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Titel Diplomatie Im Job
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Diplomatie

Sanfter Siegen: 5 Tricks für Diplomatie im Job

Unser Arbeitsplatz ist zwar kein Kriegsschauplatz, aber auch hier stoßen täglich verschiedenste Menschen und Motive aufeinander. Wie Sie Ihren Berufsalltag diplomatischer bewältigen – wir verraten fünf Strategien vom internationalen Parkett.

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chon der berühmte preußische General Carl von Clausewitz wusste: „Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.” Damit es allerdings gar nicht erst zum Krieg – also zum offen ausgetragenen Konflikt – kommt, gibt es die Diplomatie. Auch in unserem Arbeitsleben kann ein diplomatischer Umgang den Weg für nachhaltige Beziehungen ebnen und Türen öffnen zu einem besseren Verhältnis mit Kollegen, dem Chef und mit Kunden.

Diplomatie ist mehr als aufgesetzte Höflichkeit, Taktieren und Etikette. Für die erfahrene Diplomatin Gerlinde Manz-Christ steht sie für: für eigene Positionen werben, Bewegung in festgefahrene Verhandlungen bringen, unangenehme Botschaften nett verpacken und erfolgreich Krisen vermeiden. Deshalb sei es wichtig, dass auch Arbeitnehmer und Chefs von den Erfahrungen von Diplomaten lernen. Wer leise siegt, statt lautstark Porzellan zu zerschlagen, kommt bei Kollegen und Chefs besser an.

Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann – nicht wie ein nasses Handtuch um den Kopf schlagen. Max Frisch, Schriftsteller

1. Freundliche Formulierungen wählen

Wenn etwas schief läuft, sind wir meist schnell bei Vorwürfen. Doch wie wäre es, stattdessen Fragen zu stellen? Nutzen Sie ebenfalls die Kunst des Humors. Er lockert Situationen auf. Und wer bei der Wortwahl diplomatisch bleibt, behält sich stets eine Hintertür offen. Niemals sollten Sie Gesprächspartner in die Enge treiben oder gar bloßstellen. „Diplomatie bedeutet, konsequent in der Sache sein, aber freundlich im Stil“, sagt der Buch-Autor Frank Naumann.

Statt „Sie machen das falsch“ kann man sagen: „Probieren Sie es doch mal so…“ Statt „Das ist zu teuer“ etwa: „Eine schöne Idee – aber auch eine kostspielige.“ Doch Vorsicht; setzen Sie die Formulierungen nur dosiert ein, warnt der Coach Christian Mueller http://karrierebibel.de/bloss-kein-smalltalk-wann-diplomatie-zum-jobrisiko-wird/. Ein Satz wie beispielsweise „Ich könnte mir vorstellen, dass es möglicherweise…“ wirke sehr unsicher und unglaubwürdig. Wer häufig so formuliert, sollte sich nicht wundern, wenn er nicht ernst genommen wird.

„Diplomatie: sich mit Fingerspitzen durchboxen.“ Claudia Brefeld, Aphoristikerin

Buch-Tipps zum Thema

Gerlinde Manz-Christ: Die Kunst des sanften Siegens – Erfolgreich in der Diplomatie, Goldegg-Verlag, 19,95 Euro

Frank Naumann : Die Kunst der Diplomatie: Zwanzig Gesetze für sanfte Sieger, rororo, 9,99 Euro

2. Mehr als die Sachebene sehen

Bereits der Erfinder der Fließband-Arbeit, Henry Ford, wusste: Wer zwei Hände einstellt, bekommt einen ganzen Menschen dazu. Egal, ob Angestellte oder Kollegen – wer den Menschen hinter der Rolle erkennt, wertschätzt und dessen Interessen ergründet, wird ihn auch besser einschätzen können. Autorin Gerlinde Manz-Christ betont, dass das nicht eine „gekünstelte Herzlichkeit“ meint, sondern ein aufrichtiges Interesse. Charismatische Menschen zum Beispiel hätten das Talent, „jederzeit ihre konzentrierte Aufmerksamkeit zu schenken und einem das Gefühl zu geben, als Person zu zählen.“

Diplomaten nehmen sich deswegen Zeit, Beziehungen zu pflegen. Das geht soweit, dass ganze Dossiers erstellt werden, wie sie beim Wikileaks-Skandal peinlicherweise an die Öffentlichkeit geraten sind („Teflon-Merkel“). Übertragen aufs Berufsleben bedeutet das: Wer den Menschen hinter der Rolle sieht, seine Lieblingsthemen und Herzensanliegen kennt, kommt auch auf der Sachebene besser zu den gewünschten Ergebnissen. Vieles entscheidet sich im Berufsleben über Sympathie. Und wenn eine stressige Phase mit Abgabedruck ansteht, sind es diese nachhaltig gepflegten Beziehungen, die den Stress abfedern und das Teamwork stärken.

„Die Pflicht des Diplomaten besteht in wechselseitigen und unaufhörlichen Konzessionen.“ Otto von Bismarck, erster Reichskanzler

3. Langfristig agieren

Ob ein Kontakt zu einem begehrten Kunden oder die essenzielle Hilfe von einem Kollegen aus einer anderen Abteilung: Menschen, die immer zur richtigen Zeit die nötigen Ansprechpartner kennen, haben jahrelang darauf hingearbeitet, berichtet die Diplomatie-Expertin Gerlinde Manz-Christ. Sie rät daher Chefs, Unternehmern und Angestellten, nicht nur in kurzfristigen Erfolgen oder Zahlen zu denken, sondern das große Ganze zu sehen. „Treffen Sie Menschen auch dann und hören Sie Ihnen zu, wenn Sie unmittelbar nichts von ihnen wollen.“

Doch gerade das fällt vielen in der heutigen schnelllebigen Business-Welt schwer. Zu sehr stehen kurzfristige Erfolge im Fokus. Lieferanten werden um Preise gedrückt, Mitarbeiter aus Gründen der „Flexibilität“ im Unklaren über ihre Zukunft im Unternehmen gelassen – das alles schadet am Ende den Beziehungen. Und gerade sie sind es, die im entscheidenden Moment den Ausschlag geben. In diesem Zusammenhang spielen übrigens die Kompromisse eine große Rolle. Sie helfen beiden Seiten, nicht bloßgestellt zu werden – besonders wichtig für Streitereien unter Kollegen, die sich schon morgen wieder über den Weg laufen werden.

Gespraech
Sagen Sie es sanft, raten Diplomaten auch fürs berufliche Parkett. Bild: Shutterstock

4. Positiv denken

Wo ein Problem ist, gibt es auch eine Lösung. Diese Haltung nennt Autorin Gerlinde Manz-Christ das „Erfolgsrezept der Diplomatie“. Diese Haltung helfe, in Ausnahme-Situationen Ruhe zu bewahren. Wer in brenzligen Situationen lösungsorientiert denkt und sich von Schwierigkeiten nicht unterkriegen lässt, gewinnt. Zudem bewirkt eine positive Grundstimmung auch nachweislich, dass etwas tatsächlich eher gelingt. Hierauf basiert zum Beispiel der Placebo-Effekt.

Einzige Ausnahme: Verhandlungen mit Parteien, die eine konsequente Nein-Haltung verfolgen und kein Stück von ihrer Maximal-Forderung abrücken. Hier, bilanziert die erfahrene Diplomatin, könne man so positiv denken, wie man wollte. „Wer nicht will, der will nicht.“

„Diplomatie ist gesunder Menschenverstand plus Höflichkeit.“ Richard R. Burt, ehemaliger Botschafter der USA in Deutschland

5. Klartext reden

Ein überraschender Tipp aus der Welt des diplomatischen Parketts mit dem berühmten „Jein“. Doch hinter den Türen sprechen Diplomaten durchaus offen an, worum es ihnen wirklich geht, berichtet Gerlinde Manz-Christ. Die Vorteile aus ihrer Sicht: Es wird keine Energie mit Nebensächlichkeiten verschwendet, und nur wenn Sachverhalte klar benannt werden, könne man sie lösen.

Doch in Unternehmen lähmen wabernde Konflikte ganze Abteilungen, haben Beschäftigte Angst vor Konkurrenz und scheuen sich sogar im Mitarbeitergespräch gegenüber ihren Vorgesetzten Tacheles (das auf das hebräische Substantiv „Ziel“ zurückgeht) zu sprechen. Doch erst durch Klarheit und Offenheit entsteht Bewegung, wissen Diplomatie-Experten und raten deshalb vor allem Vorgesetzten, eine Atmosphäre der Offenheit und des Vertrauens zu schaffen. „Probleme müssen auf den Tisch. Was immer es ist, es gehört besprochen.“

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