Titel Job Und Krankheit
Bild: iStock
Gesundheitsschutz

Wer krank ist, bleibt besser zu Hause

Viele Arbeitnehmer schleppen sich trotz Erkältung ins Büro. Erschreckende Ergebnisse fördert jetzt eine Umfrage zutage, wie Führungskräfte damit umgehen.

E

in Mitarbeiter erscheint fiebrig zur Arbeit. Das Team steckt gerade in einem dringenden Projekt. Jede dritte befragte Führungskraft würde den Mitarbeiter jetzt nicht nach Hause schicken. Das hat eine gemeinsame Umfrage unter 1.500 deutschen Führungskräften der Personalberatung LAB & Company und der Hochschule Coburg ergeben.

17 Prozent der Befragten meinten sogar, von häufig kranken Mitarbeitern sollte man sich trennen. Und knapp jeder zehnte Manager hält ein individuelles Prämiensystem bei wenigen Krankheitstagen für ein geeignetes Instrument.

„Wir waren von den Umfrage-Ergebnissen erschrocken“, sagt Gesundheitsexperte Eberhard Nöfer, Professor von der Hochschule Coburg. Offenbar sei die Bereitschaft, die eigene Gesundheit und die seiner Mitarbeiter über die Interessen des Betriebs zu stellen in Deutschland nur schwach ausgeprägt. Denn auch mit der eigenen Gesundheit gehen Deutschlands Manager schonungslos um: 58 Prozent würden mit einer mittelschweren Erkältung zur Arbeit kommen, weitere 29 Prozent daheim arbeiten.

Dabei ist dieses Verhalten ein gesundheitliches Eigentor:

  • Ein kranker Mitarbeiter leistet naturgemäß weniger, ist weniger konzentriert und
  • macht dadurch mehr Fehler und
  • steckt sogar unter Umständen noch nebenbei die Kollegen an.

„Die Anwesenheit am Arbeitsplatz gilt in Deutschland noch immer als Leistungs- und Karrierekriterium – auch wenn das zu Lasten der eigenen Gesundheit geht“ bilanziert Eberhard Nöfer. Dabei könnten Unternehmen und Führungskräfte umdenken:

  • Vom Arzt ordnungsgemäß krank geschriebene Arbeitnehmer (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) können nicht einfach gekündigt werden.
  • Wer krank ist, muss sich erholen. Die Gesundheit geht vor.
  • Befindet sich das Team in einem wirklich dringenden Projekt, bietet sich unter Umständen an, von zu Hause zuzuarbeiten und zum Beispiel dringende Mails aus dem Home-Office zu bearbeiten. Allerdings nur, wenn es der Erkältungs-Brummschädel zulässt.

Und was raten die Ärzte? Dr. Michael Deeg, Sprecher der HNO-Ärzte hat diese Frage der Frankfurter Rundschau beantwortet:

  • Ein Schnupfen ist kein Grund, der Arbeit fernzubleiben. Erhöhte Temperatur über 37,5 Grad indes schon.
  • Fühlen sich Berufstätige trotzdem recht wohl, können sie nach eigenem Ermessen zur Arbeit gehen und es hier etwas langsamer angehen lassen. Das sei besser als mehrere Tage auszufallen und dann wieder in Stress zu geraten, weil so viel Arbeit liegen geblieben ist.
  • Bei mehr als 38 Grad Fieber ist allerdings laut Mediziner Schluss. Dann gilt: ab ins Bett und auch das Home-Office bleibt geschlossen.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren