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Schlauer als gedacht – Fünf Gründe, warum Sie mehr auf Ihr Bauchgefühl hören sollten
Bild: Shutterstock
Tipps für den Job

Schlauer als gedacht: 5 Argumente für das Bauchgefühl

Im Berufsleben müssen wir immer wieder weitreichende Entscheidungen treffen. Auf der Suche nach einer Lösung vertrauen viele Menschen dabei auf Ratgeber in ihrem Umfeld oder teure Coaches. Dabei schlummert der beste Berater in uns: das Bauchgefühl. Immer mehr Studien belegen, warum wir gut daran tun, mehr auf unser „zweites Gehirn“ zu hören.

1. Der Bauch hat einen direkten Draht zum Gehirn

Das Bauchgefühl ist mehr als eine Redensart, denn unser Darm beeinflusst nachweislich das Gehirn. Mehr als 100 Millionen Nervenzellen sind im Magen-Darm-Trakt vorhanden und über den „ Vagus-Nerv “ – den längsten Nerv des menschlichen Körpers – direkt mit dem Gehirn verbunden. Der Vagus entspringt im Hirnstamm, schlängelt sich mit unzähligen Verästelungen durch den gesamten Bauchraum und reguliert so die Tätigkeit fast aller inneren Organe. Interessant ist allerdings, dass 80 Prozent der Nervenfasern nur in eine Richtung verlaufen: vom Darm zum Hirn. Der Bauch sendet demnach mehr Informationen an den Kopf als umgekehrt – und verursacht dadurch ein Gefühl, das wir als Intuition kennen.

Bauch
Ob dick oder schön flach: Der Bauch steht mit dem Gehirn über wichtige Nervenstränge im direkten Austausch. Bild: Shutterstock

2. Ein Leben nach dem Bauchgefühl macht selbstbestimmt

Jeder Mensch hat ein Bauchgefühl – aber nicht jeder hört darauf. Dabei könnte genau das bei weitreichenden Entscheidungen besser helfen. Wer stärker auf sein Inneres hört, lernt sich besser kennen und merkt, was zu einem passt – und was nicht. Das beschreibt Jan Becker in seinem Buch „Das Geheimnis der Intuition – Wie man spürt, was man nicht wissen kann“. Der Berliner stellt mehr Zufriedenheit und ein selbstbestimmteres Leben in Aussicht. Denn statt auf die Konventionen oder Meinungen anderer zu vertrauen, gar noch viel Geld für teure Coaches auszugeben (die zudem ihre eigenen Interessen verfolgen) hört man auf sich selbst. „Das macht langfristig stark und selbstbewusst“, prognostiziert Jan Becker, der selbst nach dieser Maxime lebt. Zudem machen Entscheidungen glücklich. Versuche des US-amerikanischen Psychologen Mauricio Delgado haben ergeben, dass Menschen auch mit schlechten Situationen besser umgehen können, wenn sie eine Wahlfreiheit haben. Allein die Aussicht, aus freien Stücken eine Option wählen zu dürfen, aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn.

3. Intuition ist angeboren

Fliehen oder angreifen? Schon unsere Vorfahren mussten sich in bestimmten Situationen blitzschnell entscheiden. Von ihren Erfahrungen profitieren wir noch heute, denn viele davon sind in unseren Genen verankert. Gerade, wenn es um bedrohliche Situationen geht, reagiert der Körper bereits, bevor im Bewusstsein angekommen ist, dass etwas schief läuft. Ähnlich intuitiv verhält es sich mit schwangeren Frauen. Sie wissen oft genau, welche Lebensmittel sie und das ungeborene Kind brauchen und welche schädlich sind. Experten sprechen hier von „intuitivem Wissen“, das von Generation zu Generation vererbt wird. Das geht sogar so weit, dass Genforscher in Experimenten mit Mäusen nachweisen konnten, dass Erfahrungen sogar bereits an die nächste Generation weitervererbt werden. Forscher der Emory University School of Medicine in Atlanta haben Mäuse regelmäßig beängstigende Erfahrungen machen lassen und die Nager zeitgleich Kirschblütenduft ausgesetzt. Das Verblüffende: Auch die Kinder und Kindeskinder der Nager reagierten intuitiv mit Furcht auf den Kirschblütenduft.

Entscheidungsfindung
Die richtige Entscheidung finden; oft weiß es der Bauch schneller als der Kopf. Bild: Shutterstock

4. Unser Bauchgefühl weiß als erstes Bescheid

Ein klassisches Beispiel für ein körperliches Warnsignal ist der Burn-Out. Ihm gehen meist Symptome wie Erschöpfung, Schwindel oder Zittern vor – körperliche Signale, mit denen uns unser Körper warnt: Hier stimmt etwas nicht. Wer also stets mit Bauchgrummeln ins Büro fährt, sollte sich einmal fragen, ob der Job wirklich noch der richtige ist. Der portugiesische Neurowissenschaftler António Damásio stellte die Theorie auf, dass alle Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens sammelt, in einem emotionalen Erfahrungsgedächtnis abgespeichert werden. Dieses Gedächtnis teilt sich in Entscheidungssituationen über ein körperliches Signalsystem – den „somatischen Marker“ – mit. Das Signal äußert sich unterschiedlich. Es kann eine körperliche Reaktion sein, etwa in Form eines Kribbelns auf der Haut, eine emotionale, beispielsweise, wenn einen plötzlich das Gefühl der absoluten Sicherheit überkommt, oder auch als Gedankenblitz im Kopf, der etwas klar und hell erscheinen lässt. Wer das spürt, sollte Obacht geben.

5. Intuition macht kreativ

Ohne Kreativität wäre das Flugzeug nicht erfunden worden. Es waren die Querdenker, die der felsenfesten Überzeugung im Kopf „Der Mensch ist fürs Fliegen nicht gemacht“ abschwörten und mit abstrusen Gerätschaften vom Boden abhoben. Kreativität beruht darauf, um die Ecke zu denken, seiner Phantasie freien Raum zu lassen, kurzum: Kreativität basiert auf Intuition. Das wussten bereits berühmte Köpfe wie Aristoteles („Intuition ist die Quelle wissenschaftlicher Erkenntnis“) und Albert Einstein („Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen“). Doch wie gelingt uns die Umsetzung im Arbeitsalltag? Buch-Autor Jan Becker rät dazu, Dinge zu tun, die uns Spaß machen. Wer seiner Leidenschaft folgt, der ist in seiner Arbeit auch erfolgreicher. „Sind wir begeistert, überträgt sich das auf unser Unterbewusstsein“, schreibt Becker. „Das bringt immer wieder neue Einfälle hervor.“ Wer sich also im Arbeitsalltag locker macht und einfach mal die Dinge vorzieht, die Spaß bereiten, statt penibel die To-do-Liste abzuarbeiten – der fährt auf lange Sicht erfolgreicher.

Und wer jetzt doch skeptisch geblieben ist: Schlafen Sie mal eine Nacht drüber. Der Hirnforscher Gerhard Roth rät, über wichtige Entscheidungen ein, zwei Nächte zu schlafen. Das bringe die rationalen Erwägungen im Kopf und emotionales Entscheidungswissen am besten in Einklang.

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