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Titel Taschengeld
Bild: iStock
Ratgeber

Wie viel Taschengeld ist genug?

„Andere bekommen aber mehr als ich!“ Diesen Satz hören viele Eltern. Wir erklären anhand von Beispielen, wie Sie sich in puncto Taschengeld richtig verhalten.

S

tolz zieht Theo seine Geldbörse aus der Hosentasche. „Ich kaufe uns Gummitiere“, gibt sich der Achtjährige gönnerhaft. Seine Kumpels schieben sich eine Leckerei nach der anderen in den Mund, Theo hat von den süßen Tierchen letztlich kaum eines abbekommen. Das Taschengeld ist futsch, aber Theo um eine Erfahrung reicher. Taschengeld ist ein wichtiges Mittel, um den Umgang mit Geld zu lernen. Besser mit wenig Geld kleine Fehler machen als später mit viel Geld große Fehler.

Die Höhe vom Taschengeld richtig bestimmen

Theo bekommt von seinen Eltern 2,50 Euro in der Woche. „Dafür kann ich kaufen, was ich will“, sagt der Achtjährige. Meist investiert er seine Barschaft in Süßigkeiten – insbesondere in die heiß geliebten Gummitiere. „Die kaufen mir meine Eltern nicht, weil sie meinen, die wären ungesund“, erklärt er altklug. Dann steckt er sein Wochentaschengeld in die Spardose. Er nimmt das bunte Kästchen vom Regal und schüttelt es. Da seien sicher schon eine Menge Taler drin, habe Oma kürzlich gesagt.

Fahrplan-taschengeld

„Fahrplan Taschengeld“ gibt Empfehlungen für Eltern

Theos Eltern zahlen ihrem Sohn Taschengeld, seit er eingeschult wurde. Anfangs waren sie unsicher, welche Summe angemessen sei, und erkundigten sich bei Eltern von Mitschülern. Von einem befreundeten Ehepaar bekamen sie den Tipp, sich an den Empfehlungen im Fahrplan Taschengeld zu orientieren, den der Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut erarbeitet hat.

Umgang mit Geld: Früher für später lernen

Dass der Drittklässler fast nur Süßigkeiten kauft, ist den Eltern zwar ein Dorn im Auge, aber sie akzeptieren es. Denn es ist ja gerade die Idee, dem Kind Geld zur freien Verfügung zu geben. „Das Taschengeld unterstützt die Kinder dabei, einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu erlernen“, erklärt Markus Schmidt, Wirtschaftswissenschaftler aus Elsdorf im Rheinland. „Kinder, die frühzeitig lernen, mit ihrem Geld zu haushalten, können sich später besser in der Geschäftswelt zurechtfinden.“ Außerdem würden sie die Erfahrung machen, welche Käufe sinnvoll seien und welche nicht, betont Sven Heidorn vom Eltern-Kind-Portal Kinderinfo.de. Bis zum zehnten Geburtstag sehen Jugendämter eine wöchentliche, danach eine monatliche Auszahlung des Taschengeldes vor.

Taschengeld-planer
Bild: Berliner Sparkasse

Das Taschengeld im Blick

Den „Taschengeldplaner“ von „Geld und Haushalt“ , dem Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe, gibt‘s aktuell in allen Filialen der Berliner Sparkasse oder auch online
www.geld-und-haushalt.de/taschengeld

Mit Kindern über die Finanzen der Familie sprechen

Charlotte bekommt von ihrer Mutter 15 Euro im Monat. Davon kauft sich die Elfjährige mal ein Eis, aber gern auch ein Bastelheft. „Letzten Monat war ich mit meiner Freundin im Kino“, erzählt sie. „Das Geld dafür hätte Mama mir sicher auch gegeben, aber ich wollte sie nicht fragen.“

Empfehlung Hoehe Taschengeld
Bild: Berliner Sparkasse

Charlotte weiß, dass ihre Mutter als Alleinerziehende jeden Cent zweimal umdrehen muss. Darüber hat die Sachbearbeiterin mit ihrer Tochter gesprochen. Denn anfangs hatte es Charlotte gewurmt, dass manche Mitschülerinnen 5 oder gar 10 Euro pro Monat mehr im Portemonnaie hatten als sie. Aber seit die Mutter mit ihr gemeinsam alle laufenden Kosten eines Monats aufgelistet hat, weiß sie, dass mehr einfach nicht drin ist. „Es ist ratsam, wenn Erziehungsberechtigte mit ihren Sprösslingen offen über das Thema Geld reden“, sagt Markus Schmidt. „Wenn Kinder die finanzielle Situation der Familie kennen, können sie verstehen, warum das Taschengeld niedriger ausfallen muss.“

Geldkürzungen nicht zum Bestrafen nutzen

Wichtig ist Charlottes Mutter, dass die Elfjährige ihr Taschengeld pünktlich am ersten Werktag eines Monats bekommt – nicht später, aber auch nicht eher. „Kredit bekommt Charly bei mir nicht“, unterstreicht die Mutter. „Selbst wenn ihr Geld schon in der Mitte des Vormonats aufgebraucht ist.“ Richtig so, unterstreichen Finanzexperten der Verbraucherzentrale. Denn die Einnahmen der Mutter lassen sich ja auch nicht beliebig aufstocken. Das müssten Kinder spüren. Wichtig sei aber, das Taschengeld keinesfalls zu kürzen, weil das Kind sich schlecht benommen oder miese Schulnoten nach Hause gebracht hat. „Wer das Geld als Strafmaßnahme missbraucht, nimmt dem Kind die Planungssicherheit – etwa wenn es auf einen größeren Wunsch spart“, meint Haushaltswissenschaftlerin Kirsten Schlegel-Matthies von der Uni Paderborn.

Taschengeld und Budgetgeld ab 16 Jahren

Charlotte bekommt ihr Taschengeld auf ein kostenloses Startkonto bei der Berliner Sparkasse. „Da kriege ich auch noch Zinsen“, freut sich die Kleine. Sorge, dass Kinder mehr abheben, als sie haben, müssen sich Eltern nicht machen: Einen Dispokredit gibt es bei einem Startkonto nicht. Nick hat auch ein eigenes Konto, bekommt seine 40 Euro Taschengeld aber in bar. Das Girokonto ist fürs Budgetgeld – weitere 50 Euro im Monat. Vom Taschengeld zahlt der 16-Jährige Kinobesuche und das Getränk, wenn er sich mit seinen Kumpels verabredet. Vom Budgetgeld muss er notwendige Ausgaben wie seine Handyrechnung, Bahnfahrkarten und Schulbedarf bezahlen, aber auch seine schicken Sportschuhe. „Wir geben ihm das Geld für ein ‚normales‘ Paar Turnschuhe“, erklärt Vater Klaus. „Wenn er aber meint, unbedingt diese spezielle Marke haben zu müssen, zahlt er die Differenz aus eigener Tasche.“

Taschengeldempfehlungen

Quelle: Aktualisierte Zahlen 2018 auf Basis der Expertise “Taschengeld und Gelderziehung” des Deutschen Jugendinstituts in Zusammenarbeit mit Geld und Haushalt, Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe

unter 6 Jahre: 0,50 bis 1 Euro/Woche
6 Jahre: 1 bis 1,50 Euro/Woche
7 Jahre: 1,50 bis 2 Euro/Woche
8 Jahre: 2 bis 2,50 Euro/Woche
9 Jahre: 2,50 bis 3 Euro/Woche

Weil Kinder bis zum zehnten Lebensjahr selten einen ganzen Monat finanziell planen können, ist zunächst eine wöchentliche Auszahlung sinnvoll. Später sollten Kinder dann auch längere Perioden finanziell überschauen lernen.

10 Jahre: 15,50 bis 18 Euro/Monat
11 Jahre: 18 bis 20,50 Euro/Monat
12 Jahre: 20,50 bis 23 Euro/Monat
13 Jahre: 23 bis 25 Euro/Monat
14 Jahre: 25,50 bis 30,50 Euro/Monat
15 Jahre: 30,50 bis 38 Euro/Monat
16 Jahre: 38 bis 45,50 Euro/Monat
17 Jahre: 45,50 bis 61 Euro/Monat
ab 18 Jahre: 61-76 Euro/Monat

Klare Regeln: Was muss das Kind selbst bezahlen, was übernehmen die Eltern?

Das Jugendinstitut empfiehlt ein Budgetgeld ab einem Alter von 14 Jahren. Dann seien Kinder alt genug, um eigenständig Kaufentscheidungen zu treffen. Grundsätzlich sollte ein Kind immer mehr Ausgaben selbst bezahlen, je älter es werde, vertritt Sven Heidorn von Kinderinfo.de – allerdings müssten Taschen- und Budgetgeld dann in der Höhe entsprechend angepasst werden. Und: Es sollte klar geregelt sein, was aus eigener Tasche bezahlt werden müsse.

Zusätzliches Budgetgeld ab 14 Jahren

Kleidung/Schuhe: 30 bis 50 Euro/Monat
Schulmaterial: 5 bis 10 Euro/Monat
Bus/Bahn: 15 bis 20 Euro/Monat
Essen außer Haus: 20 bis 30 Euro/Monat
Handy/Internet: 10 bis 20 Euro/Monat
Kosmetik/Pflege: 5 bis 10 Euro/Monat

www.geld-und-haushalt.de/taschengeld

Das erste Konto

Bereits Grundschulkinder können mit einem Startkonto lernen, wie man Ausgaben kontrolliert und Sparziele erreicht. Der KNAX-Klub der Berliner Sparkasse bietet hierfür ein pädagogisches Konzept an, das mit spielerischen Elementen an den Umgang mit Geld heranführt. Mehr dazu in unserem Beitrag >Didi, Dodo und die großen Zinsen> und auf der Website der Berliner Sparkasse.

Das kostenlose Startkonto für Kinder und Jugendliche

  • 3 Prozent jährlich für die ersten 1.000 Euro bis zum 12. Geburtstag
  • bis zum 25. Geburtstag kostenfrei
  • passt sich an wachsende Bedürfnisse an
    www.berliner-sparkasse.de/startkonto

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