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Titel Kinder Arbeiten
Nebenjob im Café: Für unter 18-Jährige gelten besondere Arbeitszeiten. Bild: iStock
Jobben neben der Schule

Wenn Kinder und Jugendliche arbeiten

265.000 Kinder und Jugendliche haben 2017 in Deutschland neben der Schule gejobbt. Die einen aus Spaß an der Abwechslung – die anderen, weil sie das Geld brauchen. Welche Möglichkeiten bietet der Sommerferien-Markt? Was ist erlaubt – und wo sagt der Gesetzgeber: “Vorsicht, Kinderarbeit!”?

S

ie leihen Hauptdarstellern von Hollywood-Filmen wie zum Beispiel „Wunder“ ihre Stimme, sie bringen Helden von TV-Serien wie „Young Sheldon“ zum Sprechen: die Kinder der Agentur Kinderstimme. Hier können Kinder als Synchron-Sprecher gebucht werden.

Kind Beim Film
Ob vor oder hinter der Kamera: Die Medien-Branche macht Kleinen großen Spaß. Auch hier gelten besondere Gesetze. Bild: iStock

Die langjährige Aufnahmeleiterin Antonia Thönißen hat die Agentur 2016 gegründet, nachdem sie die Veränderungen in der Medienwelt hautnah miterlebt hat: „Die Branche wird immer schnelllebiger. Eltern bekommen oft gar nicht mehr richtig mit, welche Projekte ihre Kinder gerade auf dem Tisch haben. Dem wollte ich entgegen wirken und ein Umfeld schaffen, in dem sich die Kinder und ihre Eltern geschützt und behütet fühlen.“

Jobs mit Spaß – Achtung, Jugendschutzgesetz

Ein Job, der kleinen Sprechern großen Spaß bereitet. Der Gesetzgeber versteht hier keinen Spaß: Das Jugendschutzgesetz und die Kinderarbeitsschutzverordnung legen klare Regeln rund um Tätigkeit, Alter und Arbeitszeiten fest. Doch in Berlin gibt es zahlreiche mediennahe Tätigkeiten, die dank Sonderbestimmungen bereits ab einem jungen Alter ausgeübt werden können.

„Die Kinder sollen die Tätigkeit unbedingt als Hobby betrachten, nicht als Arbeit.“ Antonia Thönißen, Agentur „Kinderstimme“

Letztendlich entscheiden aber die Eltern. Diese sind auch zuständig für die Verwaltung der Aufwandsentschädigungen, die ihre Sprösslinge für die Aufnahmen erhalten. „Viele legen relativ schnell ein Konto für ihr Kind an, auf das dann der Großteil des Geldes eingezahlt wird. Kleine Kinder freuen sich ja schon, wenn sie sich nach einer Aufnahme ein Eis von ihrem selbst verdienten Geld kaufen können und wissen gar nicht, wie viel sie eigentlich bekommen haben.“

Zeitung Austragen
Mit kleinen Jobs können Jugendliche auf große Ziele sparen. Bild: Shutterstock

Je älter Kinder werden, desto mehr gerät der finanzielle Aspekt in den Vordergrund, und so werden die Kinder peu a peu an den Umgang mit (ihrem) Geld herangeführt.

„Meine Tochter ist hinterher immer total stolz darauf, im Fernsehen zu sein. Und sie freut sich, dass sie sich nach einem Dreh zum Beispiel das Playmobilhaus kaufen kann, das sie schon so lange toll fand.“ Susanne, deren Tochter Luisa als Komparsin beim Film arbeitet

Auch die Berlinerin Susanne, die ihren Nachnamen aus Datenschutzgründen nicht verraten möchte, hat damit gute Erfahrungen gemacht. Ihre zehnjährige Tochter Luisa wirkt als Komparsin in Filmproduktionen mit. „Natürlich muss ich dafür regelmäßig Genehmigungen von der Schule und auch dem Jugendamt einholen“, meint sie, „aber die Kleine ist hinterher immer total stolz darauf, im Fernsehen zu sein und findet es super, bei Dreharbeiten von allen so nett behandelt zu werden. Und sie freut sich, dass sie sich nach einem Dreh zum Beispiel das Playmobilhaus kaufen kann, das sie schon so lange toll fand.“

Wie Antonia Thönißen betont auch Susanne, wie spielerisch und dennoch effektiv die Kinder durch ihre Tätigkeit die finanziellen Aspekte kennen lernen. Vor einiger Zeit hat sie mit ihrer Tochter ein Konto bei der Sparkasse eröffnet – und Luisa freut sich jedes Mal, wenn sie ihr Taschengeld oder die Aufwandsentschädigung für einen Dreh überwiesen bekommt. Ein weiterer positiver Effekt: Die Kinder bekommen früh mit, dass Arbeit wirklich Spaß machen kann.

Nebenjobs für die Ferien

Bei einer Agentur unter Vertrag zu sein – sei es als Sprecher oder Komparse – bedeutet aber nicht automatisch, dass regelmäßig Aufträge reinkommen. Jugendliche, die sich regelmäßig etwas dazu verdienen wollen, sollten deshalb eher auf bewährte Tätigkeiten wie Babysitten, Kellnern oder Nachhilfe zurückgreifen.

Wer als Babysitter Sicherheit und bessere Chancen bekommen will, kann vorab sogar ein spezielles Babysitter-Diplom machen. Schüler, die in Berlin auf Jobsuche sind, können sich auf Websites wie www.indeed.com, www.schuelerjobs.de oder www.gelegenheitsjobs.de umschauen.

Jugendliche Gaertnerei
Ob in der Gärtnerei oder sogar im Zoo: Die Hauptstadt bietet Teenagern vielfältige Jobmöglichkeiten. Bild: iStock

Es hilft aber auch, einen Blick auf Schwarze Bretter (zum Beispiel in Supermärkten) zu werfen oder die Unternehmen direkt persönlich zu kontaktieren. In der Hauptstadt lohnt sich dabei der Blick über den Tellerrand, denn es gibt zahlreiche interessante Jobs für Jüngere: Im Zoo wird beispielsweise dringend eine Aushilfe im Verkauf benötigt, und Musikinteressierte haben die Möglichkeit, in der Waldbühne Brezeln zu verkaufen und dazu noch tolle Konzerte zu erleben.

Auch speziell für die Ferien bietet das Internet das eine oder andere sehr interessante Angebot. So wird gegenwärtig für eine Villa in Wannsee jemand für das Housekeeping, die Gartenpflege und die Betreuung von zwei Hunden gesucht. In der Anzeige heißt es unter anderem: „Der Job ist in einer großen Villa mit Pool direkt am Wannsee, sodass Du zwischendurch auch mal schwimmen, surfen oder segeln kannst.“

Das klingt ganz danach, als könnten hier auch beim Ferienjob Arbeit und Urlaub ganz wunderbar miteinander kombiniert werden.

Nebenjobs: Kinder und Jugendliche – die Gesetzeslage

Generell ist in Betrieben die Beschäftigung von Kindern und vollzeitschulpflichtigen Jugendlichen verboten (die Vollzeitschulpflicht beträgt in Berlin 10 Jahre).

Allerdings gibt es etliche Ausnahmen. Während der Ferien beispielsweise dürfen Schüler ab 15 Jahre einer Tätigkeit nachgehen, die höchstens vier Wochen im Kalenderjahr umfasst und dabei bis zu acht Stunden täglich arbeiten. Kinder ab 13 dürfen einer Arbeit nachgehen, sofern eine Erlaubnis der Sorgeberechtigten vorliegt, die Tätigkeit leicht genug ist – und sie vor allem nicht den Schulalltag behindert. Ausführlicher hier im pdf.

Grundsätzlich gilt für Jugendliche eine Fünf-Tage-Woche, Arbeitsbeginn und Feierabend müssen zwischen 6 und 20 Uhr liegen – im Gastronomiebereich darf ab 16 Jahren auch bis 22 Uhr gearbeitet werden. Für jede Art von Beschäftigung muss übrigens ein Gesundheitszeugnis vorliegen. Die damit einhergehende Untersuchung stellt sicher, dass Jugendliche nur Tätigkeiten ausführen, denen sie physisch und psychisch auch wirklich gewachsen sind.

Tätigkeiten in den Medien sind teilweise schon für ganz kleine Kinder geeignet, was durch spezielle Regelungen vom Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit in Berlin ermöglicht wird.

Babysitterkurse werden unter anderem vom Deutschen Roten Kreuz angeboten. Die meisten Angebote richten sich an Interessierte zwischen 14 und 25 Jahren. Weitere Informationen gibt es hier: www.hallobabysitter.de.

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