Newsletter abonnieren
Titel Bewegtes Buero
Bild: Shutterstock
Rückenschmerzen vermeiden

Wer länger sitzt, ist früher tot

Wir Menschen sind nicht dafür geschaffen, den ganzen Tag zu sitzen. Die Folge: Rückenschmerzen, eine der häufigsten Krankheitsgründe für Büroangestellte. 9 Tipps, wie Sie mehr Bewegung ins Büro bringen.

S

itzen ist das neue Rauchen“, bringt es der Kölner Sportwissenschaftler Boris Feodoroff auf den Punkt. In Studien hat er ermittelt, wie wenig unser Körper dafür geschaffen ist, mehrere Stunden am Stück zu sitzen. Die Folge: Rückenschmerzen, eine der häufigsten Krankheitsgründe für Büroangestellte.

Laut DAK-Gesundheitsreport 2018 sind Rückenschmerzen die zweithäufigste Einzeldiagnose für Krankschreibungen. Jeder siebte Arbeitnehmer leidet bereits drei Monate oder länger darunter. Auf alle Erwerbstätigen hochgerechnet rund 35 Millionen Ausfalltage im Job.

Mehr Bewegung bedeutet mehr Wohlbefinden

Studien aus den USA und aus Australien haben ergeben, dass bereits mehr als vier Stunden Sitzen täglich die Wahrscheinlichkeit für chronische Erkrankungen signifikant erhöht. Ab zwölf Stunden sinkt die Lebenserwartung deutlich. Wer länger sitzt, ist früher tot – könnte man gar überspitzt sagen.

Mehr Bewegung im Büro sorgt folglich für einen gesunden Rücken und somit mehr Leistung und Wohlbefinden. Viele Arbeitgeber haben das erkannt und investieren in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. So bringen Sie selbst mehr Bewegung in Ihren Bürotag:

1) Der richtige Stuhl

Stuhl bei Serviceplan
3D-Stuhl bei Serviceplan: Er hält den Körper auch beim Sitzen in Bewegung. Bild: Achim Hehn

Wer rastet, der rostet – das gilt insbesondere für unsere Rückenmuskeln. Ergonomische Stühle (3D-Stühle) halten unseren Körper auch beim Sitzen in Bewegung. Wir werden zu Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsbewegungen animiert und das Becken kann in alle Richtungen rotieren. Die Hüfte wird so mobilisiert und selbst die tiefe Rückenmuskulatur stimuliert. Die häufige Bewegung sorgt für eine Stabilisierung der Wirbelsäule und verringert die Gefahr von Rückenschmerzen.

Wichtig ist, dass der Stuhl, ob ergonomisch oder nicht, richtig eingestellt ist. Höhe, Lehne und Armlehnen müssen zu Ihrem Körper passen. Auch die richtige Sitzposition ist ausschlaggebend: Arme, Beine und Blickrichtung sollten im rechten Winkel und der Monitor passend ausgerichtet sein.

2) Höhenverstellbare Tische

Wer sich ab und an zum Arbeiten an den Schreibtisch stellt, sorgt für mehr Bewegung und somit einen gesünderen Rücken. Manche Büros setzten flächendeckend auf höhenverstellbare Tische. So wird jedem Arbeitgeber die ideale Position seines Tisches ermöglicht. Egal, ob dem 1,90-Mann oder einer kleineren Person. In anderen Büros gibt es einzelne Stehtische, an die die Mitarbeiter ausweichen können, um ein paar Stunden dem Schreibtischstuhl zu entfliehen.

Ein Wackelbrett trainiert den Gleichgewichtssinn und die Koordination. Gleichzeitig werden Muskeln im ganzen Körper beansprucht.

3) Für mehr Balance: Das Wackelbrett

Noch effektiver lässt sich das Arbeiten am Stehtisch mit einem Wackelbrett („Balance-Board“) gestalten. Das kreisrunde Brett hat an der Unterseite eine Halbkugel. Wer sich auf das Brett stellt, trainiert seinen Gleichgewichtssinn und Koordination – gleichzeitig werden Muskeln im ganzen Körper beansprucht. Den ganzen Tag lässt es sich sicher nicht auf dem Balance-Board arbeiten, aber für etwas Abwechslung zum Sitzen ist das Brett eine gute (Ausgleichs-)Möglichkeit.

4) Sport im Büro

Sportraum bei Ströer
Sportraum bei Ströer: Bewegung für zwischendurch. Bild: AKIM Photography

In vorbildlichen Unternehmen stehen den Mitarbeitern ganze Sporträume zur Verfügung. Wo bei den einen ein Pingpong-Tisch für Bewegung und für Spaß zwischendurch sorgt, haben die anderen Räume mit Kletterwänden, Klimmzugstangen oder gar Laufband-Arbeitsplätze. Sportfans sind begeistert – doch die Unternehmen müssen auch Duschen bereitstellen.

5) Der sportliche Arbeitsweg

In London oder New York völlig normal: Arbeitnehmer bauen ihren Sport in den Arbeitsweg ein. Einfach Laufsachen anziehen, die Arbeitskleidung in den Rucksack packen und zur Arbeit sprinten. Das geht wunderbar, wenn das Wetter mitspielt – und auf der Arbeit die besagte Dusche wartet. Oder Sie fahren alternativ mit dem Fahrrad zur Arbeit oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und steigen eine Station früher aus, um ein paar Schritte zu gehen.

6) Stehungen statt Sitzungen

Stehung
Stehungen statt Sitzungen: dauern auch meistens viel kürzer. Bild: Shutterstock

Wieso nicht einmal die nächste Besprechung im Stehen machen? Lange Sitzungen, auch im buchstäblichen Sinn, machen müde und antriebslos. Die Zeit schleicht zäh dahin. Wer steht und sich bewegt, bleibt aktiv – sowohl körperlich als auch geistig. Einfach beim nächsten Termin einmal ausprobieren, es wirkt Wunder!

„Nur wer die Neuerungen auch richtig versteht, kann sie entsprechen nutzen. Einfach etwas hinstellen ohne Erklärung, das funktioniert nicht“ Axel Schörner, Serviceplan Agenturgruppe

7) Als Unternehmen Gesundheit vorleben

Im Haus der Kommunikation in Berlin hat die Serviceplan Gruppe, die größte inhaber- und partnergeführte Agenturgruppe Europas ein Büro geschaffen, das sich dem Thema „Bewegung und Gesundheit im Büro“ vorbildlich widmet. Zusammen mit designfunktion, einem der führenden Einrichtungs- und Planungsunternehmen Deutschlands für Arbeits- und Wohnwelten, wurden in der ehemaligen Charité-Frauenklinik viele der bisher genannten Möglichkeiten umgesetzt.

7) Als Unternehmen Gesundheit vorleben

Höhenverstellbare Schreibtischsysteme der Holmris Group wurden flächendeckend an jedem Arbeitsplatz eingeführt. So hat jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, den Tisch nach seinen Vorlieben zu nutzen und auf seine Größe einzustellen. Alle Mitarbeiter haben ergonomische Stühle und an Gesundheitstagen wird die richtige Einstellung des Arbeitsplatzes von Monitor bis Stuhl erklärt und angepasst.

Buero Serviceplan
Im Büro von Serviceplan: Die Mitarbeiter werden über gesundheitliche Neuerungen ausführlich informiert. Bild: Achim Hehn

Axel Schörner, Leiter des Facility Managements der Serviceplan Agenturgruppe freut sich, dass vor allem die Stühle besonders gut angenommen werden. „Wir habe den Angestellten vorab erklärt, wie die Stühle funktionieren und dafür einen Film gedreht. An jedem Arbeitsplatz gab es einen Flyer mit dem QR-Code zum Erklärfilm“. Nur wer die Neuerungen auch richtig versteht, kann sie entsprechen nutzen. „Einfach etwas hinstellen ohne Erklärung, das funktioniert nicht“, weiß Schörner aus Erfahrung.

8) Activity Based Working

Die beste Möglichkeit im Büro für Bewegung zu sorgen ist laut Facility-Manager Schörner das „Activity Based Working“: „Wir haben bereits damit angefangen und wollen vermehrt in die Richtung, dass Mitarbeiter die unterschiedlichen Tätigkeiten im Laufe des Tages oder der Woche an passenden Orten ausführen“. Neben klassischen Sitzarbeitsplätzen für Schreibarbeiten gibt es „Lounge Corner“ als Raum-in-Raum-Modelle mit Sesseln für eine kreativitätsfördernde Atmosphäre.

Telefonzellen ohne Hocker, in denen man im Stehen Telefonate führt, Bereiche mit ausschließlich Stehtischen oder Räume für Meetings ohne Sitzmöbel wären laut Schörner sinnvolle Erweiterungen, um die Bewegung im Büroraum zu fördern. „Manche neue Ideen stoßen vielleicht am Anfang auf Ablehnung, doch wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt neue Konzepte zu testen. Nach einigem Ausprobieren finden die Mitarbeiter schnell Gefallen daran.“

9) Abschied vom klassischen Büro

Auf Multispaces setzt auch die STRÖER-Gruppe. Klassische Büroräume wechseln sich im Berliner Büro mit offenen Raumkonzepten ab. Der Mitarbeiter hat die Wahl, ob er sich zurückziehen oder sich in offenen Räumen austauschen will.

Floatingboxen Stroeer Berlin
Floating-Boxen bei STRÖER als Rückzugsorte. Bild: AKIM Photography

Mithilfe von designfunktion hat STRÖER mehrere Floating-Boxen entwickelt, in denen man auf Sitzsäcken entspannen, sich zurückziehen oder austauschen kann. Für Bewegung sorgen die Tischtennisplatte und ein Sportraum mit Kletterwand, Boxen und Sportgeräten, die sowohl zum Dehnen und Strecken aber auch als Sitzgelegenheiten beim Meetings genutzt werden können.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren