Titel Niedlichkeitsfalle
Bild: Shutterstock
Frauen und Bewerbung

Nein zur Niedlichkeitsfalle

Ob beim Bewerbungsfoto, Vorstellungsgespräch oder Selbstmarketing: Besonders Frauen neigen dazu, bei der Job-Anbahnung in die Niedlichkeitsfalle zu tappen, warnen Experten. Dabei braucht es nicht viel, um diese zu vermeiden – und sich selbstbewusst zu präsentieren.

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och immer verdienen Frauen in Deutschland deutlich schlechter als Männer. Vergangenes Jahr haben sie pro Arbeitsstunde 21 Prozent weniger Geld nach Hause gebracht als ihre männlichen Kollegen, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Die Gründe dafür sind vielfältig – einer davon: die Klischees, die viele Frauen leider selbst pflegen. Bewusst oder unbewusst, wie unsere Autorin Annette Leyssner sagt und im Folgenden die Fallen aufzeigt.

1. Die „Süße“ auf dem Bewerbungsfoto

Niedliches Bewerbungsfoto
Bild: Shutterstock [Montage]

Beim Bewerbungsfoto schlägt die Niedlichkeitsfalle bereits voll zu, hat der Bewerbungsfotograf Alexander Vejnovic festgestellt. Zu oft würden Frauen lieber nett und naiv als kompetent aussehen wollen, berichtet der Spezialist für Business-Fotos. Fragt er seine Kundinnen, wie sie auf den Bildern wirken wollen, laute die Antwort meist: „freundlich“. Also: Blick von unten nach oben und ein strahlendes Lächeln.

„Wenn das Bild aber vermittelt ‚Ich bin nett, gib mir bitte eine Stelle’ funktioniert das nicht“, kritisiert Vejnovic. Selbst wenn ‚frau’ den Job dann bekommt, hätte sie sich in einer Schublade positioniert. Der Arbeitgeber würde davon ausgehen, dass eine solche Angestellte kaum Ansprüche stelle. „Die Süße macht sicher Überstunden ohne Zuschlag.“ Dass Frauen von klein auf daran gewöhnt sind, sich zurückhaltend zu inszenieren, nennt Vejnovic die „Niedlichkeitsfalle“.

Ein gutes Bewerbungsbild hingegen soll Kompetenz vermitteln. Vejnovic misst einem selbstbewussten Blick in die Kamera besondere Bedeutung bei: „Es heißt ja nicht umsonst: Auf Augenhöhe verhandeln.“ Von Foto-Retusche rät der Experte ab. Er gibt zu bedenken: „Sichtbares Alter ist nichts Negatives. Es steht für Erfahrung und Qualifikation.“ Keine gute Idee sei es, einfach kein Bild seiner Bewerbung beizulegen. „Dann schaut der Personaler erst mal bei Google. Und dann ist es doch besser, wenn man die Kontrolle übernimmt, was für ein Bild er von einem sieht.“

Sich nicht auf den Stuhl setzen wie ein Schulmädchen während einer Prüfung, sondern Platz nehmen wie eine Herrscherin. Peter Modler, Bewerbungscoach

2. Das unpassende Outfit

Was ein angemessenes Outfit für das Bewerbungsbild -und Gespräch ist, hängt immer von der Branche ab. Die Berliner Psychologin und Stilberaterin Lisa Zimmermann rät dazu, zu recherchieren ob es bei dem potentiellen Arbeitgeber einen Dresscode gibt. Auch wenn auf der Webseite des Unternehmens alle in Jeans auftreten, rät die Stilberaterin von diesem Kleidungsstück ab.

Im Zweifelsfall sei es besser, overdressed zu sein. Sie empfiehlt, das Bewerbungsgespräch mit einem Freund zu üben und sich dabei auch so anzuziehen wie zum Termin. „Bloß nicht nagelneue Kleider zum Vorstellungsgespräch zum ersten Mal tragen“, warnt Zimmermann. „Dann stellt man womöglich während des Interviews fest, dass der Rock einem die Luft abschnürt oder dass die Schuhe fürchterlich drücken.“

3. Schulmädchen-Körpersprache

Frau Unsicher Bewerbungsgespraech
Bild: Shutterstock

Bereits in der kurzen Phase des Betretens des Raumes und des Platznehmens vermittelte ‚frau’ eine Botschaft, sagt der Bewerbungscoach Peter Modler und rät Frauen: „Sich nicht auf den Stuhl setzen wie ein Schulmädchen während einer Prüfung, sondern Platz nehmen wie eine Herrscherin.“

Das heißt: Nicht auf der Stuhlkante sitzen. Das Gesäß sollte man auf der Sitzfläche soweit nach hinter schieben, dass man mit dem Rücken die ganze Lehne spürt. Die Hände sollten während des Gespräches auf dem Tisch liegen, nicht im Schoss. Um unbewusstes Gestikulieren zu vermeiden, sei es eine gute Idee, einen Block dabeizuhaben um Notizen zu machen.

4. Hemmungen bei der Eigenwerbung

Die Sprachwissenschaftlerin Vera Zeegers hat festgestellt, dass Frauen bei Bewerbungsgesprächen dazu neigen, „ohne Not und unaufgefordert“ ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. „Während Männer ganz selbstverständlich sagen ‚Ich habe das durchgesetzt!’, stellen sich viele Frauen ins Glied: ‚Wir im Team haben das super hinbekommen!’“

Frauen setzten darauf, dass die Männer ihnen die Anerkennung geben, die sie selbst nicht beanspruchen, glaubt Zeegers. Bei Männern hat Zeegers genau das Gegenteil beobachtet: „Die Männer stellen ihre Ideen mit größtmöglicher Sicherheit und Absolutheit vor und warten dann ab, ob sie herausgefordert werden.“ Daher gilt für Frauen: Bloß keine Hemmung bei der Eigenwerbung!

5. Mit dem Konjunktiv kokettieren

Bewerbungsgespraech Kritischer Blick
Bild: Shutterstock

Dem stimmt die Berufsberaterin Renate Ibelgaufts aus vollem Herzen zu. „Tiefstapeln“ würden Frauen häufig: „Sie sind auch bei intensiverem Nachfragen nicht in der Lage, ihren persönlichen Beitrag zum Gelingen eines bestimmten Projekts zu schildern.“ Zählen sie daher in ihrem Lebenslauf und im Gespräch nicht nur Positionen auf: reden sie über ihre konkreten Aufgaben. Bereiten Sie sich auf folgende Fragen vor: „Wo haben Sie konkret Ihre Handschrift hinterlassen?“, sagt Ibelgaufts.

Sie hat in ihrer beruflichen Praxis oft mit Frauen zu tun, „die mit einer gewissen Naivität kokettieren.“ Dazu gehört das Sprechen im Konjunktiv. Während es viele Frauen als Zeichen höflicher Zurückhaltung sehen, vermitteln sie Männern mit „ich könnte, hätte, würde“ und häufig eingeschobenem „vielleicht“ den Eindruck von Unentschiedenheit. „Sie lösen damit zwar meist spontane Hilfsbereitschaft aus, indem sie an Schutzinstinkte appellieren. Aber meist kommt der Interviewer zu dem Ergebnis, dass es sich hier nicht um die belastbare, selbstständige Fachkraft handelt, die er einstellen will“, sagt Ibelgaufts.

Zusammenfassend gibt Erfolgscoach Modler Frauen folgenden Tipp, um den Traumjob zu landen und auf der Karriereleiter weiterzukommen: „Vergiss nicht, dein Äußeres, deinen Blick und deine Gestik zu deinen Werkzeugen zu machen. Gib es auf, im Beruf nur auf Worte und Argumente zu setzen. Körperbotschaften sind wichtig.“

Renate Ibelgaufts: Bewerben und Überzeugen – ein Ratgeber für Frauen Falken Verlag, 144 Seiten, 9,99 Euro

Peter Modler: Das Arroganz-Prinzip: So haben Frauen mehr Erfolg im Beruf, S.Fischer Verlag 2015, 238 Seiten, 9,99 Euro

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