Sieht harmlos aus, wetzt aber insgeheim das Messer: der Intrigant. Bild: Shutterstock
Mit nervigen Büro-Kollegen umgehen

Teil 6: Der Intrigant

Manche Büro-Kollegen machen uns den Arbeitstag richtig schwer. Wie Sie diese in ihre Schranken weisen – unsere Serie. Nach der Tratschtante und der Diva hat er sich heute nach oben geboxt: der Intrigant.

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ohl dem, der der Hauptfigur Francis Underwood in der Serie „House of Cards (HoC)“ in die Quere kommt. Der angehende US-Präsident schmiedet Intrigen, spielt seine Kontrahenten gegeneinander aus und schreckt sogar vor Mord nicht zurück, um ins Weiße Haus zu kommen.

Der machtgierige Politiker, den Schauspieler Kevin Spacey in der preisgekrönten US-Serie verkörpert, schafft es, sich mithilfe von Lügen, eiskalten Ränkespielen und klug fallen gelassener Äußerung in Richtung Präsidentschaftskandidatur zu intrigieren – und ist damit das Paradebeispiel unseres Intriganten.

Daran erkennen Sie den Intriganten

So amoralisch wie im Weißen Haus geht es im Büro wahrscheinlich selten zu. Dennoch hat ein intriganter Kollege das Potenzial, im Arbeitsalltag das Betriebsklima zu vergiften. Ehrgeizig versucht er, sein eigenes Interesse zu vertreten – ohne Rücksicht auf Verluste. Hierbei schafft er es, klug und unauffällig Kollegen zu manipulieren oder den Chef davon zu überzeugen, dass die positiven Leistungen von ihm stammen, die negativen jedoch auf ein anderes Konto gehen.

Der Intrigant ist ein Einzelkämpfer, umschmeichelt denjenigen, der ihm dienlich ist und hintergeht die Kollegen, die ihm im Weg sein könnten. Hierbei nutzt er gerne die Schwächen anderer aus und lässt diese gegenüber dem Vorgesetzten ganz nebenbei fallen. So spielt er verschiedene Personen gegeneinander aus. Da der Intrigant alles andere als plump ist, fällt es schwer, ihm auf die Schliche zu kommen. Oft genug tarnt er seine kleinen Attacken als Gefallen oder formuliert so geschickt, dass ihm eine beabsichtigte Böswilligkeit schwer nachzuweisen ist.

Das Positive am Intriganten

Es fällt schwer, dem Intriganten etwas Positives abzugewinnen, denn seine Absichten nehmen in Kauf, anderen zu schaden. „Man muss ihm zugute halten, dass er sehr intelligent ist – auch, wenn er dieses Talent unfair einsetzt. Um, im Hintergrund erfolgreich die Strippen zu ziehen, muss er geschickt und unauffällig handeln“, erklärt Ulrike Rheinberger, Coach und Organisationsberaterin in Berlin.

Weiß Rat gegen Intriganten: Coach Ulrike Rheinberger. Bild: Promo

„Sein Ehrgeiz treibt ihn an, mithilfe unlauterer Mittel im Unternehmen aufzusteigen. Er weiß jedoch immer genau, wem er sich wie gegenüber verhalten muss, um seine Ziele zu erreichen. Das heißt, gegenüber Vorgesetzten ist der Intrigant sehr smart. Gleichgestellte Kollegen lässt er hingegen ins Messer laufen.“ Gerade dieses Geschick und ihre narzisstische Energie sorgen dafür, dass Intriganten es häufig in hohe Positionen schaffen.

Die richtige Strategie

Um mit dem Intriganten umzugehen, bedarf es Feingefühl, warnt Coach Lea Vogel. „Die erste Reaktion wäre, zum Chef zu laufen und sich zu beschweren – oder mit ähnlich fiesen Mitteln zurückzuschlagen, wenn ich mitbekomme, dass jemand gegen mich intrigiert. Das ist menschlich, hilft aber vermutlich nicht weiter. Hier sollte man über seinen Schatten springen und versuchen, nachzuvollziehen, warum der Intrigant überhaupt so handelt.“ Ihrer Meinung nach entsteht das Bedürfnis, andere schlecht zu machen, aus einem Gefühl der Unzulänglichkeit heraus. Der Intrigant glaubt nicht daran, dass er es mit sauberen Mitteln nach oben schafft oder er fühlt sich schlichtweg übersehen. Die Kontrolle gewinnt er nur zurück, indem er Kollegen abwertet.

Versuchen Sie den Intriganten in seinen Motiven zu verstehen, rät Lea Vogel. Bild: Anna Wasilewski

„Versuchen Sie sich ehrlich, für ihn zu interessieren und dabei zu verstehen, warum er handelt wie er handelt“, rät Lea Vogel. „Haben Sie eine konkrete Intrige gegen sich selbst mitbekommen, sprechen Sie ihn offen an. Sagen Sie ihm, dass Sie nicht verstehen, weshalb er dies getan hat und fragen Sie nach einem Grund. So merkt er zum einen, dass Sie nicht alles mit sich machen lassen, zum anderen fühlt er sich nicht nur plump beschuldigt, sondern bekommt die Möglichkeit, seine Handlung zu erklären.“

Großzügig mit den Schwächen anderer sein

Sollte die direkte Ansprache unter vier Augen nicht helfen, muss die Führungskraft einbezogen werden. Hierbei ist Transparenz wichtig. Soll heißen, dass im Idealfall ein Gespräch zu dritt vereinbart wird. „In einem Unternehmen ist es auch Aufgabe des Vorgesetzten, dafür zu sorgen, dass Intrigen keinen Nährboden finden. Eine gute Führungskultur und Offenheit im Team sind hierfür wichtige Faktoren“, sagt Ulrike Rheinberger. „Manchmal heißt das auch, dass man sich selbst bremsen muss, um nicht mitzutratschen oder sich an Intrigen zu beteiligen. Wir sollten so ein Verhalten direkt ausbremsen und großzügig gegenüber den Schwächen anderer sein.“

Schwierig wird es, wenn die Führungskraft selbst dazu neigt, Mitarbeiter gegeneinander auszuspielen. Dann hilft es nur noch, sich im Team gegenseitig den Rücken zu stärken und offen miteinander zu reden. Wenn keiner die Spielchen mitspielt, verpufft der erhoffte Effekt des Strippenziehers. Die Kollegen profitieren gemeinsam davon, wenn sie ihren Chef im nächsten Team-Meeting konfrontieren – nicht mit Vorwürfen, sondern mit naiven Nachfragen, wer denn nun eigentlich welche Aufgabe habe und für wen welche Absprache gelte.

Nimmt der intrigante Vorgesetzte danach wieder einen Mitarbeiter zur Seite, um ihn zu manipulieren, sollte dieser sagen: „Alles klar, dazu bespreche ich mich noch einmal mit den Kollegen.“ Offenheit gräbt dem Intriganten das Wasser ab. Auch Frank Underwoods Ränkespiele funktionieren nur so lange, wie sie niemand der Betroffenen durchschaut.

Die Expertinnen:

Ulrike Rheinberger ist Coach und Organisationsberaterin. Sie berät Führungskräfte, Unternehmen sowie Teams und unterstützt sie bei ihren Erkenntnis- und Entscheidungsprozessen, www.peak8.de

Lea Vogel ist Coach und begleitet in ihren Beratungen Menschen in Krisen oder herausfordernden Situationen. Neben Führungskräfte-, und Einzelcoachings bietet sie Workshops & Trainings zur Stressbewältigung, der Burnout-Prävention sowie zur Stärkung des Selbstbewusstseins an, www.lea-vogel-coaching.de

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