Titel Arbeitgeber Hund
Bild: Katrin Starke
Verdienstquellen

Mein Hund ist mein Arbeitgeber

Ob Grumpy Cat oder Doug the Pug: Durch soziale Netzwerke werden US-amerikanische Vierbeiner nicht nur zu Stars im Internet, sondern für gewiefte Besitzer sogar zur Verdienstquelle. Auch hierzulande können manche von ihren Einnahmen mittlerweile leben.

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ackel Kalle hat Matthias Schellhorn zum Plätzchen-Prinzen gemacht. Jack-Russell-Hündin Paula inspirierte Komponist Karl-Heinz Wendorff zu seinem größten Hit. Und Mischlingsrüde Moe posiert für Nicole Goetz als Foto-Model. Willkommen in der Welt der Vierbeiner, die tausende Fans und Follower haben. Und, die ihre Besitzer zu großen Einkünften geführt haben. Wir verraten, wie es gelingen kann, mit dem Job auf den Hund zu kommen. Und wir beleuchten die Schattenseiten, wenn der Vierbeiner zur Haupt-Einnahmequelle wird. Doch der Reihe nach.

Hund als Arbeitgeber, Hundebäckerei
Auf den Hund gekommen: Matthias Schellhorn mit seinen Dackeln Kalle (rechts) und Richard (links). Bild: Katrin Starke

„Den Kalle konnte ich nicht leiden“, sagt Plätzchen-Bäcker Matthias Schellhorn (46). Damals, als der Zwergrauhaar-Dackel noch seiner Mutter gehörte. Weil der immer die erste Geige spielte. Dann erkrankte Schellhorns Mutter schwer – und Schellhorns Frau entschied: „Kalle bleibt bei uns.“

Facebook gab den Anschub für die Hunde-Kunden

Matthias Schellhorn gründete die Facebook-Gruppe „Dackel Kalle aus Berlin“. Jeden Tag postete er, was der damals sechsjährige Rüde bei ihm erlebte. Die Kommentare las er seiner Mutter vor, „um mit ihr über etwas anderes zu reden als über den Krebs“. Bestand die Facebook-Gruppe anfangs aus 20 Freunden – hat Kalle heute 1.380 Fans. Einer der Facebook-Freunde war es auch, der dem knuffigen Dackel den Namen „King Kalle“ verpasste. Eine Schneiderin aus der Community nähte gar einen roten „Königsmantel“.

 Hundekekse, Königsplätzchen
Schellhorn verkauft Hundekekse mit dem besonderen Biss. Bild: Katrin Starke

Gesundheitlich stand es um den kleinen König allerdings nicht zum Besten. Der vertrug weder Hühner- noch Entenfleisch, weder Rind noch die im Handel angebotenen Leckerli. Also kaufte der gelernte Bäcker und Konditormeister Schellhorn eine Tüte Reismehl und backte selbst Kekse. Vegetarisch, glutenfrei. Ein Bombenerfolg. Vor zwei Jahren eröffnete er die Hunde-Kekserei „Königsplätzchen“, mittlerweile verkauft er im Laden und Online-Shop 16 Kekssorten. Der Renner: „Kallebanana“. Aus Bananen und Äpfeln, Dinkelvollkornmehl, Haferflocken und Olivenöl.

„Bilden Sie sich bloß nichts drauf ein“, sagt Schellhorn der weiblichen Kundschaft gern, wenn der Dackel sich kraulen lässt. „Das macht er bei jeder schönen Frau.“

Seit ein paar Monaten führt er auch „Welpen-Kekse“ – das hat seinen Grund: Der ist kleiner als Kalle, hat dunkleres Fell und hört auf den Namen Richard Löwenherz. Zufällig stießen Schellhorn und seine Frau bei einer Züchterin, die Kalles Fell trimmte, auf den kleinen Kerl. Womit klar ist, wer Kalles Nachfolge antreten wird. „Daran wollen wir aber nicht denken.“ Schließlich ist Kalle erst zehn, macht seinen Job perfekt. Der besteht darin, in seinem Körbchen auf Kunden zu warten, sich kraulen zu lassen und sich auf den Rücken zu werfen. „Bilden Sie sich bloß nichts drauf ein“, sagt Schellhorn der weiblichen Kundschaft dann gern. „Das macht er bei jeder schönen Frau.“ Schon sind ein paar Tüten Kekse im Einkaufskorb.

King Kalle Thron
Für „King Kalle“ gibt es sogar im Laden einen Thron. Bild: Katrin Starke

Aktuell baut der umtriebige „Futtermittelproduzent“ einen Thron für seine Dackel. Ein Instagram-Auftritt ist ebenfalls geplant. „Aber ich bin schon drei Stunden am Tag mit Facebook beschäftigt.“ Jeden Tag gibt es ein Abendgedicht, dazu das „Hofgeflüster“ auf der Laden-Seite mit 8.000 Followern. Was Schellhorn postet, lässt sich auch auf den Apps „King Kalle“ und „Richard Löwenherz“ nachlesen. „Manchmal denke ich, die Leute glauben, dass Kalle selber schreibt“, sagt der 46-Jährige.

Paula, der Superstar von der „Schnuffi-Ranch“

Seinen größten Hit hat Karl-Heinz Wendorff – Moderator, Sänger und Komponist – nicht für sich selbst geschrieben. Sondern für Sissi. Das Mädchen aus Freiberg trat 2013 als Sängerin in einer Show auf, die Wendorff moderierte – und in die der Künstler und Hundenarr seine Vierbeiner (drei Jack-Russell-Terrier, drei Möpse) mitgebracht hatte. „Ich habe sofort gemerkt, dass Sissi von meiner Terrier-Hündin Paula total elektrisiert war“, erinnert sich der 70-Jährige.

Das Erfolgsvideo:

Formate: video/youtube
„Dass das Lied so durch die Decke geht, damit habe ich nicht gerechnet.“ Karl-Heinz Wendorff

Spontan komponierte er das Lied „Paula, mein kleiner Superstar“ für das damals siebenjährige Mädchen. Auf seiner „Schnuffi-Ranch“ produzierte er mit Sissi und Paula das Video zum Lied, stellte es auf YouTube ein. Mehr als 1,3 Millionen Mal wurde der Schlager aufgerufen. „Dass das Lied so durch die Decke geht, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt der Berliner, der seit seinem Umzug ins brandenburgische Breydin als „Carl von Breydin“ auftritt.

 Schlager, Wendorff, Paula
Berühmter Terrier: Hund Paula mit Komponist Karl-Heinz Wendorff und einem Mädchen aus dem Publikum. Bild: Karl-Heinz Wendorff

Terrier Paula (5) ist in dem märkischen Ort bekannt wie ein bunter Hund. Denn nach dem Lied hat Wendorff, der zu DDR-Zeiten mehr als 1.000 Folgen der Fernsehsendung „Medizin nach Noten“ moderierte, ein Hörbuch über Paula und Sissi produziert – sieben Gute-Nacht-Geschichten für Kinder. Vor kurzem hat der Entertainer ein Buch herausgebracht: „Paula und ihre mopsfidele Rasselbande“. Mit der geht er jetzt auf „tierische Lese-Tour“ durch Brandenburg. „Ohne den YouTube-Erfolg wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Wendorff. Und nicht ohne Paula. „Die ist ein echt guter Chef“, sagt der Künstler.

Hund Moe als geduldiger Produkttester

Nicht nur als Muse, sondern auch als Model kann ein Hund Einnahmen bescheren: so der Drahthaar-Rottweiler-Schäferhund Mix Moe. „Er ist ein dankbares Model“, sagt Bloggerin Nicole Goetz. „Meist fotografiere ich ihn bei dem, was er gerade macht“, erzählt die 30-Jährige aus Wendtorf bei Kiel. Beim Toben, beim Knabbern an einem Kauknochen oder beim Ausprobieren diverser Futtersorten, beim Praxistest von Spielzeugen und Hundebetten.

Zeigt gern Bein: Hund Moe als Model. Bild: Nicole Goetz

Als Moe (8) mit sieben Monaten bei Bürokauffrau Nicole und Dennis Erdmann (33) einzog, kam den beiden die Idee, Moes Entwicklung in einem digitalen Tagebuch festzuhalten. „Mein Freund ist Web-Designer, mir liegt das Schreiben“, sagt Nicole. Zwei Jahre lang fütterte sie „Moe & Me“, ohne daran zu denken, den Blog zu vermarkten. Bis ein Halsbandhersteller bei ihr anfragte, ob Moe die Produkte der Firma testen wolle. Gegen Vergütung fürs Frauchen, versteht sich. Weitere Anfragen folgten.

Mittlerweile macht der Blog ein Viertel von Nicoles Arbeitszeit aus – „wenn auch nicht ein Viertel meines Einkommens“.

 Hunde-Model, Moe, Nicole Goetz
Setzt Moe gern in Szene: Nicole Goetz Bild: Nicole Goetz

Hauptberuflich arbeitet sie in der Web-Agentur ihres Freundes, halbtags. Das vierte Viertel ihrer Arbeitszeit widmet sie der Hundefotografie. Ein Tätigkeitsfeld, das sie sich durch den Blog erschlossen hat. „Dafür brauchte ich schöne Bilder, habe mich weitergebildet, um Moe in Szene zu setzen.“ Mehr als 1.200 Facebook-Freunde haben „Moe & Me“, 2.000 Follower auf Instagram, fast 600 Follower im Kurznachrichtendienst Twitter.

Dass das Projekt „Moe & Me“ endlich ist, weiß Nicole Goetz. Ende des Jahres brechen Nicole, Dennis und Moe zu einer Europa-Tour auf. Unterwegs werden sie Hotels und Cafés auf Hundefreundlichkeit testen. Wann sie zurückkehren? „Wahrscheinlich erst, wenn Moe etwas mehr Ruhe braucht.“

Königsplätzchen – Die Hundekekserei
Landauer Straße 16
Berlin-Wilmersdorf
Telefon 23 91 97 84
Öffnungszeiten: Montag – Freitag 13-18:30 Uhr, Samstag 10-14 Uhr
www.king-kalle.berlin
www.königsplätzchen.de

Karl-Heinz Wendorff
www.karl-heinzwendorff.de
www.carlvonbreydin.de
Das Video zum Lied „Paula, mein kleiner Superstar“, gibt es hier:

Hundeblog Moe & Me
www.moeandme.de

Weitere Blogs, auf denen Hunde auch als „Produkttester“ aktiv sind (Auswahl):

Mehr

Welche Tiere noch über Social-Media-Kanäle bekannt geworden sind:

Der wohl bekannteste tierische Internet-Star ist „Doug The Pug“. Der Mops aus Nashville (Tennessee), der mittlerweile den Beinamen „King of Pop Culture“ trägt, ist auf YouTube, Twitter, Facebook & Co. zu erleben, präsentiert sich auf Instagram in stylischen Outfits. Auf allen Social-Media-Kanälen zusammen sollen er bereits mehr als acht Millionen Follower haben.

"‪When ur friend buys another pitcher" -Doug

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Damit ist Doug ein echter Konkurrent für Grumpy Cat, die kleinwüchsige Katze aus Arizona, die durch ihren mürrischen Gesichtsausdruck berühmt wurde und von ihrer Besitzerin Tabatha Bundesen weltweit auf diversen Social-Media-Kanälen vermarktet wird.

Grumpy Cat tours #SXSW on the @VICELANDBUS #VICELANDBUS

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Die sozialen Netzwerke im Sturm erobert haben auch die Katzen Cole und Marmelade. Chris Poole, der Mensch hinter den beiden Vierbeinern, nutzt den eigenen YouTube-Kanal und die Berühmtheit seiner Schnurr-Tiger auch, um sich mit Tierschutzfragen zu beschäftigen.

Der YouTube-Channel

Formate: video/youtube

Und manche Tiere sind einfach berühmt, weil ihre Besitzer es sind: Der ungarische Puli „Beast“, der aussieht wie ein Wischmop, ist der Hund von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und hat schon 2,5 Millionen „Gefällt mir“-Klicks. Wo? Natürlich auf Facebook.

Karl Lagerfelds Katze Choupette hat auf Instagram mehr als 100.000 Follower. Lady Gagas Hund Asia folgen 236.000 Menschen. Darüber schrieb die „Zeit“ in ihrer Ausgabe Anfang März: „Asia hat mehr Follower als Angela Merkel“.

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