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Serie: Ungewöhnliche Mittagspausen

Kochkurs in der Mittagsstunde

Sich kurz etwas vom Bäcker holen, oder mit Kollegen über Berufliches sprechen – so oder ähnlich sieht bei vielen Berliner Beschäftigten die Mittagspause aus. Ganz anders verlaufen könnte sie im Berliner Kochatelier „Ratatouille“. Franziska Weigelt hat die Mittagspause á la française getestet.

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b und zu mal eine richtige Pause zu machen lohnt sich, sagt Moira Seba, Gründerin des „Kochatelier Ratatouille“. Um andere zu dieser Einsicht zu bringen, lädt sie gut erreichbar in Mitte zum täglichen Mittagskochen ein.

Als „raffiniert, aber leicht zuhause nachzumachen“ beschreibt sie ihre französische Küche, die sie täglich von 12.30 bis 14 Uhr mit bis zu sieben Teilnehmern auf den Tisch zaubert. Aber wie mittagspausentauglich ist das Angebot tatsächlich? Unser Test zeigt es.

Gelassene und herzliche Stimmung

Mit französischer Musik und selbst gemachter Kräuterlimonade empfängt uns die Köchin mit dem rothaarigen Kurzhaarschnitt und dem charmanten französischen Akzent in ihrem Souterrain-Atelier nahe der Oranienburger Straße. Sieben Teilnehmer sind wir, eine gemischte Gruppe bestehend aus einem Paar, zwei frisch gebackenen Rentnern, zwei Frauen – und ich.

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Lieber Schnippeln, statt Schlemmen: Ein Kochkurs in der Mittagspause kostet zwar Zeit, gibt aber Energie. Bild: Franziska Weigelt

„Von zwölf bis zwei habe ich sowieso ein Tief, wieso nicht mal was anderes ausprobieren?“, begründet Marco sein Mitmachen. Er kann sich seine Zeit frei einteilen, denn wie seine Partnerin Mirja arbeitet er von zu Hause aus. „Ich bin schon zum zweiten Mal dabei – und bin gleich süchtig geworden“, gesteht Kerstin, die in Teilzeit arbeitet und heute ihren freien Tag hat. Auch die Juristin Rica nutzt ihren arbeitsfreien Tag, um den ungewöhnlichen Kochkurs auszuprobieren – ein Artikel in der Zeitung hat sie neugierig gemacht.

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Die Pause nutzen, um Französisch-Kochen zu lernen: Vor allem Freiberufler nehmen sich hierfür Zeit. Bild: Franziska Weigelt

Gemeinsam wollen wir unsere Mittagspause verbringen und „die Entmystifizierung der französischen Küche“ vorantreiben, wie es Moira formuliert. Nach der Begrüßung herrscht eine gelassene und herzliche Stimmung. Moira hat uns gleich das „Du“ angeboten. Auch das von ihr liebevoll eingerichtete Studio mit einfachen Holzregalen und mit Schummerlicht aus grünen Weinflaschen-Hälsen sorgt für reichlich Wohlfühl-Faktor. Prima zum Abschalten!

Effizient mit dem Messer umgehen

„Es ist wichtig, den gesamten Schnittbereich des Messers zu nutzen“, lautet die erste Lektion, die Moira beim Zerkleinern einer Sellerie erläutert. Ich lerne, dass ich gar nicht viel Kraft aufwenden muss, um die große Knolle klein zu schneiden. Nachdem wir den Sellerie zu Püree verarbeitet haben, umwickeln wir den Kabeljau mit Speck. Dann schlägt Teilnehmer Rüdiger mit dem Handballen auf eine Knoblauchzehe – so verbindet sich dessen Aroma perfekt mit dem Fisch, meint Moira. Ob das die Haute cuisine-Köche in Frankreich auch so machen? Langsam beginnt bei mir die „Entmystifizierung“: Die französische Küche scheint mir weniger meisterhaft als vor dem Kurs.

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Auch unsere Autorin fand sichtlich Gefallen an der ungewöhnlichen Mittagspause. Bild: Franziska Weigelt

Während Moira die Fischfilets und das Püree mit einem Pfund Butter versorgt, sagt mir ein kurzer Blick auf die Uhr über dem Herd: 14 Uhr – längst Essenszeit! Wir setzen uns an den großen Tisch und beginnen gemeinsam zu essen und uns zu unterhalten. Leider wirken sich die Gespräche auch auf mein Zeitkonto aus. Um 15 Uhr verlasse ich das Kochatelier. Wer schneller an seinen Schreibtisch zurückzukommen möchte, dem bietet Moira an, das Essen einzupacken. Dafür bin ich pappsatt und bin um viele neue Eindrücke reicher. Daher werde ich auch wiederkommen.

Für Vegetarier und Allergiker

Für Vegetarier bietet Moira stets fleischlose Alternativen an. Wichtig ist, Essensvorlieben oder Allergien bei der Anmeldung zu nennen. Denn was mittags auf den Tisch kommt, ist vorher nicht bekannt.

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Doch inklusive Essen wurde es dann doch deutlich länger als die gute Stunde Mittagspause. Bild: Franziska Weigelt

Mein Test-Fazit: Für flexible Freiberufler, die sich Abwechslung wünschen, ist Moiras Kochatelier eine tolle Idee – richtig alltagstauglich ist ein Besuch aber wegen des Zeitaufwandes nicht . Beschäftigten, die sich eine zweistündige Mittagspause nicht leisten können, sollten das Kochen lieber auf den Abend verschieben.

Kochatelier Ratatouille
www.ratatouille-berlin.de
Ackerstraße 2 (Kreuzung Torstrasse)
10115 Berlin – Mitte

Teilnahme: 18 Euro, 15 Euro für Studenten

Unsere Serie: „Ungewöhnliche MIttagspause"

Franziska Weigelt hat in unserer Serie noch weitere wohlklingende Angebote für die Mittagspause in Berlin dem Praxis-Test unterzogen.

Raum für Yoga: Om in der Mittagspause

Lunchführungen: Kunst in der Mittagspause

Das Wichtigste an der Pause ist aber, dass sie überhaupt gemacht wird: Lesen Sie dazu unseren Artikel Hektik adé – Ein Pladoyer für die Pause.

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