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Titel Miesepeter
Bild: Shutterstock
Mit nervigen Büro-Kollegen umgehen

Teil 4: Der Miesepeter

Manche Büro-Kollegen machen uns den Arbeitstag richtig schwer. Wie Sie diese in ihre Schranken weisen – unsere Serie. Nach dem Choleriker und der Tratschtante geht es weiter mit dem Miesepeter.

M

an muss nicht zwangsläufig Astronaut werden und in den Weiten des Alls forschen, um auf ein schwarzes Loch zu treffen. Mitten im Büro sitzt es und entzieht den Kollegen Energie und gute Laune: der Miesepeter. Im Umfeld des ewigen Schlechtmachers ist es schwierig, motiviert und glücklich zu arbeiten. Denn dass schlechte Laune und unfreundliches Verhalten ansteckend sind, ist wissenschaftlich erwiesen. Beide übertragen sich tatsächlich auf andere, wie Forscher der University of Florida jüngst herausfanden. Damit im Büro also nicht die heruntergezogenen Mundwinkel dominieren, sollten Sie sich für den Umgang mit den meckernden Energiefressern wappnen:

Daran erkennen Sie den Miesepeter

Den Miesepeter gibt es in verschiedenen Varianten – als zynischen Kommentator, schlecht gelaunten Grummler, beleidigte Leberwurst oder lautstarken Meckerer. Egal wie, er hinterlässt dicke Luft und verleidet anderen den Arbeitstag. Sätze wie „Das funktioniert sowieso nicht“, „Schon wieder kein Kaffee da. Die machen es einem absichtlich schwer“ oder „Dann sage ich halt gar nichts mehr, wenn meine Meinung hier nicht erwünscht ist“ begleiten den Übellaunigen durch seinen Tag.

Michaela Kemmerich
Unsere Expertin: Michaela Kemmerich, Beraterin und Coach für Freundlichkeit. Bild: Promo

Das Problem ist, er verleidet anderen den Arbeitstag. „Die negativen Kollegen bestimmen meistens das Betriebsklima”, bringt es Klaus Merg, Diplompädagoge, Personal- und Managementtrainer von Merg & More Consultants gegenüber der Welt auf den Punkt. Denn „es ist immer bequemer, sich von einer schlechten Atmosphäre herunter ziehen zu lassen. Andere Kollegen aufzumuntern ist anstrengend.“ Dauerhaft können Miesmacher so zur Belastung im Unternehmen werden.

Michaela Kemmerich arbeitet als Trainerin, Beraterin und Coach bei der Agentur für Freundlichkeit . Sie und ihr Team unterstützen Unternehmen dabei, einen positiven Umgang unter den Mitarbeitern oder mit den Kunden zu implementieren sowie die interne und externe Kommunikation zu stärken. Ein erster Ansatz ist hierbei immer der freundliche Umgang mit sich selbst.

www.agentur-fuer-freundlichkeit.de

Viele von ihnen waren allerdings nicht immer so schlecht gelaunt und pessimistisch. Sondern sie haben einmal sehr engagiert in ihrem Job angefangen, sind dann aber mit ihren Ideen immer wieder an Grenzen gestoßen. Deshalb haben sie resigniert oder sind zynisch geworden.

Die richtige Strategie

Kommunikation ist der Schlüssel im Umgang mit Kollegen – das gilt auch beim Miesepeter. „Nehmen Sie den Dauernörgler zur Seite und sprechen ihn auf seine schlechte Stimmung an“, rät Michaela Kemmerich von der Agentur für Freundlichkeit. Vorhaltungen sollten allerdings nicht fallen. Vielmehr helfen Sätze wie „Ich merke, dass es dir momentan nicht gut geht und die allgemeine Stimmung leidet. Woran liegt das und kann ich dich irgendwie unterstützen?“

„Wichtig ist, dass Sie konkret bleiben und genau nachfragen“, empfiehlt Beraterin Kemmerich. „Bringen Sie den Miesepeter von seinen Absolutismen weg. Wenn er also sagt: ‚Immer ist alles schlecht’ oder ‚Nie klappt etwas’, fragen Sie nach, was konkret schief läuft und welchen Lösungsansatz er vorschlagen würde.“ Es könne zudem helfen, den alles mies Machenden nach seiner Idealvorstellung zu fragen und sich dieser in kleinen Schritten zu nähern.

Im Meeting sollten Nörgler und Zyniker immer aktiv mit einbezogen und nach ihrer Einschätzung befragt werden, damit sie sich ernst genommen fühlen. Hier kann der Vorgesetzte zum Beispiel lobend hervorheben dass der Miesepeter vieles kritisch hinterfragt und betonen, dass er sich statt über eine Klappt-doch-eh-nicht-Haltung über die Entwicklung von Ideen und Lösungsansätze freuen würde. Denn dass schlechtgelaunte Menschen tatsächlich über eine bessere Entscheidungsfähigkeit verfügen, hat Joseph Forgas, Professor für Psychologie an der Universität von New South Wales in Sidney, in mehreren Studien bestätigen können. Gut Gelaunte hingegen tendieren zu blauäugigen Fehlentscheidungen, weil sie Situationen weniger strategisch angehen und Folgen weniger kritisch hinterfragen .

Schwierig wird es allerdings, wenn der Chef selbst mit schlechter Laune anderen die Energie raubt. In diesem Fall sollte man mit dem nächsthöheren Vorgesetzten darüber sprechen und gemeinsam überlegen, was zu tun ist. Ist das nicht möglich, wäre der beste Ansatz ebenfalls, lösungsorientiert zu bleiben und Verbesserungsvorschläge zu machen, wenn der Chef mal wieder „alles“ doof findet.

Studie: Schlechte Laune ist ansteckend

Forscher der University of Florida haben Beweise gefunden, dass schlechte Laune und unfreundliches Verhalten ansteckend sind und sich somit im Büro verbreiten können.

Zur Studie

Das tatsächlich Positive am Miesepeter

Können dauerhaft schlecht gelaunte Menschen etwas Positives an sich haben? Ja, meint Michaela Kemmerich, die davon ausgeht, dass jeder Mitarbeiter sein Team bereichern kann. „Miesepeter wissen manchmal gar nicht genau, woher ihr Missmut stammt. Das kann daran liegen, dass sie unausgesprochene negative Stimmungen im Team wahrnehmen. In einem solchen Fall sind sie ein gutes Barometer für Dinge, die schief laufen.“ Und sogar Zyniker haben ihr Gutes, denn sie hinterfragen häufig Vorschläge und Situationen, anstatt sich mit der ersten Idee zufrieden zu geben.

Sie haben noch mehr nervige Bürokollegen? Wir haben noch ein paar Tipps parat für den Umgang mit

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