Titel Green City Solutions
Schmiegen sich harmonisch ins Stadtbild ein: die Sitzbänke mit Moosbank von Green City Solutions. Bild: Oslo Photo Tour
Serie: Made in Berlin

Ohne Moos nix los

Gegen Luftverschmutzung in der Großstadt: Die Gründer von „Green City Solutions“ entwickelten den ersten intelligenten Pflanzenfilter für saubere Luft zum Atmen – Sitzbänke mit Moos.

D

er erste warme Frühlingstag auf dem EUREF-Campus, wo sich innovative Unternehmen angesiedelt haben. Junge Menschen eilen ins Büro oder sitzen mit Laptops und Smartphones ausgestattet in der Sonne. Hier, mitten in Schöneberg, hat die Energiewende der Zukunft bereits begonnen. Große Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen suchen gemeinsam nach intelligenten Lösungen für die Stadt der Zukunft.

CityTrees reinigen die Luft

Vereinzelt sitzen Studierende der TU Berlin, die auf dem Campus ihre Vorlesungen haben, vor den Gebäuden am Fuße des Gasometers. Eine Holzbank, die zum Verweilen einlädt, ist hierbei besonders auffällig. In ihrem Rücken erhebt sich eine vier Meter hohe, grüne Fläche. Dass es sich dabei um einen hochmodernen, effizienten Luftfilter handelt, ahnen wohl nur die Wenigsten. „CityTrees“ heißen diese mit Moos bepflanzten Wände. Die Einzelteile werden europaweit gefertigt und dann an dem Ort, wo sie aufgestellt werden, zusammengebaut.

Gruender Green-city-solutions
Die vier Gründer vor ihrer Erfindung. Bild: Promo

Die weichen, grünen „Stadtbäume“ sehen nicht nur gut aus – sie sind echte Ökowunder: Jede Wand bindet Feinstaub, CO2 und Stickoxide und reduziert den Footprint so jährlich um bis zu 240 Tonnen an CO2-Äquivalenten. Das entspricht etwa der Filterleistung von 275 urbanen Bäumen. „Das Besondere ist zudem, dass Moose Schadstoffe aufnehmen und aufspalten“, erklärt Dénes Honus, einer der Gründer. „Bei einem Baum liegen die Gifte aus der Luft erst einmal auf den Blättern und können durch einen Windstoß leicht wieder hochgewirbelt werden.“

Natürliche Filter gegen Luftverschmutzung

Auf die Idee, Moos als natürlichen Filter gegen die städtische Luftverschmutzung einzusetzen, kamen Honus und seine drei Mitgründer 2013. Damals veröffentlichte die Technische Universität Dresden die Ergebnisse zu ihrer Grundlagenforschung, wie Pflanzen das Leben in Städten verbessern können. Ein Aspekt beleuchtete auch die gute Luftreinigungsleistung von Moosen. „Wir haben uns damals überlegt, wie wir diese theoretischen Ergebnisse praktisch nutzen könnten und starteten ein Forschungsprojekt“, sagt Dénes Honus.

Wir wollten die theoretischen Ergebnisse praktisch nutzen und haben daher das Forschungsprojekt gestartet. Dénes Honus

„Wir“, das waren er, Victor Splittgerber, Liang Wu und Peter Sänger. Die beiden gebürtigen Berliner Honus und Splittgerber kannten sich noch aus Schulzeiten und studierten damals an der TU Dresden – der eine Architektur und Urban Design, der andere Maschinenbau. Aus ihrem Freundeskreis kam Liang Wu mit einem Hochschulstudium in IT und Finanzen hinzu sowie über die HTW Dresden Peter Sänger, der Gartenbau und Biologie studierte. Als sie sich zusammenfanden, waren die Jungunternehmer gerade einmal Anfang bis Mitte 20 und wollten Lösungen für lebenswertere Städte finden.

Deutlich mehr Effizienz als Stadtbäume

Was als Universitätsprojekt begann, ist seit 2014 ein erfolgreiches Start-up mit rund 25 Mitarbeitern und dem Hauptsitz auf dem EUREF-Campus in Berlin. Rund 15 CityTrees stehen derzeit in sechs Ländern – in Deutschland, Frankreich, Belgien, Mazedonien, Norwegen und China. Italien und Großbritannien sollen im Mai folgen. Denn das Thema Luftverschmutzung spielt weltweit eine immer wichtigere Rolle.

Da kommen die Mooswände genau richtig: Sie filtern deutlich effizienter als Bäume, nehmen weniger Platz weg und sind zudem sehr viel günstiger. Zwischen 25.000 und 50.000 Euro kostet ein CityTree. Zum Vergleich: Ein neu gepflanzter Baum kostet etwa 3.000 Euro – mal 275, um die Filterleistung einer einzigen Mooswand zu erreichen.

Citytree Hauptbahnhof-berlin
In Berlin stand bereits eine Bank im Hauptbahnhof. Bild: Promo

Während für Passanten nur die 1.682 verschiedenen Moos- und Gefäßpflanzen außen an der Wand sicht- und fühlbar sind, verstecken sich die technischen Highlights im Inneren: Zu jedem einzelnen Gewächs führen Sensoren, die permanent deren Zustand messen und so überprüfen, ob das Moos Wasser, Salze oder Nährstoffe benötigt. Ist das der Fall, öffnet sich eine Klappe direkt am Wurzelwerk und versorgt gezielt nur die eine Pflanze mit allem Nötigen. Die Zufuhr erfolgt über Speicher im Inneren der Wand. Betrieben wird das System mit Strom, den die oben auf den CityTree befestigten Solarzellen produzieren. Bewässert wird mit Regenwasser, das die Wand auffängt und speichert. „Nur im Hochsommer, wenn es sehr trocken ist, muss der Wassertank mal manuell aufgefüllt werden“, erklärt Dénes Honus.

Der Clou an dem hochtechnisierten Baum: Alle Daten, die die Sensoren sammeln, übertragen sie in Echtzeit in die Cloud. So können die Betreiber sofort sehen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Erst dann muss jemand zur Wartung losgeschickt werden.

Hauptsitz der Firma ist Berlin

„Mit den CityTrees haben wir den ersten Luftreinigungskreislauf geschaffen“, sagt Dénes Honus. „Bei Wasser oder Müll ist es bereits selbstverständlich, gebrauchte Ressourcen zu recyceln. Bei Luft ging es bis jetzt hingegen immer nur darum, sie weniger zu verschmutzen, nicht aber, die verdreckte Luft gereinigt wiederzuverwenden.“

Citytree-gasometer Schoeneberg
Sowie am Gasometer in Schöneberg. Bild: Promo

Aktuell lassen sich die Gründer von Green City Solutions ihre CityTrees vom TÜV zertifizieren. Zudem wollen sie zukünftig den asiatischen Markt erschließen, denn dort herrscht vor allem in Großstädten dringender Bedarf an saubererer Luft. Der Wunsch, sich internationaler auszurichten und zu wachsen, war ein entscheidendes Argument, den Hauptsitz in Berlin anzusiedeln. „Wir möchten junge, talentierte und begeisterte Leute aus der ganzen Welt für unsere Firma gewinnen“, sagt Dénes Honus, „und Berlin ist auch für Menschen aus dem Ausland ein attraktiver Ort, um zu leben und zu arbeiten.“

Dass er zusammen mit Freunden gegründet hat, empfand Honus nie als Problem. Im Gegenteil. Gerade, wenn es stressig wird oder wichtige Entscheidungen anstehen, sei es hilfreich, wenn man sich gut kenne. Denn Green City Solutions hat ein ambitioniertes Ziel: Bis 2020 soll die erste Großstadt mit CityTrees über das gesamte Stadtgebiet ausgestattet sein. Aktuell macht sich Green City Solutions außerdem dafür stark, weitere CityTrees auf dem Euref-Campus und in ganz Berlin aufzustellen.

Weitere Informationen unter: greencitysolutions.de

Made in Berlin

Dieser Artikel ist Teil unserer neuen Serie „Made in Berlin”, in der wir spannende Geschäftsideen aus unserer Stadt vorstellen. Lesen Sie auch:

Den Erfolg in die Tasche stecken: Über die Lederwaren-Manufaktur „Mabba”
Apps made in Berlin: 7 attraktive Apps und Web-Angebote aus Berlin

Firmen & Märkte”: Mehr als 80.000 Firmenkunden vertrauen der Berliner Sparkasse für den eigenen Geschäftserfolg – vom Einzelhändler über kreative Start-ups bis hin zum etablierten Großunternehmen Hier erzählen wir ihre Geschichten und berichten über News aus der Arbeitswelt.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren