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Titel Zooschule Svenja Einsebarth
Bild: Christoph Schieder
Naturnaher Unterricht

Zooschule: "Wir möchten die Besucher für die Tierwelt begeistern"

Svenja Eisenbarth, Leiterin der Zooschule im Zoo Berlin, über das beliebteste Klassenzimmer der Stadt, die Unterstützung durch die Berliner Sparkasse und das Zebra-Rätsel.

S

ie arbeiten im vermutlich beliebtesten Klassenzimmer der Stadt. Klingt nach einem Biologie-Traumjob …

Das ist es allerdings. Die Zooschule verbindet für mich zwei Leidenschaften: Zum einen mein fachliches Interesse für Biologie, zum anderen mein langjähriges soziales Engagement für Kinder und Jugendliche. Ich habe schon lange davon geträumt umgeben von Giraffen, Flusspferden und Co. zu arbeiten. Ich habe mit einem Minijob als Guide angefangen – und habe mich offensichtlich so bewährt, dass mehr daraus wurde.

Ihr Arbeitsplatz ist der artenreichste Zoo der Welt. Haben Sie ein Lieblingstier?

Natürlich nicht, jede Art kann unglaublich faszinierend sein. Ehrlich gesagt habe ich jeden Tag ein neues Lieblingstier.

Welche Tierart ist besonders dankbar für die pädagogische Arbeit?

Mit den Schulklassen arbeiten wir ganz viel bei den Affen, die sich ideal für die Verhaltensbeobachtung eignen. Schließlich kann man das hochkomplexe Sozialverhalten einer Affengruppe unmöglich im Klassenzimmer erklären. An zweiter Stelle stehen vermutlich die eindrucksvollen Elefanten: da gibt es viel zu sehen und noch mehr zu erzählen. Zu unseren meistgebuchten Touren gehören jene, die sich mit Artenschutz und den Folgen des Klimawandels beschäftigen. Hier gehen wir zu Pinguinen und Robben und statten natürlich auch den Pandas einen Besuch ab. Pandas gehören zu den bekanntesten Botschaftern des Artenschutzes. Vielleicht regen gerade diese Sympathieträger des Zoo Berlins nach der Führung zum Nachdenken an – auch über den eigenen ökologischen Fußabdruck, der dabei zur Sprache kam.

Die Kinder lernen bei Ihnen also viel mehr als Biologie?

Allerdings. Und es ist wichtig, möglichst früh damit anzufangen. Wenn wir hier Kitakinder ganz spielerisch für Natur und Tiere begeistern, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir sie später als Schüler auch für Naturschutz, Tier- und Artenschutz sensibilisieren können.

Svenja Eisenbarth

(Jahrgang 1986) studierte Angewandte Biogeographie, Ökotoxikologie und Botanik in Trier. Nach ihrem Umzug in die Hauptstadt bewarb sie sich 2013 als Guide beim Zoo Berlin und ist seitdem ein fester Bestandteil des Teams. Sie setzt sich, mittlerweile als Leiterin der Zooschule, vor allem dafür ein, junge Menschen für die Tierwelt zu faszinieren.

175 Jahre Zoo Berlin
Lesen Sie hier mehr zum Jubiläum im August 2019

Zooschule Berlin Svenja Einsebarth
Interview in der Berliner Zooschule mit Svenja Eisenbarth und Schnecke Bild: Christoph Schieder

Machen Sie die Erfahrung, dass sich manche Großstadtkinder der Natur entfremdet haben und im schlimmsten Fall denken, Kühe seien lila?

Die Frage nach dem aktuellen Wissensstand der Klasse steht immer an erster Stelle, wenn sich Lehrer für eine Führung interessieren. Nur so können wir unsere Besucher dort abholen, wo sie gerade stehen – um weder zu langweilen noch zu überfordern. Bei manchen Klassen gehen wir dann durchaus in den Streichelzoo und sprechen über Ziege und Kuh.

In der Zooschule werden Naturwissenschaft und Biologie lebendig. Wie nah sind Ihre Führungen oder Projekte am Berliner Lehrplan?

Unsere Schulführungen sind alle auf den aktuellen Lehrplan abgestimmt und es wird fortwährend überprüft, ob es dort Veränderungen gibt. Wir legen auch Wert darauf, dass neueste Forschungsergebnisse in die Touren einfließen, deshalb haben wir beispielsweise unsere Tour zu den Affen im letzten Jahr überarbeitet. Zur Aktualisierung und Modernisierung unserer Führungen kommen wir meist im Winter, wenn Schulklassen überwiegend das Aquarium besuchen, oder in den etwas ruhigeren Sommerferien.

Wie viele verschiedene Führungen gibt es ungefähr?

Jede Führung ist ganz individuell angepasst, aber als Basis dienen rund 50 verschiedene Schulführungen und zehn verschiedene Kindergeburtstage, zudem gibt es Erwachsenentouren oder Lieblingstierbesuche. Beim „Lieblingstier“ Pinguin wird es übrigens heute mal wieder einen Heiratsantrag geben.

Wie sieht beispielsweise eine Unterrichtseinheit für eine 2. Klasse aus?

Ganz typisch für die jüngsten Schüler ist das Thema „Haustiere und Nutztiere“. Dabei werden wir neben den Lehrplanthemen ganz praktisch: Woher kommt das Fleisch, das ich esse? Wie sollte die Kuh vorher gelebt haben? Das sind Fragen, die heute einfach dazugehören.

Und was ist ein typischer Inhalt für eine 7. Klasse?

Da sind wir schon mitten in der Biologie, beispielsweise: Anpassung an Lebensräume – wie leben Tiere in scheinbar endloser Wüste oder wir gehen sie mit Hitze oder Kälte um.

Wie wissenschaftlich wird es in der Oberstufe?

Die 12. und 13. Klassen interessieren sich derzeit enorm für den Klimawandel, traditionell ist aber auch die Evolution hier ein Dauerbrenner.

Der Zoo als Klassenzimmer

Erholung, Artenschutz, Forschung – und Bildung: Von den vielen Funktionen eines Zoos hat die Bildung in Berlin einen herausragenden Stellenwert. Seit 1984 werden hier in der Zooschule Hintergründe zu Biologie und Artenschutz anschaulich vermittelt. Heute stellt das engagierte Team der Zooschule bis zu 3.000 Veranstaltungen im Jahr – seit drei Jahren unterstützt von der Berliner Sparkasse.

Die interaktiven Führungen für Klassen aller Jahrgangsstufen, die Geburtstagsfeiern für junge Leute von 5–15 Jahren, die Lieblingstierbesuche, Gebärdenspracheführungen, Abendspaziergänge, spannende Touren für Erwachsene und Kinder oder kostenlosen Lehrerfortbildungen können (mindestens 14 Tage vorher) online und telefonisch angefragt werden.

Buchungs-Hotline 030/ 25 401 400
www.zoo-berlin.de/zooschule

Eine Reportage über den Besuch einer 5. Klasse in der Zooschule lesen Sie in unserem Artikel: Vom Klassenzimmer in die Wildnis>>

Bollerwagen Zooschule Berlin
Bild: Christoph Schieder

Gibt es ein Thema, das Ihnen und dem Zoo Berlin besonders wichtig ist?

Egal, ob der Kindergeburtstag „XXL-Tiere im Zoo“ oder die Mittelstufenführung „Anpassung an den Lebensraum Wasser“: Das Thema Artenschutz wird grundsätzlich in jeder Führung angesprochen. Egal, wie individuell unsere Guides ihre Touren auf die Klasse oder die eigenen Leidenschaften abstimmen: Bedrohte Tierarten und der Schutz der Artenvielfalt sind bei jeder Tour ein Thema.

Typisch für Ihre Touren ist der Guide mit dem Bollerwagen …

Genau, mit den Bollerwagen transportieren wir unsere Exponate, mit deren Hilfe wir die Faszination Tierwelt noch greifbarer machen können: Eine Feder, um den Vogelflug zu erklären oder eine Locke vom Orang-Utan, die spielerisch zum ernsten Thema Palmölproduktion führen kann.

Wer unterrichtet in der Zooschule?

Wir haben klassische Biologen und natürlich viele angehende Biologen, Veterinärmedizinier, Lehrer der Naturwissenschaften sowie Studenten der jeweiligen Bereiche – schließlich ist das die beste Vorbereitung für deren Berufsleben. Viele unserer Guides fangen während der Uni bei uns an und wollen dann nach dem Ende des Studiums nicht mehr gehen. Ich glaube, für keinen unserer Guides ist das hier einfach nur ein Job, der Zoo Berlin ist für alle auch ein Sprungbrett, ist super im Lebenslauf – und so viel Artenkenntnis und Austausch zur Biologie gibt es wohl nirgends sonst.

Was müssen Ihre Guides mitbringen, außer, dass sie Tiere und Kinder mögen?

Man sollte gerne kommunizieren, man sollte gerne auf Leute zugehen, man sollte für diesen Job vielleicht auch ein bisschen Rampensau sein. Aber es gibt viele Wege, unsere jungen Gäste zu begeistern.

Welche Angebote gibt es jenseits der Schulklassen-Touren am Vormittag oder der Kindergeburtstage am Nachmittag?

Da gibt es so vieles. Beispielsweise den „Afrikatag“, bei dem wir uns einem ganzen Kontinent nähern, die begehrten Nachtführungen mit Taschenlampen für Kinder im Aquarium im Winter oder die neuen Feierabendtouren nach Zooschließung im Sommer. Beliebt ist auch die „Black & White“-Führung, bei denen wir auch bei den Pandas erkunden, warum Tiere schwarz und weiß sind.

Erfahren die Gäste dabei auch die Lösung des Zebra-Rätsels?

Stimmt, die Bedeutung der Zebra-Streifen ist bis heute nicht geklärt. Die für mich schlüssigste Theorie besagt, dass sie damit die Prismenaugen der Tsetsefliegen verwirren und sich so vor deren Krankheitserregern schützen.

Wie viele junge Menschen erreichen Sie etwa im Jahr?

Im letzten Jahr hatten wir rund 35.000 Gäste bei unseren etwa 3.000 Veranstaltungen.

Sowohl im Zoo als auch im Tierpark gibt es eine Schule. Welcher Standort hat welche Vorteile?

Natürlich empfehlen wir den Schulen immer eine kurze Anreise. Sowohl Zoo als auch Tierpark haben ihre ganz eigenen Highlights: Wir haben die Großen Pandas, im Tierpark sind die kleinen Pandas. Wir haben die asiatischen Elefanten, drüben sind auch afrikanische Elefanten, wir haben die Menschenaffen, im Tierpark kann man mit kleinen Varis auf Tuchfühlung gehen. Wir ergänzen und also prima.

Seit drei Jahren unterstützt die Berliner Sparkasse ihre Arbeit. Was wurde dadurch zusätzlich möglich?

Das ist ein wunderbares Engagement. Zum einen ermöglicht die Berliner Sparkasse es uns, mehr Guides einzusetzen und diese mit einem der beiden praktischen Bollerwagen oder den tollen Guide-Taschen loszuschicken, zum anderen haben wir nun endlich ein tolles und nachhaltiges Fotobuch als Geschenk für jedes Geburtstagskind. Das Spitzmaulnashorn Maburi, dessen Patenschaft die Berliner Sparkasse übernommen hat, ist so auch zu unserem Symboltier geworden. Die Berliner Sparkasse hat auch die coolen Jutebeutel ermöglicht – auf denen ist Comic-Maburi drauf.

Der Zoo Berlin feiert in diesem Jahr seinen 175. Geburtstag und macht sich fit für die Zukunft. Was wünschen Sie sich zum Jubiläum?

Wir haben das Glück, dass unserem Direktor Dr. Andreas Knieriem Umweltbildung besonders wichtig ist. Davon profitieren wir seit seinem Amtsantritt 2014 und deshalb schaue ich voller Tatendrang in die Zukunft. Ich persönlich wünsche mir noch viele weitere Menschen für die faszinierende Tierwelt zu begeistern.

Berliner verstehen sich

Entdecken Sie Berlin-Charlottenburg. Robert Hofmann hat sich wieder auf Entdeckungstour durch Berlin gemacht und sich diesmal in Berlin-Charlottenburg umgesehen. Hier geht‘s zum Video >>

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