. „Je häufiger und intensiver sich Menschen austauschen, umso mehr Ideen entstehen und werden weiterentwickelt.“ Hierbei sei auch die Gruppenzusammensetzung wichtig. Eine gewisse Vielfalt habe positive Effekte, denn eine Bandbreite an unterschiedlichen Erfahrungen oder inhaltlichen Schwerpunkten erzeuge unterschiedliche Blickwinkel. Zudem sollten Unternehmen die Eigeninitiative ihrer Mitarbeiter fördern und das Gefühl vermitteln, dass neue Ideen willkommen sind. Extremer Zeitdruck und eine zu hohe Arbeitsbelastung sind hingegen Kreativitätskiller.

5 Tipps für mehr Kreativität

Entspannen Sie Ihr Gehirn : Finden Sie heraus, welches Ritual Ihnen beim Nachdenken hilft. Ein kurzer Spaziergang kann genauso förderlich sein wie eine Atemübung.

Unterbewusstsein nutzen : Nach zehn Minuten brainstormen, einfach mal abwaschen, Staub saugen oder E-Mails löschen. Das Unterbewusstsein arbeitet derweil weiter und plötzlich ist sie da, die gute Idee.

Bleiben Sie dran : Notieren Sie sich Ideen und Geistesblitze und haben Sie Selbstvertrauen in Ihr kreatives Potenzial.

Tauschen Sie sich mit anderen aus : Diskutieren Sie neue Ideen gemeinsam.

Geht nicht, gibt’s nicht : Denken Sie alles Mögliche und legen Sie sich nicht von vornherein Grenzen auf.

Stress und Chaos als Kreativitätskiller

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Stress wirkt hingegen nachgewiesen als eindeutiger Kreativitätskiller. Bild: shutterstock / Monkik

„Reines Chaos ist nicht produktiv“, bestätigt Rainer Holm-Hadulla. Strukturen helfen ebenso wie Rituale, Kreativität in eine produktive Form zu bringen: „Es geht um eine Ausgewogenheit von Offenheit und Disziplin, denn Einfälle müssen auch ausgearbeitet und weiterentwickelt werden – das braucht Durchhaltevermögen.“ Der Filmemacher Ingmar Bergmann brachte diese Ausdauer 1964 in einem Interview auf den Punkt: „Wissen Sie, was Filmemachen bedeutet? Täglich acht Stunden Schwerstarbeit für drei Minuten Film.“ Leidenschaft darf also unter keinen Umständen fehlen. Der wichtigste Kreativitätsfaktor ist deshalb verblüffend einfach: „Wir sollten das, was wir tun, gerne tun“, so Rainer Holm-Hadulla: „Denn ohne Leidenschaft und Spaß kann Kreativität nirgendwo entstehen.“

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