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Titel Choleriker
Bild: Shutterstock
Serie: Mit nervigen Bürokollegen umgehen

Teil 2: Der Choleriker

Manche Büro-Kollegen machen uns den Arbeitstag richtig schwer. Wie Sie diese Kollegen in ihre Schranken weisen – unsere Serie. Nach dem ersten Teil über die „Mimose“ macht nun der Choleriker weiter.

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it wild herumfuchtelndem Zeigefinger, umgeben vom satten Grün des peruanischen Dschungels brüllt ein blonder Mann im weißen Anzug drauf los, was das Zeug hält: „Diesmal schlage ich dir in die Fresse, darauf kannst du dich verlassen Du!“

Daneben sitzen Ureinwohner des Stammes Machiguenga und blicken schockiert zu Boden, während der Tobsüchtige mit Beleidigungen wie „Du dumme Sau“ um sich wirft. Dieser Ausraster des berühmt berüchtigten Schauspielers Klaus Kinski bei den Dreharbeiten zu Fitzcarraldo ist mittlerweile legendär und auf YouTube immer noch zu sehen .

Choleriker Illu
Brüllt schnell, beruhigt sich aber auch genauso schnell wieder: der Choleriker. Bild: Shutterstock

Kinskis cholerischer Ausraster betraf den Produktionsleiter Walter Saxer, der während der gesamten Szene relativ ruhig blieb und den Star mit Sätzen wie „Du sollst Dich bitte benehmen“ noch weiter auf die Palme trieb. Nach fast vier Minuten Brüllerei intervenierte Regisseur Werner Herzog, der diesen Wutausbruch für kinskische Verhältnisse sogar noch als relativ milde einstufte.

Klaus Kinski gilt als Paradebeispiel des Cholerikers. Egal, ob der Kaffee zu heiß oder die Frage des Interviewers unpassend war, der Exzentriker konnte wegen Nichtigkeiten vollständig die Fassung verlieren und seiner Wut freien Lauf lassen. Eine Eigenschaft, die die Zusammenarbeit mit ihm bisweilen äußerst schwierig gestaltete.

So erkennen Sie den Choleriker

Der Begriff des Cholerikers stammt von dem altgriechischen Wort für Galle (cholé), denn laut einer damals verbreiteten Lehre hängt das dünne Nervenkostüm des Wüterichs mit einer dominierenden gelben Galle zusammen. Deshalb spuckt dieser zornige Mensch noch heute umgangssprachlich Gift und Galle. Das Temperament des Cholerikers bricht sich in unberechenbaren Wutanfällen Bahn, deren Auslöser meist Nichtigkeiten sind. Dann wird geschrien, gewütet und der Rest der Belegschaft beleidigt, was das Zeug hält – unbeherrscht und unsachlich. Es kann lange dauern, bis wieder Ruhe einkehrt und im Nachhinein hören Kollegen nur selten eine Entschuldigung für die Gemeinheiten, mit denen der Wüterich sie gerade bedacht hat.

Das Positive am Choleriker

Christoph Burger
Unser Experte ist kein Choleriker: Christoph Burger. Bild: Christoph Burger

„Cholerikern wird meist nachgesagt, dass sie sehr dynamische und energiegeladene Menschen sind“, weiß Christoph Burger, Karriereberater und Diplom-Psychologe. „Sie verfügen über eine hohe Leistungsbereitschaft sowie enorme Willens- und Antriebsstärke.“ Kein Wunder also, dass in Führungspositionen der ein oder andere Tobsüchtige auf einem Chefposten wiederzufinden ist. „Trotz dieser gemeinhin als positiv geltenden Eigenschaften kann es natürlich nicht sein, dass sich Choleriker vollkommen respektlos verhalten – egal ob im privaten oder beruflichen Umfeld“, so Burger.

Mehr zu unserem Experten:

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart. In seinen Büchern „ Der Zornkönig “ und „ Change! Wut in positive Energie umwandeln “ befasst er sich mit der Emotion Wut. Mit praktischen Beispielen erklärt er, warum Ärger ein wichtiges Signal ist und wie man mit ihm umgeht, um ihn als Motor zu nutzen.

Die richtige Strategie

In dem Moment, in dem der Choleriker ausflippt, ist er unzugänglich für sachliche Argumente. Aus diesem Grund sollte nicht noch weiter Öl ins Feuer gegossen werden, indem der Betroffene, auf den die Wut niedergeht, permanent Kontra gibt.

„Entspannen Sie die Situation, indem Sie nichts sagen, den Blick zur Seite wenden oder sich Notizen machen“, rät Christoph Burger. Auch ein kurzes zustimmendes ‚Hmmm’ könne helfen. Wenn der Reiz nicht weiter aktiviert wird, verpufft die Wut im Raum.

Sie können den Ausraster auch beenden, indem Sie den Raum verlassen. Schlagen Sie zum Beispiel vor, eine Pause einzulegen oder kurz frische Luft zu schnappen. Achten Sie jedoch darauf, dass nicht genau das der Trigger ist. Wenn sich Ihr Gegenüber über ihre vermeintlich zu langen Kaffeepausen aufregt, wäre dieser Vorschlag nicht die richtige Strategie.

„Wichtig ist, dass Sie während des Ausbruchs selbst ruhig bleiben. Zurückbrüllen hilft nicht“, sagt der Karriereberater. Auch wenn es schwer fällt, ist es ratsam, die Beleidigungen nicht persönlich zu nehmen. Innerlich Abstand halten, schützt vor Verletzungen.

„Nach einem solchen Wutanfall sollte das Verhalten zeitnah angesprochen werden. Notieren Sie sich hierfür genau, was der Choleriker Ihnen vorgeworfen hat, überlegen Sie sich, was davon gegebenenfalls einen berechtigten Kern hat und vielleicht auch, was genau ihn so auf die Palme gebracht hat“, sagt Christoph Burger.

„In einer ruhigen Minute bitten Sie um ein Gespräch. Erklären Sie zunächst, wo Sie inhaltlich zustimmen. Und sprechen Sie danach an, dass Sie sich in der Situation unwohl gefühlt haben. In jedem Fall sollte die Form der Meinungsäußerung im Büro thematisiert werden. Wo liegen die akzeptablen Grenzen? Vielleicht lässt sich ein Signalwort vereinbaren, das als Grenzhinweis funktioniert.“ Wenn das alles nicht hilft, bleibt nur der Gang zum Vorgesetzten.

Und was tun, wenn es sich beim eigenen Chef um eben jenen Schreihals handelt? Auch hier funktionieren die genannten Strategien. Ist der Wüterich jedoch unempfänglich für jede Ansprache, sollte ein Jobwechsel in Erwägung gezogen werden. Denn dauerhaft möchte sich niemand anbrüllen lassen.

Übrigens: Die Ureinwohner in der Kinski-Episode sind nach dem Wutausbruch auf den Regisseur zugekommen und hatten angeboten, den cholerischen Kinski für ihn zu töten. In ihren Augen hatte er durch seinen ungehemmten Gefühlsausbruch das Gesicht und damit jeglichen Respekt verloren. Im Büro muss niemand zur Machete greifen – aber letztlich killen Chorleriker ihr Ansehen vor den Kollegen im Grunde selbst.

Sie haben noch mehr nervige Bürokollegen? Wir haben noch ein paar Tipps parat für den Umgang mit
der Mimose
dem Miesepeter
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