Titel Elternzeit Wiedereinstieg
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Wiedereinstieg

Nach dem Kind ist vor dem Job

Wer nach der Elternzeit den Wiedereinstieg ins Berufsleben plant, sollte sich bereits vorab einige wichtige Gedanken machen. Vor allem für Frauen gibt es leider allzu oft ein böses Erwachen.

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ena ist aufgeregt: Nach einem Jahr Elternzeit wird die 31-Jährige in einigen Wochen in den Job zurückkehren. Sie freut sich auf die Arbeit und ein besser gefülltes Portemonnaie. Doch nach einem kurzen Telefonat mit der Personalabteilung sieht auf einmal alles ganz anders aus – aufgrund von „Umstrukturierungen“ ist Lenas frühere Stelle dauerhaft durch einen Kollegen besetzt. Sie soll zwar im selben Department arbeiten, allerdings in einem anderen Bereich.

Lena sieht das als Degradierung und hat zudem keine Lust auf die Tätigkeit. Doch ihr Arbeitgeber verweist auf sein Direktionsrecht – das Recht Anweisungen zu erteilen – und darauf, dass momentan kein anderer Job in Teilzeit machbar wäre. Lenas Beispiel ist nur eines von vielen, wie es Frauen derzeit ereilt.

Der langjährige Trend zur höheren Kinderlosigkeit hat sich in Deutschland 2017 nämlich umgekehrt: Frauen bekommen wieder mehr Kinder, verkündet das Statistische Bundesamt. Doch viele Frauen haben nach der Elternzeit Probleme damit, einen Beruf auszuüben, der ihren Qualifikationen entspricht. „Für Frauen gilt heute immer noch, dass Kinder und Karriere sich eher ausschließen als vereinbaren lassen“, heißt es in einer Studie des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend. Sie wurde bereits im Jahr 2010 veröffentlicht und 2013 aktualisiert – einige Erkenntnisse scheinen allerdings auch sieben Jahre später noch brandaktuell. (Download PDF))

Was also können Frauen dafür tun, dass ihr Wiedereinstieg ins Berufsleben positiv verläuft? Dabei helfen die folgenden fünf Tipps.

1. Mit dem Arbeitgeber in Kontakt bleiben

Vorab: Ein Arbeitgeber muss eine Stelle nicht reservieren, sondern sich lediglich an dem orientieren, was im Arbeitsvertrag festgelegt wurde. Personalplanungen erfolgen oft zu Jahresbeginn. „Frauen sollten sich deshalb frühzeitig mit der Personalabteilung in Verbindung setzen“, rät Karrierecoach Mirjam Niedermeier aus Berlin.

Frau Verhandlung
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Vor allem, wenn Mütter im Zuge ihrer Rückkehr von Vollzeit auf Teilzeit umstellen wollen, sollten sie den Arbeitgeber rechtzeitig kontaktieren. Karriere-Berater empfehlen überdies, auch während der Elternzeit fachlich am Ball zu bleiben, um den Anschluss im Unternehmen zu halten.

2. Den alten Job kritisch hinterfragen

Ganz klar, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für die meisten kein Spaziergang. Schon allein deswegen sollten sich Mütter laut Mirjam Niedermeier folgende Fragen stellen: Werde ich den Anforderungen meines alten Jobs gerecht? Empfinde ich ihn als sinnvoll und zufriedenstellend? Was kann und will ich beruflich erreichen? Die längere Auszeit kann somit eine gute Zeit sein, den alten Job zu hinterfragen. Wer dazu kommt, doch einen neuen Job zu wollen, kann bereits in der Elternzeit ein paar Dinge in Angriff nehmen:

  1. Konstant den Arbeitsmarkt beobachten und Suchaufträge in Jobbörsen anlegen.
  2. Job-Sharing-Portale checken oder Job-Tandem-Partner suchen.
  3. Bewerbungsunterlagen optimieren und Bewerbungsstrategien überlegen.
  4. Ein Arbeitszeugnis vom alten/aktuellen Arbeitgeber ausstellen lassen.
  5. Netzwerken! Auf Xing, im Bekanntenkreis und bei ehemaligen Kollegen Werbung in eigener Sache machen.
Jeder von uns nutzt eine Checkliste, wenn wir einkaufen gehen oder eine Feier planen. Auch für den beruflichen Wiedereinstieg sollte ein Plan erstellt werden. Ute Freimark (Bundesagentur für Arbeit)

3. Fortbildungen belegen

Wenn fest steht, welche Jobs nach der Elternzeit infrage kommen, können schon während der Babypause entsprechende Fortbildungen belegt, ein Fernstudium begonnen oder in geringem Umfang eine Teilzeitstelle angenommen werden. Auch Praktika haben sich bewährt. So kann man schon mal testen, wie vereinbar Job und Familie sind.

Frau Baby Computer
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Und die Frauen sollten sich nebenher auch schon bewerben, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erkunden. „Jeder von uns nutzt eine Checkliste, wenn wir einkaufen gehen oder eine Feier planen. Auch für den beruflichen Wiedereinstieg sollte ein Plan erstellt werden“, empfiehlt Ute Freimark, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg bei der Bundesagentur für Arbeit. Hilfreich ist dabei das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ von Familienministerium und Bundesagentur für Arbeit: „Dort findet man alle Möglichkeiten – zusammengefasst auf den Punkt.“

Perspektive Wiedereinstieg

„Perspektive Wiedereinstieg“ ist ein Aktionsprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundesagentur für Arbeit. Es unterstützt vor allem Frauen, die nach der Elternzeit wieder erwerbstätig werden wollen und in der Regel über einen beruflichen Abschluss oder ein Hochschulstudium verfügen. Auf der Website finden Interessierte zahlreiche Informationen, Anregungen und Tipps rund um das Thema Wiedereinstieg.

www.perspektive-wiedereinstieg.de

4. Umschulungen oder Wiedereinstiegsprogramme nutzen

Rund 75 Prozent der erwerbstätigen Mütter in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Aufgrund dessen beschränken sich viele von ihnen auf weniger qualifizierte Tätigkeiten, um wenigstens etwas Geld für die Familienkasse zu erwirtschaften. Eine Weiterbildung kann hier Abhilfe schaffen: „Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, können von der Agentur für Arbeit Weiterbildungskosten wie Lehrgangsgebühren, Fahrgeld, auswärtige Unterkunft und Verpflegung sowie die Kinderbetreuung gezahlt werden“, sagt Ute Freimark. Umschulungen oder Wiedereinstiegsprogramme dauern in der Regel zwischen einem halben und zwei Jahren und können auch in Teilzeit absolviert werden. Da der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften stetig ansteigt, wird laut Ute Freimark eine kontinuierliche Weiterbildung zunehmend wichtiger. Auch Karrierecoach Mirjam Niedermeier rät zu einem Blick über den gewohnten Tellerrand. Wer sich dann länger als gedacht in der Findungsphase aufhält, kann notfalls die Elternzeit verlängern, um wenigstens die Sicherheit des alten Jobs im Rücken zu haben.

Mirjam Niedermeier

Mirjam Niedermeier arbeitet als Karriercoach in Berlin und hat besonders Mütter im Fokus, die aufgrund von Familiengründung ihre beruflichen Wege neu überdenken müssen oder wollen. Vordergründige Themen ihrer Arbeit sind die Organisation von Job, Familie und Freizeit und berufliche Neuorientierung. Durch ihre umfangreiche Ausbildung und eigene Erfahrungen als dreifache Mutter hilft sie Frauen dabei, ihren eigenen Weg (wieder) zu finden.

Mehr Informationen auf mirjamniedermeier.de

5. Externe Hilfe in Anspruch nehmen

Essenziell für den Wiedereinstieg ist natürlich eine adäquate Kinderbetreuung. Besonders in Großstädten – und damit auch ganz besonders in Berlin – herrscht ein Mangel an Kitaplätzen, nach denen Eltern dementsprechend früh suchen müssen. Mirjam Niedermeier rät dazu, sich bereits während der Schwangerschaft um eine Kita, Tagesmutter oder Krippe zu kümmern. Und das möglichst wohnungsnah. Doch auch die Aufgaben rund um den Haushalt müssen neu koordiniert werden, da sie zum Großteil von den Frauen in Elternzeit erledigt werden.

Haushaltshilfe
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Die „Perspektive Wieder­einstieg“ plädiert auf ihrer Website für „haushaltsnahe Dienstleistungen“ und sieht sie als ein „Mittel der Wahl, wenn bei der Neuverteilung der Aufgaben in Haushalt und Familie zusätzliche Zeitressourcen geschaffen werden müssen und die Aufgaben nicht von Familienmitgliedern übernommen werden können.“ Gemeint sind Tätigkeiten wie Putzen, Waschen, Kochen und Einkaufen.

Weiterführende Links

Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“
https://www.perspektive-wiedereinstieg.de/
Artikel zu Haushaltsnahen Dienstleistungen

Karrierecoach Mirjam Niedermeier (Job-Einklang)
http://mirjamniedermeier.de/

Stepstone: So klappt der Wiedereinstieg in den Job nach der Elternzeit
www.stepstone.de

Arbeitswelt Elternzeit
www.arbeitswelt-elternzeit.de

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