Titel Diva
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Serie: Mit nervigen Bürokollegen umgehen

Teil 5: Die Diva

Manche Büro-Kollegen machen uns den Arbeitstag richtig schwer. Wie Sie diese in ihre Schranken weisen – unsere Serie. Nach dem Miese-Peter und der Tratschtante steht sie heute im Mittelpunkt: die Diva.

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ie legendäre Opernsängerin Maria Callas gilt als einer der ersten Mega-Stars der Opernszene. Doch eine Ausstellung in Verona zeigte kürzlich , dass die Callas nicht nur auf der Bühne, sondern bereits bei den Proben zur großen Diva werden und Dirigenten und Mitmusikern das Leben schwer machen konnte. Anschrei-Exzesse, Weinkrämpfe und abgebrochene Proben sind bei der gebürtigen Griechin und lebenslangen Perfektionistin an der Tagesordnung gewesen.

Daran erkennen Sie die Diva

Ursprünglich bedeutete der Begriff Diva nur die „Göttliche“ und galt vor allem Frauen, die für ihr herausragendes Talent als Sängerinnen oder Schauspielerinnen berühmt waren. Die Sehnsucht nach Anerkennung und das Wissen, etwas Besonderes zu sein, gelten bis heute als divenhafte Attribute. Mittlerweile schließt die Bezeichnung allerdings ebenfalls Hochmut, mangelnde oder schlicht fehlende Kritikfähigkeit und das große Drama mit ein. Die Diva – egal, ob männlich oder weiblich – gilt heute als ein selbstsüchtiger und anstrengender Zeitgenosse. Vor allem im Büro wird das zur Herausforderung, denn sie ist weder Teamplayer, noch übernimmt „Die Göttliche“ Aufgaben, für die sie sich „zu schade“ fühlt.

Maria Callas
Da lächelt sie noch: Die Opernsängerin Maria Callas konnte einem Orchester die Proben zur Hölle machen. Bild: gemeinfrei

„Die Diva ist der Meinung, dass für sie aufgrund ihrer Besonderheit andere Regeln gelten als für Normalsterbliche. Interessanterweise ist dieses nach außen dargestellte große Ego grundsätzlich mit einem Gefühl relativer Unzulänglichkeit gekoppelt“, erklärt Guido Fiolka, Gründer des Coaching Center Berlin. „Diven haben ein idealisiertes Selbstbild, dem sie nie gerecht werden können, weshalb sie oft unzufrieden mit sich selbst sind.“

Zumeist sei der Kern hierfür bereits in Kindertagen durch die Eltern gesät worden, die ihrem Nachwuchs einreden: Du bist ein Ausnahmetalent und kannst alles erreichen. Klar, dass dieses Kind sich von anderen nicht wertgeschätzt fühlt und auf Kritik beleidigt oder schnippisch reagiert. „Diven sind schnell gekränkt“, warnt Coach Fiolka.

Unser Experte

Guido Fiolka ist Coach für Unternehmer und Führungskräfte in Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien sowie Gründer des Coaching Centers Berlin. Neben Einzel-Coachings und Coaching-Ausbildung stehen hier vor allem die Themen Teamentwicklung und Karriere im Vordergrund. Weitere Informationen unter: www.coachingcenterberlin.eu

„Häufig haben sie gleichzeitig etwas Melancholisches an sich, das andere nicht sofort wahrnehmen. Denn sie fühlen sich in ihrer Besonderheit und mit ihren hohen Ansprüchen allein.“ Das große Drama ist auch deshalb ihr ständiger Begleiter – eine Eigenschaft, die im Arbeitsalltag viel Zeit und Aufmerksamkeit kostet.

Das Positive an der Diva

„Ihr Ego und ihr Hang zur Selbstdarstellung können einem Unternehmen dennoch nutzen“, weiß Coach Susanne Zahn. „Die Diva sucht die große Bühne – geben Sie ihr den Raum. Gerade bei Präsentationen kann sie punkten, denn sie wird dank ihrer hohen Ansprüche immer ihr Bestes geben.“ Mit Perfektionismus und Ehrgeiz hängt die Bewunderungssüchtige sich voll rein, ihre Aufgaben möglichst gut zu erledigen. „Oft haben Diven zudem einen außerordentlich gutes Gefühl für Stil, sind charismatisch und beeindrucken Außenstehende durch selbstsicheres Auftreten“, fügt Guido Fiolka hinzu.

Unsere Expertin

Die studierte Psychologin Susanne Zahn ist Trainerin, Mediatorin und Coach. Sie berät Einzelpersonen, Führungskräfte sowie Teams und arbeitet unter anderem mit der Mental-Meridian-Methode, um Ängste und Blockaden abzubauen. Weitere Informationen unter: www.konfliktcoaching-berlin.de

Die richtige Strategie

Nein, einfach macht die Diva es ihren Kollegen und Vorgesetzten nicht. Aber mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich sogar „La Grande Dame“ zähmen. Wichtig sei zunächst, Verständnis für sie aufzubringen, empfiehlt Susanne Zahn. „Die Diva ist nicht bösartig, sie ist sich selbst einfach die Nächste. Das heißt, andere sollten Zickereien nicht auf sich beziehen, sondern ihnen mit mehr Gleichmut begegnen – auch, wenn das schwerfällt.“ Statt die Diva für ihr Verhalten zu rügen, sei es sinnvoller, auf der Bedürfnisebene zu argumentieren und ihr zu erklären, wie man sich selbst fühlt, wenn sie einen übergeht oder sich wieder einmal aufplustert.

„Sie können auch mal ‚Nein‘ sagen, wenn die Diva Sie um etwas bittet. Verdeutlichen Sie: Du hast mich doof behandelt, deshalb habe ich jetzt keine Lust, dir zu helfen. Das wird die Diva zunächst kränken, aber sie wird sich damit beschäftigen – schließlich will sie keinen ihrer Fans verlieren.“ Ganz wichtig sei es, ergänzt Zahn, sich klarzumachen, dass die Göttliche sich nicht von heute auf morgen verändern wird. „Um das Muster zu durchbrechen, müssen Sie ihr hin und wieder einen Hinweis geben, wenn ihr Verhalten das Team vor den Kopf stößt.“

Kritik gehört allerdings immer nur ins Vier-Augen-Gespräch – wer die Diva öffentlich rügt oder bloßstellt, provoziert eine vorgeschobene Unterlippe oder sogar eine komplette Arbeitsverweigerung. Auch an ernst gemeintem Lob darf nicht gespart werden, denn danach sehnt sich die Diva am meisten.

Einen Rat hat Guido Fiolka abschließend noch : „Wenn möglich, holen Sie sich maximal eine Diva ins Team – denn nichts ist anstrengender, als zwei Mitarbeiter, die um Bewunderung buhlen. Dann ist der nächste Akt des Dramas für alle vorprogrammiert.“

Sie haben noch mehr nervige Bürokollegen? Wir haben noch ein paar Tipps parat für den Umgang mit

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