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Revolution am Arbeitsplatz
Bild: Shutterstock
Essay

Generation Y: Revolution am Arbeitsplatz

Nina Meier-Hahasvili, ehemalige Autorin für Berliner Akzente, hat das Berliner Start-up Intraprenör mitgegründet. Die Strategieberatung hilft Unternehmen, Arbeit neu zu definieren. Warum das dringend nötig ist, wie jeder seinen Job mit mehr Sinn füllen kann und warum die „Generation Y“ den Arbeitsmarkt aufrollen wird, verrät die 23-Jährige hier.

Wir jungen Menschen sind faul, dumm, eingebildet und unpolitisch. Sagen Kritiker über uns.

Wir „Millenials“, „MeMeMes“ und „Digital Natives“ sind zwischen 1985 und 2000 geboren, äußerst technologieaffin, fragen ständig nach dem „Why“, dem „Warum“. Sagen Wissenschaftler über uns.

Wir sind vor allem Teil einer Geisteshaltung, die charakterisiert, wie wir heute arbeiten und leben wollen. Sage ich.

Nina Meier-Hahasvili
Nina Meier-Hahasvili: Die Mitgründerin gibt Jobanwärtern und Unternehmern nützliche Tipps für den Arbeitsmarkt von morgen. Unser Link-Tipp: Ihre Seite www.50wegezumjob.de. Bild: Moussa Hakal

Gehören wir nicht alle ein bisschen zur Generation Y?

Wir „Ypsiloner“ hinterfragen, ob Menschen wirklich 40 bis 60 Stunden pro Woche an ihren Arbeitsplatz gekettet sein müssen. Wir möchten rausfinden, wie wir uns nicht mehr länger zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen. Warum sollte nicht beides gehen?

Die Forderungen, die wir an die Arbeitswelt stellen, hatten auch schon Generationen vor uns. Aufgrund der Knappheit an Arbeitsplätzen konnten Arbeitgeber allerdings jahrzehntelang die Spielregeln vorgeben. Das hat sich nun geändert.

Jetzt brauchen sie uns, denn in den kommenden zwei Jahrzehnten werden viele schlaue Köpfe die Firmen Richtung Rente verlassen. Zurück bleibt ein Fachkräftemangel, unser Land braucht vorwärts denkende Menschen. Der demographische Wandel hat so gesehen auch etwas für sich. Genauer gesagt: für uns.

Glück schlägt Geld

Buchtipp : „Glück schlägt Geld“ von Kerstin Bund
Filmtipp : „Wir sind die Neuen“

Die Strategieberatung Intraprenör hilft Unternehmen, eine sinnstiftende Unternehmenskultur zu entwickeln. www.intraprenör.de

Die Plattform 50wegezumjob.de gibt unkonventionelle Tipps für die Suche nach einem Job mit Sinn.

Arbeit neu definieren

Nach einem Dutzend Praktika und Studentenjobs habe ich einen umfassenden Eindruck von der heutigen Arbeitswelt bekommen. Je mehr ich in verschiedene Berufsfelder hineingeschaut habe, desto stärker habe ich festgestellt, dass ich so nicht arbeiten möchte: kaum Verantwortung und keine Mitbestimmung – das konnte ich mir nicht vorstellen.

Wie mir ging es offensichtlich auch einigen anderen jungen Menschen, die ich im Studium kennengelernt habe. So entschlossen wir uns, gemeinsam die Firma Intraprenör zu gründen, um Arbeit neu zu definieren. Inzwischen arbeiten wir mit diversen deutschen Konzernen an der Fragestellung, wie Arbeit in Zukunft gestaltet werden kann.

Als Strategieberatung begleiten wir Unternehmen mit kreativen Dienstleistungen, damit dort zukünftig Innovation und Wandel möglich werden.

Dabei ist uns aufgefallen, dass sinnstiftende Arbeit nicht nur jungen „Ypsilonern“ besonders gefällt. Auch andere Altersklassen freuen sich über neuen Wind am Schreibtisch!

Verantwortung übernehmen

Wir scheinen den Nerv der Zeit getroffen zu haben: Laut einer kürzlichen Studie des Gallup-Instituts machen mehr als 60 Prozent der deutschen Arbeitnehmer lediglich noch Dienst nach Vorschrift, 20 Prozent haben bereits innerlich gekündigt. Das sind 80 Prozent unglückliche Arbeitszombies! Ihnen allen würde eine Veränderung gut tun.

Und was macht meine Generation? Viel zu viele lassen sich in Berliner Start-ups als unbezahlte Praktikanten einstellen – mit der Hoffnung, der Kicker im Büro würde die neue Arbeitswelt einläuten. Oder sie bewerben sich auf den typischen Bürojob, um sich wenig ambitioniert an den Status Quo anzupassen – und sich dann beim Bier über den fehlenden Sinn im Job zu beschweren.

Intraprenör

Intraprenör
Die Gründer vereint: (von links) Jonas Seetge, Nina Meier-Hahasvili, Gregor Kalchthaler und Carsten Meier. Bild: Moussa Hakal

„Ich würde ja gern gründen, aber das traue ich mir nicht zu! Ist ja auch viel zu riskant.“ Immer wieder höre ich diese Aussage von Altersgenossen. Dann wird immer noch ein Satz wie „Aber ich finde es ganz toll, dass ihr euch das traut.“ hinterhergeschoben, der sich in seiner Tonalität irgendwo zwischen Bewunderung, Neid und Vogelzeig bewegt.

Ich sage: Meine Generation muss endlich Verantwortung übernehmen. Für die eigenen Entscheidungen, aber auch für den gesellschaftlichen Wandel. Wir sind es den 80 Prozent unglücklichen Arbeitszombies schuldig.

Tipps und wichtige Fragen für den Berufseinstieg

Ein erster Schritt dahin ist es, mehr Zeit in die Jobsuche zu investieren und herauszufinden, was man wirklich will. Auf der Webseite www.50wegezumjob.de haben wir Tipps und Tricks gesammelt, die Berufseinsteigern und -umsteigern dabei helfen sollen, eine Arbeit mit Sinn zu finden.

Ein zweiter Schritt muss es sein, Unternehmen von innen zu verändern. Dafür brauchen wir keine imposante Revolution, in der wir unsere Chefs mit Papierflugzeugen bewerfen. Viel mehr können wir die Arbeitswelt von innen umkrempeln, indem wir tagtäglich Entscheidungen hinterfragen, Verantwortung übernehmen, Gründergeist zeigen und querdenken. Unsere Revolution ist leise, aber wirkungsvoll. Ab an die Arbeit!

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