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 Streberin
Ob als Mitschülerin oder als Kollegin: Mit ihrem Perfektionismus zieht sich die Streberin schnell den Groll ihrer Mitmenschen zu. Bild: iStock
Nervige Kollegen-Typen

Die Streberin

Manche Büro-Kollegen machen uns den Arbeitstag richtig schwer. Wie Sie diese in ihre Schranken weisen – unsere Serie. Diesmal: die Streberin.

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ie Bücher unter den Arm geklemmt eilt sie über den Schulflur, den Lehrplan hat sie bereits seit Wochen ausgearbeitet. Natürlich weiß die Filmfigur Elisabeth Schnabelstedt aus „Fack ju Göthe“ immer, was einen guten Lehrer ausmacht: „Einfühlungsvermögen, Vorbildfunktion und hohe Belastbarkeit.“

In ihrem Beruf möchte sie perfekt sein, schließlich wusste sie schon in jungen Jahren, dass sie Lehrerin werden möchte. Kein Wunder, dass die Referendarin Elisabeth Schnabelstedt mit der Problemklasse 10b nicht zurecht kommt – denn die Schüler erkennen sie nicht als Autorität an. Das treibt die unsichere Lehrer-Anwärterin, die von Karoline Herfurth verkörpert wird, regelmäßig zur Verzweiflung.

Elisabeth Schnabelstedt ist die typische Streberin, über die man schon zu Schulzeiten nur die Augen rollen konnte. Im schlimmsten Fall war sie nicht nur besserwisserisch, sondern hatte während der Klausur ihren Arm ganz unauffällig so positioniert, dass Abschreiben unmöglich wurde – schließlich sollte am Ende niemand so viele Punkte bekommen wie sie. Ein Verhalten, dass uns auch im Berufsleben immer wieder begegnet. Leider hilft es nicht, einfach den Ellbogen vom Tisch zu schieben. Im Umgang mit der Streberin ist vielmehr Gefühl gefragt.

Streber sind eigentlich unsichere Typen. Sie versuchen sich über ihre Leistung zu definieren. Maria Haller, Unternehmensberaterin

So erkennen Sie die Streberin

Frau Buecher
Sie meint es doch nur gut: Die Streberin will im Grunde nur alles richtig machen. Bild: Shutterstock

Immer möchte sie, dass alles korrekt und nach Plan abläuft – Perfektionismus ist ihr zweiter Vorname. Dabei geht es ihr vor allem darum, den Vorgesetzten zu gefallen, weshalb sie ihrem Chef niemals widersprechen würde. Von Kollegen wird die Streberin dafür oft belächelt, ist sie doch zu bemüht auf ihrer Jagd nach Lorbeeren. Aber es kann mit ihr auch richtig problematisch werden, denn sie duldet keine Konkurrenz. Bei Teamarbeiten mischt sie sich gerne in andere Aufgabenbereiche ein und hat für jeden einen Verbesserungstipp parat. Das nervt.

„Streber sind eigentlich unsichere Typen. Sie versuchen sich über ihre Leistung zu definieren“, sagt Unternehmensberaterin Maria Haller. „Durch ihre Verbissenheit sind sie kaum in ein Team zu integrieren und stehen sich deshalb meistens selbst im Weg.“ Häufig werden Streber durch ihr selbstbezogenes Verhalten zudem von den restlichen Kollegen geschnitten. Das wiederum führt dazu, dass sie sich noch stärker beweisen müssen – ein Teufelskreis, der die Stimmung im Alltag zu vergiften droht.

Das Positive an der Streberin

„Guckt man sich die Wortherkunft an, so ist eine Streberin ja zunächst nur ein strebsamer Mensch – und das kann gerade im Arbeitsumfeld durchaus als Kompliment verstanden werden. Wenn ich jemandem sage, er habe eine strebsame Mitarbeiterin, so lobe ich sie für ihre Geradlinigkeit und dafür, dass sie ihre Aufgaben gewissenhaft erledigt“, sagt Anna Karsch, systemische Beraterin und Prozessbegleiterin. Von einer Streberin kann der Vorgesetzte also immer die besten Ergebnisse erwarten, weshalb es sich lohnt, ihr auch knifflige Aufgaben zu übertragen. Außerdem könne die Bemühte ein Team durchaus voranbringen. Denn dadurch, dass sie immer die Beste sein möchte, verstärken Kollegen ihre Zielstrebigkeit ebenfalls, um den Anschluss nicht zu verlieren. Schwierig wird es, wenn es mehr als eine Streberin im Team gibt: „In der Beratung gelten Krabben beispielhaft als strebsame Tiere. Ein Krabbenbehälter muss nicht mithilfe eines Deckels verschlossen werden, denn keines der Tierchen wird es herausschaffen. Das Problem: Alle streben gleichzeitig nach oben und ziehen sich dadurch immer wieder gegenseitig runter. So ist es auch, wenn mehr als eine Streberin im Team ist“, sagt Anna Karsch.

Die richtige Strategie

Aber selbst eine Einzelne kann andere mit ihrer übergriffigen Art bereits herunterziehen. Was also tun? Ignorieren? Konfrontieren? Beim Chef beschweren? Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sagen die Expertinnen. „Die Streberin nimmt Kritik unglaublich persönlich, weshalb es schwierig ist, sie auf ihr anstrengendes Verhalten hinzuweisen“, sagt Maria Haller. „Sie fühlt sich in die Enge getrieben und kann cholerisch reagieren.“ Deshalb rät sie, das nervige Benehmen bestmöglich zu ignorieren und die Streberin für sich arbeiten zu lassen. Ihr Tipp: Nicht mit Informationen füttern, die nicht ihren direkten Tätigkeitsbereich betreffen, denn die könnte die Streberin im schlimmsten Fall gegen das eigene Team verwenden, um besser dazustehen. Falls Ignorieren nicht funktioniert, sollten Kollegen der Streberin eine Aufgabe geben, bei der sie ihrem Perfektionismus frönen kann.

Anna Karsch rät nicht dazu, das Fehlverhalten zu ignorieren. „Kollegen können die Streberin ruhig darauf ansprechen. Meistens ist es ihr unangenehm, schließlich möchte sie immer fehlerlos sein – auch im Umgang mit anderen. Da sie jedoch schnell gekränkt ist, sollten Sie etwas Geschick an den Tag legen. Begegnen Sie ihr zunächst mit Wertschätzung, indem Sie ihre gute Arbeit loben. Das stimmt die zutiefst an sich selbst Zweifelnde milde. Anschließend können Sie sagen: ‚Auch ich möchte meinen Teil zum guten Ergebnis beitragen. Das gelingt mir aber nicht, wenn du immer in meinen Bereich eingreifst oder mich bewusst von Prozessen ausschließt. Zusammen können wir das Beste erreichen.’ Sie wird kaum widerstehen können.“

In einem sind die Expertinnen sich einig: Eine Streberin ist nicht in der Lage, ein Team zu führen. Dazu fehlt ihr die nötige Empathie und die Bereitschaft, miteinander zu arbeiten. Aber wenn im Alltag jeder sein klar abgestecktes Aufgabenfeld bekommt, funktioniert es mit der Streberin zumindest innerhalb des Teams gut. Darf sie sich hierbei einer besonderen Herausforderung widmen, ist sie überglücklich und ihr Vorgesetzter kann sich über ein makelloses Ergebnis freuen.

Sie haben noch mehr nervige Bürokollegen? Wir haben noch ein paar Tipps parat für den Umgang mit

Unsere Expertinnen:

Anna Karsch ist systemische Beraterin und Prozessbegleiterin. Sie begleitet Klienten bei beruflichen sowie privaten Herausforderungen und unterstützt Teams dabei, den Umgang untereinander und somit den gesamten Arbeitsalltag zu verbessern. A.Karsch-Beratung@posteo.de (Homepage ist aktuell in Überarbeitung.)

Maria Haller ist Unternehmensberaterin. Sie bietet Team- und Einzelcoachings an, in denen sie Karrierefragen behandelt und Strategien für einen positiven Arbeitsalltag entwickelt. http://www.empacon-ctc.de

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