Titel Arbeitsrecht
Was dürfen Mitarbeiter aus Büros mitnehmen? Das Arbeitsrecht ist hier streng; im schlimmsten Fall muss der Arbeitnehmer selber nach Hause gehen. Für immer. Bild: Shutterstock
Arbeitsrecht

Irrtümer im Büro: Briefmarke gemopst – fristlos gekündigt

Mit dem Kumpel in die Kantine, das Passwort speichern und den Schreibtisch „verschönern“: Was Sie am Arbeitsplatz dürfen – und was nicht. Unser fiktiver Arbeitstag zweier Mitarbeiter zeigt, wie schnell Beschäftigte in rechtliche Fallen tappen.

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ontag, 9 Uhr. Pünktlich betritt Tanja, das Versicherungsbüro. Sie schaltet den Computer an, rückt das Familienfoto auf ihrem Schreibtisch zurecht und tippt ihr Passwort, eine komplizierte Folge aus Ziffern, Sonderzeichen und Buchstaben, ein. Sie stellt ihr Handy lautlos.

Dann kommt Michael. 15 Minuten zu spät, wie fast jeden Montag. Er hat das Handy zwischen Schulter und Kopf eingeklemmt. Lautstark schwärmt er vom vergangenen Wochenende, während er stolz seine neueste Errungenschaft präsentiert: Einen Kalender, dessen Augustbild eine leicht bekleidete Blondine auf der Motorhaube eines Sportwagens ziert. Mit einem „schick mir das Video vom Sprung“ legt Michael auf und murmelt: „Die Bahn war mal wieder zu spät.“

Das Arbeitsrecht ist streng und konsequent

Zwei Beispiele, wie sie sich in Berlin tagtäglich ereignen. Beim Thema Verspätung ist das Arbeitsrecht streng: Kommt ein Mitarbeiter regelmäßig zu spät, kann das Konsequenzen nach sich ziehen. Auch die Ausrede mit der Bahn ist genauso wenig eine Entschuldigung wie Glatteis oder Stau. Ein Mitarbeiter hat Umstände wie Verkehr, Verspätungen und Witterung in seine Anfahrtszeit miteinzubeziehen und muss gegebenenfalls die Fehlzeit nacharbeiten.

Schreibtisch-deko
Persönliche Dinge sind am Arbeitsplatz nicht immer erlaubt. Bild: Shutterstock

Wie aber steht es um die Arbeitsplatz-Dekoration der beiden Kollegen? Als Arbeitnehmer verbringt man viel Zeit am Schreibtisch. Verständlich, dass Beschäftigte es etwas gemütlich haben wollen. Gegen persönliche Gegenstände wie Tanjas Familienfoto ist nichts einzuwenden, außer sie werden explizit verboten, zum Beispiel in Großraumbüros oder an Orten, zu denen Kunden Zugang haben. Der Betriebsrat hat in diesen Fällen Mitspracherecht. Anders sieht es bei sexistischen Gegenständen wie dem Pin-up-Kalender aus: Diese sind diskriminierend und somit zu entfernen.

Michael startet den Computer und tippt mithilfe seines Spickzettels, den er unter der Tastatur aufbewahrt, sein Passwort ein, als sein Handy mit einem lauten Piepsen eine Nachricht meldet. Es ist das Video vom Wochenende, denn Michaels größtes Hobby ist das Springen mit dem Wingsuit. Ohne Fallschirm, lediglich mit ein bisschen Stoff unter den Armen stürzt er sich von Felsen. Adrenalin pur.

Mitarbeiter dürfen nicht leichtfertig agieren

Bei der Passworteingabe begibt sich Michael auf gefährliches Terrain. Das Passwort speichern oder an einen Kollegen weitergeben ist aus Datenschutzgründen nicht erlaubt. Ein Spickzettel unter der Tastatur zeugt von leichtfertigem Umgang mit Zugriffsrechten und kann ein Grund für eine fristlose Kündigung sein.

Während Tanja ihr Handy auf lautlos stellt, kommt Michael nicht nur telefonierend ins Büro, er schreibt auch Nachrichten und schaut sich sogar Videos an. Ist das erlaubt?

Ist die Nutzung von Social-Media und Smartphones nicht ausdrücklich vom Chef erlaubt, sollte man während der Arbeitszeit besser die Finger von Facebook, Snapchat und Twitter lassen, sowohl am PC als auch am Handy. Inwiefern die Nutzung beim Arbeitgeber geduldet ist, steht im Arbeitsvertrag. In der Pause allerdings kann der Chef das Smartphone nicht verbieten.

Basejumping
Auch gefährliche Freizeitaktivitäten können für Mitarbeiter zur Falle werden. Bild: Shutterstock

Und das Basejumping? Zwar gilt: Was ein Mitarbeiter in seiner Freizeit macht, geht den Arbeitgeber in der Regel nichts an. Doch unter Umständen riskiert er bei besonders gefährlichen Sportarten die „Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall“. In den ersten sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber den Lohn, doch dieser ist nicht dazu verpflichtet, wenn der Angestellte seine Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet oder grob fahrlässig gehandelt hat.

Dürfen Pakete ins Büro geschickt werden?

Zeit für die Mittagspause. Tanja isst ihren Salat am Schreibtisch. Nachdem sie gegessen hat, raucht sie gemütlich ihre E-Zigarette. Michael geht mit einem Freund vom Fußballclub in die Mensa, dort ist es so schön günstig und er kann alles über die Kantinenkarte abrechnen. Nach dem Essen holt Michael bei der Sekretärin noch sein Paket ab. Bei dieser Gelegenheit versieht er noch schnell die Postkarte an sein Patenkind mit einer Briefmarke, fast hätte er den Geburtstag vergessen.

Im Falle der E-Zigarette ist die überraschende Antwort: Tanja darf diese am Arbeitsplatz rauchen. Das Nichtraucherschutzgesetz greift nicht bei E-Zigaretten und das Rauchen am Arbeitsplatz ist nicht verboten.

Kaffeetasse Und Paket Auf Schreibtisch
Auch Pakete dürfen sich Arbeitnehmer nicht selbstverständlich ins Büro liefern lassen. Bild: Shutterstock

Auch das Essen am Schreibtisch ist kein Problem, so lange es im Betrieb nicht grundsätzlich verboten ist und Tanja ihre Pausenzeit einhält. Michaels Verstöße hingegen beginnen bereits mit dem Besuch am Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber hat das Hausrecht und kann ein Besuchsverbot aussprechen, dann sind Gäste verboten. Auch das gemeinsame Essen in der Kantine wird problematisch, wenn die Mensa vom Unternehmen subventioniert ist.

Und das Paket, das zur Arbeitsstelle beordert wurde? Es ist bequem, sich Pakete an den Arbeitsplatz liefern zu lassen, oft wird dies in Unternehmen auch toleriert. Ein Recht auf die Annahme gibt es aber nicht. Eindeutiger ist die Sache mit der Briefmarke. Auch wenn es wie eine Bagatelle erscheint, ist selbst eine Briefmarke für private Zwecke strenggenommen Diebstahl. Dies kann mit einer fristlosen Kündigung bestraft werden.

Betriebsfeier: Freistellung nur in Ausnahme-Fällen

16 Uhr. Der Arbeitstag neigt sich dem Ende zu und etwas Besonderes steht an: Im Anschluss folgt eine kleine Betriebsfeier mit Umtrunk und Buffet. Tanja allerdings packt ihre Sachen. Sie muss zu einer Fortbildung im Rahmen der freiwilligen Feuerwehr und ist deshalb von der Feier freigestellt. Michael würde lieber zum Basejumping gehen als zum Büfett mit seinem Chef. Muss er aber. Auch hier ist der Gesetzgeber streng – der Chef dafür milder: Morgen dürfen alle mal etwas später kommen.

Buch-Tipp

„Was Chefs nicht dürfen (und was doch). Die wichtigsten Fragen und Irrtümer rund ums Arbeitsrecht“ von Sabine Hockling und Ulf Weigelt. Erschienen im Ullstein Verlag.

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