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Sinnvoll arbeiten

Mein Job: Die Welt verbessern

Sein Gehalt spenden, für eine soziale Organisation arbeiten oder sich für Nachhaltigkeit im Unternehmen einsetzen: Mit der eigenen Arbeit Gutes zu tun, ist gar nicht so schwer. Diese drei Beispiele zeigen es.

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n einem gemütlichen Café in Berlin-Schöneberg: Falk Wienhold sitzt entspannt vor einem Glas Wasser. Der promovierte Chemiker erzählt von seiner jahrelangen Suche nach einem Job mit gesellschaftlichem Nutzen. Bereits während der Promotion wusste der gebürtige Berliner, dass er anstatt in der Forschung im sozialen Bereich arbeiten wollte. Aber für ihn schien es nur wenige Möglichkeiten zu geben. „Ich war frustriert, weil es so etwas wie Chemiker ohne Grenzen nicht gab“, erinnert sich der 35-Jährige.

Als Zwischenlösung zur Unternehmensberatung

Falk Wienholds Suche führte ihn bis nach Nepal, wo er naturwissenschaftlichen Unterricht für Straßenkinder gab – und feststellte, dass er der Organisation vor Ort mehr helfen konnte, wenn er sie beim Managen von Projekten, Akquirieren von Spenden und beim Strukturieren der Schulprozesse unterstützte.

Falk Wienhold
Falk Wienhold. Bild: Anja Karrasch

Zurück in Berlin wollte Falk Wienhold seine Kompetenzen im Management-Bereich ausbauen und entschied sich, das Jobangebot einer Unternehmensberatung für Strategie und Organisation anzunehmen. „Mir machte es total viel Spaß allgemeines Projektmanagement und konzeptuelles Denken in einem anderen Bereich anzuwenden“, erzählt er mit einem breiten Lächeln.

Tipps für den Wechsel in den sozialen Sektor

Beim Wechsel in die soziale Branche halfen dem Familienvater Gespräche und Tipps von Leuten aus Organisationen wie Ashoka (www.ashoka.org) oder Social Impact Lab (socialimpact.eu) und ein Workshop bei der Personalagentur Talents 4 Good (www.talents4good.org), die sich auf Jobs mit gesellschaftlichem Mehrwert spezialisiert hat.

Bei Projektmanagerin Judith Hartmann rufen fast wöchentlich Umstiegswillige aus traditionellen Unternehmen an, die Antworten auf ihre Fragen suchen: Sind meine Erfahrungen überhaupt relevant für den sozialen Sektor? Wie bewirbt man sich erfolgreich? Was verdient man in einer NGO oder Stiftung? „Mittlerweile haben wir zur Beantwortung dieser Fragen auch ein individuelles Karriere-Coaching entwickelt, das den Umstieg erleichtern soll. Denn der Mix macht’s. Es geht auch darum, den sozialen Sektor mit Talenten aus der klassischen Wirtschaft zu stärken“, sagt Judith Hartmann.

Seit zwei Jahren verstärkt Falk Wienhold das Team der gemeinnützigen Organisation Phineo. Als Berater unterstützt er soziale Projekte dabei, ihre Wirkung zu planen und zu steigern und erlebt seine Arbeit als Beitrag zu einer größeren sozialen Gerechtigkeit. „Der Negativpunkt ist tatsächlich die Bezahlung, das muss einem klar sein“, gibt er zu. Für ihn überwiegen die persönlichen und beruflichen Zugewinne wie Horizont-Erweiterung, Spaß und Motivation bei der Arbeit, mehr Zeit für Familie und Freizeit und „insgesamt mehr Sinn im Leben“.

Zehn Prozent seines Gehalts für den Effektiven Altruismus

Manuel Elzer hat sich für einen anderen Weg entschieden, um mit seiner Arbeit Gutes zu tun. Der studierte Elektrotechniker spendet zehn Prozent seines Einkommens an die Stiftung für Effektiven Altruismus (ea-stiftung.org). Eine Bewegung, die so wirkungsvoll wie möglich versuchen will, Leid zu vermeiden und Leben zu retten. Zum Gespräch kommt der 29-Jährige mit dem Zug. Er hat kein Auto, geht selten Essen und lebt sparsam. „Es ist doch so, dass man nicht viel Geld braucht zum Leben. Und schon gar nicht zum Glücklichsein“, erklärt er. Seine Motivation für eine Gehaltserhöhung ist, mehr für den effektiven Altruismus spenden zu können, „um die Basis zu stärken und mehr Ressourcen weitergeben zu können an effektive Hilfsprojekte.“

„Es macht mich zufrieden, wenn ich das Gefühl habe, Anteil an etwas Großem zu haben, dem übergeordneten Ziel, die Welt besser zu machen.“ Manuel Elzer, „effektiver Altruist"

Bevor Manuel Elzer effektiver Altruist wurde, fing er vor acht Jahren an, sich für Tierrechte und pflanzliche Ernährung stark zu machen. Sein Vorbild war der Gitarrist der Rockband „Die Ärzte“, der kein Fleisch aß. Das beeindruckte ihn. Er begann sich mit der Massentierhaltung von Nutztieren zu beschäftigen und gründete in Mannheim eine Regionalgruppe für veganen Lebensstil. Manuel Elzer lüftet das Hosenbein und zeigt auf seine braunen Kunstlederschuhe, auch sein Gürtel ist kein tierisches Produkt. Vegan zu leben bedeutet für den Ingenieur kein Verzicht, sondern ist eine bewusst gewählte Lebenseinstellung.

Manuel Elzer
Manuel Elzer. Bild: Anja Karrasch

Über einen Freund lernte er den effektiven Altruismus kennen. „Der Ansatz hat mich angesprochen, weil er sehr rational ist und durch wissenschaftliche Methoden die wirkungsvollste Art zu helfen herausfinden will“. Für mehr Gehalt hat er den Job gewechselt, seit einem halben Jahr arbeitet der Hobbykoch im Entwicklerbereich bei einem süddeutschen Unternehmen, das Akkus für Elektroautos herstellt. „Es macht mich zufrieden, wenn ich das Gefühl habe, Anteil an etwas Großem zu haben, dem übergeordneten Ziel, die Welt besser zu machen.“

Das Ziel: Erfolgreich und gesellschaftlich wirksam zu arbeiten

Zurück in Berlin: Die Online-Modeplattform Zalando ist in der Öffentlichkeit bislang weniger durch ihr soziales Engagement aufgefallen. Das könnte sich mit Dennis Hoenig-Ohnsorg ändern, der seit zwei Jahren die Abteilung für Corporate Responsibility (CR) aufbaut. Zuvor leitete der 35-Jährige acht Jahre lang das Berliner Büro für die internationale Non-Profit-Organisation Ashoka, die Sozialunternehmen berät und fördert.

Dennis Hoenig-Ohnsorg
Dennis Hoenig-Ohnesorg. Bild: Zalando

Schon während des Studiums der Betriebswirtschaft wurde Dennis Hoenig-Ohnsorg klar, dass er sich selbstbestimmt engagieren möchte, „wobei mir die gesellschaftliche Wirksamkeit besonders wichtig ist. Ich habe auch mal Marketing für Antifaltencreme gemacht und fand das für mich und die Welt nur wenig wirksam“, erzählt er im Telefoninterview.

Während seiner Zeit bei Ashoka lernte der Manager einen der Zalando-Gründer kennen, der sich dort als Mentor einsetzte. Als die Geschäftsführung der Onlinefirma 2015 begann, sich dem Thema Nachhaltigkeit systematischer zu widmen, wollte sie ganz gezielt jemanden aus dem sozialen Sektor als Verantwortlichen dafür gewinnen. Dennis Hoenig-Ohnsorg reizte die Herausforderung und verantwortet seither mit seinem sechsköpfigen Team die Themen gesellschaftliches Engagement und Nachhaltigkeit.

„Für diejenigen, die gut ausgebildet sind und gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, wird die Sinnfrage immer wichtiger.“ Dennis Hoenig-Ohnsorg, Abteilung für Corporate Responsibility (CR) bei Zalando

Zwei Tage im Jahr wird auf Wunsch jeder Mitarbeiter freigestellt, um sich gesellschaftlich einzubringen. Unterstützt wird das CR-Team durch das Berliner Sozialunternehmen Vostel (www.vostel.de), das auf seiner Plattform verschiedene Einsatzmöglichkeiten für die Mitarbeiter anbietet, die aber auch eigene Projekte vorschlagen oder starten können. Als Beispiel erzählt Dennis Hoenig-Ohnsorg, dass er vergangenes Jahr ehrenamtlich die „Imagine-Konferenz“ organisiert hat, um Talente „beim Update ihres Karriere-Navis“ zu unterstützen. „Für diejenigen, die gut ausgebildet sind und gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, wird die Sinnfrage immer wichtiger. Unternehmen müssen mutiger werden, ihre Leute stärker nach Leidenschaft, Talenten und ihrem Lebensweg als nur nach ihrem Lebenslauf auszusuchen.“

Jobs mit Sinn: Adressen und Links

Talents4Good GmbH (Jobsuche)
Marienstraße 26
10117 Berlin
Tel.: 030 609 837 66
www.talents4good.org

Stiftung für Effektiven Altruismus
Hardenbergstraße 9
10623 Berlin
ea-stiftung.org

Ashoka (globales Netzwerk)
http://germany.ashoka.org/

Social Impact Lab (für soziale GründerInnen)
socialimpact.eu/lab

Vostel (Vermittlung von Freiwilligen und Ehrenamt-Tätigkeiten)
www.vostel.de

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