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10 Tipps: Wie Sie Ihren Chef führen
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10 Tipps

Cheffing: So führen Sie Ihren Chef

Den Chef mit ein paar simplen Kniffen zu lenken, kann die eigene Arbeit vereinfachen und angenehmer machen. Wie Sie Ihren Chef takt- und sinnvoll führen, verrät Ihnen unsere Autorin Pauline Krebs.

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ie Faustregel „Was der Chef sagt, wird gemacht – und nicht hinterfragt“ ist heutzutage kaum noch verbreitet. „Flache Hierarchien“, „Führung auf Augenhöhe“ und „konstruktive Kritik gewünscht“ hört sich ja auch viel attraktiver an. Dennoch, den eigenen Chef zu kritisieren, ist kein einfaches Unterfangen.

Die Lösung für solche Probleme nennt sich „Cheffing“ und meint, dass Angestellte ihren Boss im positiven Sinne beeinflussen. Dafür brauchen sie Fingerspitzengefühl, Courage und Geduld. Aber wenn sie wissen, wie es geht, kann „Führung von unten“ gut funktionieren – und das bringt sowohl Mitarbeiter als auch Vorgesetzte voran.

Cholerischer Chef
Ist Ihr Chef ein lauter oder leiser? Je nachdem unterscheiden sich die ersten Schritte. Bild: Shutterstock

1.Definieren Sie Ihren Chef-Typus

Zuerst sollten Sie genau herausfinden, wie Ihr Chef tickt. In ihrem Buch „Dance with the Boss“, in dem Monica Deters praktische Cheffing-Tipps erklärt, definiert sie unterschiedliche Chef-Typen und versieht sie mit Tanzbezeichnungen. Da gibt es den cholerischen Paso-Doble-Typ, der schnell gereizt ist und seinen Angestellten mit Stimmungsschwankungen das Leben schwer macht. Oder den langweiligen Blues-Typ, der keine Entscheidungen trifft. Wer seinen Chef charakterisiert, weiß wo es hakt.

2. Ändern Sie Ihre Sichtweise

„Cheffing bedeutet, nicht zu jammern oder zu resignieren, wenn es mit dem Vorgesetzten nicht läuft, sondern aktiv die eigene Situation zu verbessern“, sagt Martina Bandoly, Karriereberaterin und Coach. „ Sie können zu 99 Prozent davon ausgehen, dass Ihr Chef Sie mit seinem Verhalten nicht absichtlich ärgern möchte, sondern einfach nicht weiß, dass er Fehler macht.“ Deshalb sei es wichtig, eine andere Sichtweise einzunehmen: „Versuchen Sie, seine Position nachzuvollziehen, denn vielleicht hat er selbst Druck von oben oder ist unsicher.“

3. Keine plumpe Manipulation

Beim Cheffing geht es nicht um plumpe Manipulation oder Schleimerei. Ziel ist es, dass Sie zufriedener in Ihrem Job sind, ohne, dass jemand anderes – etwa Ihr Vorgesetzter – unzufriedener wird. Heinz-Jürgen Herzlieb, Coach, Strategieberater und Autor des Buches „Cheffing“, rät: „Die Grenze zwischen Einflussnahme und Manipulation ist schwer zu ziehen. Grundsätzlich sollte sich jeder fragen, ob es sich bei seinen Absichten wirklich um objektive Verbesserungen in der Zusammenarbeit handelt.“

Sich Dem Chef Empfehlen
Gute Eigen-PR ist keine leere Angeberei. Bild: Shutterstock

4. Schaffen Sie Vertrauen durch Selbstvermarktung

Damit Ihr Chef Verantwortung an Sie abgeben kann, muss er Ihnen vertrauen. Das funktioniert am besten, indem Sie zeigen, was Sie können, ohne dass er Sie als Konkurrenz sieht. Gute Eigen-PR ist keine leere Angeberei und sollte nicht nur Ihren Vorgesetzten sondern auch Ihre Kollegen erreichen. Hierzu sollten Sie sich zunächst darüber klar werden, wo Ihre Talente und wo Ihre Grenzen liegen, damit Sie erstere ausbauen und letztere verschieben können.

5. Machtkämpfe vermeiden

„Anstatt den Chef verändern zu wollen, müssen Sie ihn vielmehr mit all seinen Fehlern und Schwächen akzeptieren“, sagt Martina Bandoly. „Heftige Diskussionen oder Machtkämpfe helfen nicht. Da macht der Chef eher dicht, als sich von Ihnen beraten zu lassen.“ Stimmen Sie Ihrem Vorgesetzten beispielsweise zu und bringen Sie gleichzeitig Ihre Idee mit unter: „Das ist ein guter Plan. Vielleicht könnten wir außerdem…“

Buch-Tipps

Monica Deters : „Dance with the Boss: Wie Mitarbeiter ihre Chefs taktvoll führen“; Campus Verlag; 1. Aufl. 2015, 19,99 Euro

Heinz-Jürgen Herzlieb/Friedrich Ulrich : „Cheffing – Führen von unten“ Cornelsen Verlag; 2. Aufl. 2005, 16,95 Euro

6. Gehen Sie mit jedem Chef-Typus anders um

Ihr Chef fährt schnell aus der Haut, brüllt grundlos herum und alle ducken sich weg? Eine ungemütliche, vielleicht sogar ängstliche Arbeitsatmosphäre ist garantiert. Ein schwieriger Fall, der viel Fingerspitzengefühl benötigt. Heinz-Jürgen Herzliebs Tipp: „Versuchen Sie mal, diese Ausraster als Zeichen der Hilflosigkeit zu sehen. Möglicherweise ist Ihr Vorgesetzter überfordert und reagiert deshalb so aufbrausend. Setzen Sie ihn nicht zusätzlich unter Druck, sondern warten Sie ab, bis er sich wieder im Griff hat und ruhig wird. Klären Sie dann, was zu klären ist und lassen Sie ihn nicht merken, dass Sie ihn für einen Choleriker halten. Kommen die Wutausbrüche regelmäßig vor, können Mitarbeiter ihrem Vorgesetzten jedoch durchaus sagen, dass sie lieber in ruhigem Ton mit ihm reden möchten.“

7. Sprechen Sie Probleme an

Es klingt fast zu einfach, aber das Wichtigste Werkzeug des Chef-Lenkers ist Kommunikation. „Sprechen Sie Probleme direkt an, erklären Sie Ihre Situation, anstatt dem Chef Vorwürfe zu machen, und fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist“, sagt Martina Bandoly. „Bleiben Sie höflich aber bestimmt. Nehmen Sie mögliche Kritik an und hören Sie gut zu, denn Sie erwarten von Ihrem Chef das Gleiche.“

Angeber
Lassen Sie Ihren Chef die Lorbeeren einsammeln, selbst, wenn Sie maßgeblich zum Gelingen beigetragen haben. Bild: Shutterstock

8. Stellen Sie Ihren Vorgesetzten nicht bloß

Es hilft Ihnen nicht, Ihren Chef vorzuführen. „Selbst wenn er in einem Meeting Blödsinn erzählt, würde ich mir gut überlegen, ob ich ihm in diesem Moment widerspreche und ihn damit womöglich vor den Kollegen oder seinem Vorgesetzten blamiere“, sagt Strategieberater Herzlieb. „Fragen Sie lieber unter vier Augen noch einmal nach, wie das gemeint war und ob nicht etwas missverstanden wurde.“

9. Lassen Sie Ihrem Chef den Erfolg

Wenn etwas gut läuft, sollten Sie den Erfolg nicht für sich reklamieren. Lassen Sie Ihren Chef die Lorbeeren einsammeln, selbst, wenn Sie maßgeblich zum Gelingen beigetragen haben. Das ist oft der Preis, den Mitarbeiter beim Cheffing bezahlen, denn dafür haben Sie ja etwas anderes bekommen – etwa entspanntere Arbeitsabläufe oder eine bessere Kommunikation untereinander.

10. Lassen Sie sich nicht von Kollegen einspannen

Wenn Sie erfolgreich von unten führen, kann es schnell passieren, dass Ihre Kollegen Sie anders wahrnehmen. Einige sind eventuell neidisch auf Ihren Erfolg oder haben Angst, ins Hintertreffen zu geraten. Für viele andere werden Sie jedoch zum ersten Ansprechpartner, weil es immer noch einfacher ist, zu Ihnen zu gehen, als beim Chef vorzusprechen. Überprüfen Sie deshalb genau, ob diese Ideen auch in Ihrem Interesse sind und die allgemeine Zusammenarbeit verbessern. Ansonsten sollte der Kollege sich selbst beim Vorgesetzten platzieren.

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