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Titel Geschaeftsessen 692
Bild: Shutterstock [Montage]
10 Tipps

Was Sie beim Geschäftsessen beachten sollten

Ob ein Lunch mit einem Auftraggeber, die Mittagspause neben dem Chef, die Einladung zu ihm nach Hause oder das große Buffet auf der nächsten Tagung: So umschiffen Sie Fettnäpfchen-Fallen beim Geschäftsessen und punkten mit Manieren statt Malheuren.

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eim Blick auf die Speisekarte läuft noch alles bestens, doch als die Kellnerin die Bestellung aufnehmen will, verheddert sich die Angestellte beim Mittagessen mit dem Chef in der Malheur-Falle: „Ein schönes Bierchen. Groß!“, sagt sie ungeniert und schiebt dann hinterher: „Ich habe mir gestern dermaßen die Karten gelegt, da ist Gegenfeuer das einzige, was hilft.“ Gekräuselte Lippen beim Chef, der stattdessen lieber eine „kleine Apfelschorle“ bestellt. Das war’s dann wohl mit der Karriere.

Die prollig-doofe Angestellte spielt die Schauspielerin und Entertainerin Anke Engelke ganz vortrefflich. Doch was uns in der Serie „Ladykracher“ als Zuschauer zum Lachen bringt, wollen wir im wahren Leben nie erleben. Dabei ist ein peinlicher Moment gar nicht so unwahrscheinlich – mit der falschen Wahl des Mittagessens, dem umgeschmissenen Weinglas oder der Frage, wer am Ende eigentlich zahlt.

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1. Die richtige Einstellung:

Nach Vorstellungsgesprächen laden einige Personaler gern Bewerber noch zum Essen ein. „Ein hervorragender Test, um die sozialen Fähigkeiten und Umgangsformen des Bewerbers zu testen“, warnt das Berliner Berater-Duo Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader . Gleiches gelte auch für die Einladung des Chefs zu sich nach Hause oder ins Nobellokal. Rat der Job-Experten: Bleiben Sie in Ihren Umgangsformen stets wachsam und so professionell wie möglich. Geschäftsessen sind niemals privat.

2. Die richtige Garderobe

Berliner können im Pullover ins Theater gehen und mit voll tättowierten Oberarmen im Sterne-Restaurant speisen – doch wenn Chefs oder Auftraggeber neben einem sitzen, sollte man sich kleidertechnisch anpassen. Männer können auf ein dunkles Sakko und dezentes Hemd setzen, Frauen auf einen Blazer mit Bluse. Unser Tipp: Ein gemustertes Oberteil lässt einen eventuellen Fleck weniger auffallen.

Geschaeftsessen
Am besten sucht der Chef als erstes aus. Denn unangenehm wird es, wenn er den Tages-Teller wählt – Sie aber das Drei-Gänge-Menü. Bild: Shutterstock

3. Das richtige Essen

Hier richtet sich die Auswahl nach den finanziellen Mitteln des Gastgebers. „Es ist ratsam, auf seine Bestellung zu warten“, empfehlen Hesse und Schrader. Und nicht das Drei-Gänge-Menü aussuchen, wenn der Gastgeber nur den schnellen Tagesteller wählt. Bedenken Sie ebenfalls, dass Ihre Hände vor Aufregung zittern oder schwitzen könnten. Spaghettis oder Suppen – das lässt man bei einem wichtigen Geschäftsessen lieber sein, findet Karriere-Experte Jochen Mai , er nennt Spaghetti „Knigge-Kamikaze“ und Suppen als „Manieren-Minen“. Sind sie doch schon ohne Nervosität schwierig zu vertilgen. Vorsicht ebenfalls bei Salaten: große Blätter, spritzige Dressings – machen Sie es sich nicht schwieriger als nötig.

4. Der Small-Talk

Das berühmte „kleine Gespräch“ stellt die Brücke zum großen Thema dar. Doof nur, wenn sich das zu großzügig abgeschnittene Stück Fleisch partout nicht runterschlucken lässt oder man gefühlt ewig am Salatblatt kaut. Stil-Experten können nicht oft genug betonen, niemals mit vollem Mund zu sprechen. Haben Sie lieber den Mut zur Pause. Pausen lassen Sie ohnehin souveräner wirken. Und wenn Sie ein Gesprächsthema anschneiden, dann bitte nicht Wetter (zu abgedroschen) und Politik (zu viele Fettnäpfchen). Sprechen Sie lieber über ein leidenschaftliches Hobby, finden Sie Gemeinsamkeiten. Stellen Sie Fragen und vermitteln sie ehrliches Interesse, siehe unser Artikel „Und Sie so?!“

Business Lunch
Bedenken Sie auch Ihre Aufregung bei einem Geschäftsessen: Schlüpfrige Spaghetti oder spritzige Salat-Dressings eignen sich weniger. Bild: Shutterstock

5. Das Gast-Geschenk

Der üppige Blumenstrauß oder die teure Flasche – das kann schnell nach hinten losgehen. „Wir bezahlen wohl unsere Angestellten zu gut!“, wenn der Chef das sagt, waren Sie drüber. Stattdessen empfiehlt der Berliner Stilexperte Jan Schaumann ein schönes Öl oder ein leckeres Glas Marmelade. Das bleibt preislich im Rahmen und hat den Vorteil, gut transportierbar zu sein. Auch geeignet für den Businesslunch, wenn der Chef danach wieder ins Büro muss.

Arbeitskleidung

Tätowierungen, Piercings, bunte Unterhosen oder Fingernägel: Wie sehr dürfen Arbeitgeber ihren Angestellten in Sachen Styling reinreden, insbesondere, wenn es Bereiche betrifft, die über die sichtbare Kleidung hinausgehen? Über bunte Grenzfälle in der Grauzone zwischen Arbeitsrecht und persönlichem Geschmack lesen Sie in unserem Artikel „Wenn Chefs bei roter Unterwäsche Rot sehen“.

Hier geht’s zum Artikel

6. Apropos Alkohol

„Wenn überhaupt, nur in Maßen trinken“, ermahnen Hesse und Schrader. Mit gelockerter Zunge erzählen sich so manche Details, die nachher peinlich werden könnten. Lästereien über Kollegen, Klagen über vorherige Arbeitgeber – das kommt nie gut an.

7. Die Tisch-Manieren

Das Besteck von außen nach innen zu wählen – das wissen Sie sicherlich. Und welches der vielen Gläser auf dem Tisch heben Sie zuerst? „Am nächsten steht, was als Erstes getrunken wird“, verrät der Journalist Jochen Mai. Vermeiden Sie zudem große Gesten und ausschweifende Handbewegungen. Wie Sie ein Fünf-Gänge-Menü ohne Malheur überstehen, sehen Sie im Video-Blog von Stiltrainerin Agnes Anna Jarosch . Wie lege ich eine Serviette ab? Esse ich das Brot vor oder zum Essen? Und was ist die „Flöckchen-auf-Bröckchen-Technik“? Das verrät die Stiltrainerin sympathisch und gut nachvollziehbar.

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8. Pannen und Peinlichkeiten

Ein umgeschmissenes Glas, ein Fleck auf dem Hemd – das kann jedem mal passieren! Bleiben Sie aber souverän in diesem Moment und zeigen Sie Charme, dann können Sie aus dem Vorfall sogar einen Vorteil machen. Entschuldigen Sie sich höflich, bitten Sie den Kellner in aller Ruhe, das Missgeschick schnell zu beseitigen.

9. Das Smartphone

Gehört nicht auf den Tisch. Zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner den nötigen Respekt und verstauen Sie das Handy in der Tasche. Am besten auch gleich auf Lautlos stellen. Die reale Person hat Vorrang.

10. Die Rechnung

Wer bezahlt, sollte idealerweise zu Beginn des Essens geklärt sein, raten Benimm-Trainer. Gastgeber bezahlen am besten nicht am Tisch, sondern am Tresen. Das vermeidet einen gönnerhaften Eindruck. Sollte es doch mal unklar sein, wer bezahlt, ist es eine gute Geste, das eigene Portemonnaie zu zücken. In der Regel bezahlt der Chef, doch die Geste signalisiert, dass man nicht vorhat, sich aushalten zu lassen.

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