Newsletter abonnieren
Titel Spielregeln
Bild: Shutterstock
Karriere-Tipps

Geheime Spielregeln in Unternehmen

Jedes Unternehmen hat sie: Ungeschriebene Regeln und Tabus. Besonders Neulinge tappen schnell in die Fettnäpfchen-Falle. Fünf Tipps, wie Sie diese umkurven – und geheime Gesetze sogar für sich nutzen.

1. Das Nichts-tun-Tabu

In den meisten Unternehmen gibt es ein großes Tabu: Wer ganz offensichtlich faulenzt, zieht sich schnell den Groll der Kollegen zu. Nur eines von vielen Tabus, die der Psychologe Thomas Saller in seinem gleichnamigen Buch festgehalten hat.

Fuesse Hochlegen
Bild: Shutterstock

„Ich bin unglaublich beschäftigt“, würden viele Mitarbeiter auch dann sagen, wenn es in der Firma gerade ruhig zugeht. Nichts zu tun zu haben, sei bei vielen Menschen mit einem Schuldgefühl verbunden. „Es wird mit Verschwendung von Lebenszeit assoziiert“, erklärt Manfred Kets De Vries, Professor an der INSEAD Business School in Fontainebleu (Frankreich) – und bedauert dies. Denn regelmäßige Perioden des „Nichtstuns“ seien das beste Mittel, um Kreativität zu wecken.

„Das führt zu den „Heureka!“-Momenten, von denen zahlreiche Künstler und Nobelpreisträger berichten.“ Es gebe zahlreiche Beispiele dafür, dass brillante Ideen quasi nebenbei entstanden sind. „Paul McCartney wachte eines Morgens auf und hatte im Schlaf ‚Yesterday’ komponiert“, schreibt De Vries. Den Raum zum Tagträumen muss man sich natürlich erst mal schaffen. Insbesondere bei konservativen Firmen sind Aussagen wie „Nächsten Mittwoch plane ich gar nichts zu tun“ kaum akzeptabel.

Das Nichtstun sollten Sie daher eher diskret praktizieren, raten die Autoren von Tabu: „Ziehen Sie sich in der Mittagspause aus dem Trubel in der Kantine heraus. Gehen Sie im Park spazieren, setzen Sie sich auf eine Bank und schauen Sie in die Luft. Nehmen Sie sich einen Tag im Monat, an dem es keine Besprechungen gibt, keine Mails gelesen werden und keine alten Aufgaben abgearbeitet werden.“

2. Lange Betriebszugehörigkeit „toppt“ Kompetenz

Besonders Neulinge in einem Unternehmen frustriert die folgende Spielregel: Jahre im Betrieb werden oft mit Kompetenz gleichgesetzt und bestimmte Aufgaben eher an altgediente Mitarbeiter vergeben – ohne, dass diese hierfür besonders qualifiziert sind. Ideen neuer Mitarbeiter finden hingegen wenig Gehör. Das Argument „Dafür bist du zu unerfahren!“ verwenden Kollegen, um eigene Interessen zu verfolgen, zum Beispiel das eigene Revier zu schützen, erklärt der Psychologe Saller.

Gross Tritt Klein
Bild: Shutterstock

Er rät jungen Mitarbeitern und Quereinsteigern: „Bleiben Sie geduldig. Die Prinzipien, wie Ihr Chef Aufgaben verteilt, werden Sie nicht von heute auf morgen ändern.“ Statt sich zu beschweren, sollten Neulinge im Betrieb besser konstruktiv agieren: Zum Beispiel fragen, was sie tun können, um mehr Verantwortung zu bekommen. „Überzeugen Sie durch Einsatzbereitschaft“, empfiehlt Saller.

3. Dem Chef Feedback geben

Achtung: Manche Führungskraft behauptet zwar, ein offenes Ohr für neue Ideen zu haben und fordert „unbedingt ehrliches“ Feedback – letztlich sorgt die ehrliche Kritik dann aber doch für ein Lippenkräuseln. Führungskräfteberater Sebastian Mauder rät Angestellten, für die Lage des Chefs Verständnis aufzubringen: „Schwäche zeigen ist insbesondere für männliche Führungskräfte vom alten Schlag ein Tabu. Als Boss haben sie ihren Mitarbeiter zu sagen, was zu tun ist – und nicht umgekehrt.“

Business Haende Schuetteln
Bild: Shutterstock

Überprüfen Sie als Untergebener also ihr Motiv, rät Mauder. „Fragen Sie sich, welchen Mehrwert Ihre Rückmeldung bringen kann. Beschreiben Sie möglichst objektiv und ohne Bewertung, was passiert ist. Beschreiben Sie, welche Wirkung dieses Ereignis oder Verhalten auf Sie hatte. Dann machen Sie einen konkreten Vorschlag eines alternativen Vorgehens.“ Wenig sinnvoll sei Kritik an Dingen, die der Vorgesetzte nicht beeinflussen kann. „Sicher können Sie mal einen allgemeinen Missstand ansprechen, mit der Bitte um Weitergabe nach oben. Aber es ist für eine Führungskraft wenig erbaulich, Kritik an Rahmenbedingungen entgegen nehmen zu müssen, an denen sie nichts ändern kann“, gibt Mauder zu bedenken.

4. Macht durch Schönheit

Manche Mechanismen im Berufsalltag sind schlicht unfair, aber trotzdem verbreitet: „Gutaussehende bekommen höhere Gehälter“, weiß Frank Neumann. Er ist Autor des Buches „Die geheime Macht der Attraktivität“. Der erste Eindruck eines Menschen hänge zu 55 Prozent von seinem Äußeren ab, zu 38 Prozent von der Stimme und nur zu 7 Prozent davon, was er sagt. Viele Studien belegen, dass attraktive Kollegen mehr gefördert werden, zum Beispiel eher zu wichtigen Terminen mitgenommen werden und rascher die Karriereleiter hinaufsteigen als unscheinbare Mitarbeiter.

Taetowiert
Bild: Shutterstock

Dagegen angehen zu wollen, dass Unternehmen für Jobs mit Außenwirkung hübsche Menschen bevorzugen, ergibt wenig Sinn. Stattdessen raten Experten: „Machen Sie sich zur besten Version von sich! Styling, Frisur, Make-up und ein bisschen Sport und gute Kleidung sind Ihre Hilfsmittel. Der Einfluss dieser Faktoren auf den ersten Eindruck, den man bei anderen erzeugt, ist nicht zu unterschätzen“, rät Kommunikationsberaterin Simone Flesch, Mitautorin des Buches Tabu.

5. Mit Gemeinsamkeiten weiterkommen

Häufig wählen die Entscheider für spannende Aufgaben Menschen aus, mit denen sie auch außerhalb des Büros Kontakt durch gemeinsame Interessen haben. Netzwerke sollte man nicht verteufeln, schreibt der Jurist Sebastian Mauder. „Bei Seilschaften geht es nicht primär darum, Menschen, die zufällig auch Golf spielen, dabei zu helfen, ihre Inkompetenz zu vertuschen.“ Vielmehr sei es so, dass Manager Menschen suchen, bei denen sie wissen, wie sie ticken: „Wenn er auch in Betriebswissenschaft an meiner Universität abgeschlossen hat, kann ich davon ausgehen, dass er mit Druck umgehen kann“, wäre so eine Überlegung.

Gemeinsam Sport Treiben
Mit Hilfe von gemeinsamen Interessen kommen Jobanfänger schneller weiter. Bild: Shutterstock

Daher kann die Zugehörigkeit in einem Absolventen-Netzwerk sinnvoll sein, oder auch eine Mitgliedschaft in Sportvereinen oder Clubs. Nicht selten finden innerhalb dieser Seilschaften informelle Treffen statt, bei denen weitreichende Entscheidungen für das Unternehmen getroffen werden. „Also blättern Sie ruhig alte Jahrgangsbände Ihrer Uni durch oder suchen auf Portalen wie LinkedIn oder Xing nach Querverbindungen. Oft entdeckt man gemeinsame Bekannte und hat so gleich einen guten Gesprächseinstieg“, rät Führungskräftetrainer Frank Naumann.

Tipps wie man sich schnell als Teil des Teams fühlt

Buchtipps:
Thomas Saller, Sebastian Mauder, Simone Flesch: Tabu – Versteckte Regeln und ungeschriebene Gesetze in Organisationen
Haufe Verlag (2016), 205 Seiten, 29,95€

Frank Naumann: Die geheime Macht der Attraktivität
S. Fischer Verlag, 221 S., 8,95 €

Styling-Tips:
karrierebibel.de/dresscodes

Wie man sich Freiräume schafft:
Manfred Kets De Fries:
PDF, Text sehr spannend (allerdings auf Englisch)

Diese Themen könnten Sie auch interessieren