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Arbeitskleidung

Wenn Chefs bei roter Unterwäsche Rot sehen

Tätowierungen, Piercings, bunte Unterhosen oder Fingernägel: Wie sehr dürfen Arbeitgeber ihren Angestellten in Sachen Styling reinreden, insbesondere, wenn es Bereiche betrifft, die über die sichtbare Kleidung hinausgehen? Über bunte Grenzfälle in der Grauzone zwischen Arbeitsrecht und persönlichem Geschmack.

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luggäste am Flughafen Köln-Bonn dürfen im Sicherheitsbereich beruhigt sein. Sollte sich ein Sicherheitsbeamter einmal vor ihnen bücken, wird bestimmt kein bunter Unterhosenbund sichtbar sein. Dafür hat das Kölner Landesarbeitsgericht gesorgt.

Am Flughafen: Fingernägel bleiben bunt

Dieses hatte in einem kuriosen Urteil entschieden, dass für die Beschäftigten der Flughafen-Sicherheit Schlüpfer in Weiß oder Hautfarbe Pflicht und gemusterte Unterhosen verboten sind. Auch die Vorschrift, dass die Kontrolleure nicht ohne Unterwäsche erscheinen dürfen, fanden die Richter in Ordnung. Dadurch werde die Dienstkleidung geschont.

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Rote Fingernägel: Was bei der Sekretärin geht, wurde einer Sicherheitsmitarbeiterin vom Arbeitgeber verboten.

Ein Urteil, dass in Medien für Aufsehen gesorgt hat. Alles muss sich der Arbeitnehmer hingegen nicht bieten lassen – auch nicht am Flughafen Köln-Bonn: Als der Flughafen der Mitarbeiterin einer Sicherheitsfirma bunt lackierte Fingernägel verbieten wollte, protestierte der Betriebsrat – und bekam Recht. <

Auch die Dienstvorschrift, dass sich Männer die Haare nur in „natürlichen Tönen“ färben durften, wurde kassiert. Stellt sich die Frage: Wie sehr dürfen Arbeitgeber ihren Angestellten in Sachen Styling reinreden, insbesondere, wenn es Bereiche betrifft, die über die sichtbare Kleidung hinausgehen?

Das Weisungsrecht des Arbeitgebers

Grenzen ergeben sich zum Beispiel aus Hygiene- und Sicherheitsvorschriften . Wenn jemand in der Küche arbeitet, darf der Arbeitgeber ihm also eine Kopfbedeckung vorschreiben, und Mechaniker zum Beispiel dürfen keine Ketten oder Ringe tragen. „Zu gefährlich – sie könnten irgendwo hängen bleiben“, sagt Marc Repey, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

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Auch die Farbe der Unterhose wollen manche Arbeitgeber vorschreiben.

Schwierig wird die Rechtslage, wenn es um Fragen des Geschmacks geht. „Es sind zwei Rechte in Einklang zu bringen. Zum einen das allgemeine Persönlichkeitsrecht : Der Arbeitnehmer hat das Recht, sich seinem Geschmack entsprechend zu kleiden. Der Arbeitgeber hat seinerseits das Weisungsrecht . Hierunter fällt das Recht, über das Erscheinungsbild des Arbeitnehmers zu bestimmen“, erläutert Repey.

Dabei sei der Arbeitnehmer nicht schutzlos dem Arbeitgeber ausgesetzt. „Das Weisungsrecht darf der Arbeitgeber nicht nach freiem, sondern nach billigem Ermessen ausüben“, erklärt Repey. Das bedeutet, der Sinn seiner Anordnungen muss nachvollziehbar sein. „Geht es um Jobs mit Kundenkontakt, schlägt die Nadel eher in Richtung Arbeitgeber aus.“

Entsprechend können Unternehmen Mitarbeitern vorschreiben, dass ihre Haare stets sauber und nicht fettig zu sein haben oder, dass Bärte nicht wild wuchern dürfen. Einem besonders dezidierten Dresscode müssen sich Mitarbeiter der Schweizer Bank UBS unterwerfen. Die Mitarbeiterinnen bekommen in der 44-seitigen Broschüre etwa vorgeschrieben, dass sie hautfarbene Unterwäsche und Seidenstrümpfe zu tragen haben.

Privatsache Fußnägel

Gerade an wärmeren Tagen steht mancher Arbeitnehmer morgens vor dem Kleiderschrank und fragt sich, ob das kurzärmelige Hemd oder das leichte Kleid in Ordnung sind. Der Berliner Stiltrainer Jan Schaumann rät, klar zwischen Arbeits- und Freizeitkleidung zu unterscheiden.

Taetowiertet Business Typ
Tattoo und Anzug? Das hängt davon ab, ob im Arbeitsvertrag ein Dresscode festgehalten ist.

Mit einem Business-Dresscode zeigt man dem Kunden Respekt und schafft Vertrauen, das gilt auch bei der Berliner Sparkasse. Eine offizielle Kleiderordnung gibt es nicht, das Unternehmen geht davon aus, dass sich jeder Mitarbeiter seiner Verantwortung den Kunden gegenüber bewusst ist. Im Intranet gibt es einen Businessknigge , an dem sich die Mitarbeiter orientieren können. „Strümpfe sollten eine Farbnuance dunkler als der Anzug und lang genug sein, um das Bein auch im Sitzen zu bedecken“, so lautet darin eine Empfehlung.

Stilberater Schaumann hat noch einen weiteren Tipp: Sandalen, generell vorne offene Schuhe, gehen ebenfalls gar nicht. „Fußnägel sollten Privatsache sein – auch bei Frauen“, sagt Schaumann. Er arbeitet viel mit Azubis zusammen und rät ihnen, den Wunsch nach persönlicher Entfaltung zurückzustellen. „Wenn einem die geforderte Kleiderordnung zutiefst widerstrebt, dann sollte man sich selber fragen: Bin ich hier in der richtigen Branche?“, gibt Schaumann zu bedenken.

Konfliktpotential bei Tattoos und Piercings

Kunstvolle Hautgemälde, Ringe in Ohr oder Nase – viele Deutsche machen aus ihrem Körper ein Kunstwerk. Mehr als 6 Millionen Deutsche sind laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung beispielsweise tätowiert. Chefs finden das oft nicht so gut. Arbeitsrechtsanwalt Marc Repey meint dazu: „Grundsätzlich hat jeder das Recht, sich zu schmücken, wie er mag. Grenzen können sich aus Anweisungen des Arbeitgebers ergeben. Ob der Chef darauf bestehen kann, dass zum Beispiel ein Piercing entfernt wird, hängt davon ab, ob ein sogenannter Dresscode im Arbeitsvertrag festgelegt wurde. Sollte der Arbeitnehmer diese ignorieren, kann er eine Kündigung kassieren. Allerdings ist vorher eine Abmahnung erforderlich.“

Taetowierter Polizist
Ob Polizisten Tätowierungen tragen dürfen, entscheidet jedes Bundesland individuell.

Das Bundesarbeitsgericht hat Dresscodes insbesondere für Jobs mit Kundenkontakt erlaubt. Es hält Arbeitnehmer grundsätzlich für verpflichtet, sich dem Charakter des Unternehmens entsprechend zu verhalten. Das umfasst auch Tattoos, flippige Frisuren und Piercings.

Die Erwartungen, was „angemessen“ sei, wandeln sich. Das betreffe zum Beispiel Tattoos, so Repey. An sich solle die Erscheinung von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes, beispielsweise Polizisten, neutral sein. Laut Verwaltungsgericht Frankfurt sind nun aber zum Beispiel Polizisten mit „großflächigen Tätowierungen am Unterarm“ für den gehobenen Vollzugsdienst geeignet. Allerdings ist in vielen Bundesländern vorgeschrieben, dass Tattoos im Dienst nicht sichtbar sein dürfen.

Ob Polizisten Tattoos oder Piercings offen tragen dürfen, liegt also in der Entscheidung des jeweiligen Bundeslandes. In jedem Fall sind lange Haare bei Männern, noch vor vierzig Jahren ein großes Thema, mittlerweile kein Stein des Anstoßes mehr. „Dieses Styling ist angekommen in der Gesellschaft“, sagt Schaumann.

Buchtipp:

„Richtig ist wichtig – der kleine Stilberater“ von Jan Schaumann, Prospero Verlag Münster (2010), 12 Euro

Das Recht auf eigenen Stil endet, wo der Arbeitgeber ein begründetes Interesse daran hat, auf diesen Einfluss zu nehmen.

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